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Symphony X: Underworld

Der Beginn des Niedergangs einer großartigen Band?
Wertung: 6/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 63:59
Release: 24.07.2015
Label: Nuclear Blast

Ich gebe es zu: Als SX-Fan im Allgemeinen und im Speziellen solch grandioser Platten wie „The Divine Wings Of Tragedy“, „Twilight In Olympus“ und „V – The New Mythology Suite“ (allesamt ohne jede Diskussion Zehn-Punkte-Alben), die von Bombast und Opulenz gekennzeichnet waren, gefiel mir schon die deutlich härtere Ausrichtung der letzten Scheibe „Iconoclast“ nicht so richtig. Zu viele Gitarren, zu wenig Keyboard, praktisch das komplette Songwriting von Michael Romeo im Alleingang – irgendwie verkommen Symphony X immer mehr zu einer One-Man-Show des Gitarreros. Songschreiberisch war das alles zwar zweifellos immer noch sehr stark (demnach sind 8,5 Punkte nach wie vor sicherlich gerechtfertigt), dennoch ist es schon bezeichnend, dass es sich beim herausragenden Song „When All Is Lost“ um ein insgesamt eher balladeskes Stück handelte, bei dem auch Tastenmann Michael Pinnella ein bisschen mehr zeigen durfte, was er tatsächlich kann.

Es war zu befürchten, dass die Truppe (bzw. Gitarrist Romeo) diesen Kurs beibehalten würde und der erste vorab veröffentlichte Song „Nevermore“ untermauerte diese Befürchtung ziemlich klar: Die Klampfen stehen überpräsent im Vordergrund, was zwar nicht bedeuten muss, dass die gesamte Platte in diesem Stil gehalten ist, da dies jedoch auch auf dem Vorgänger der Fall war, konnte man es wenigstens annehmen. Die Krux ist aber vor allem: Der Song ist schlicht langweilig, eröffnet bereits mit einem x-mal gehörten Standardriff und der Chorus will überhaupt nicht zünden. Ohne Frage ist er zwar eingängig, aber letztlich doch sehr fad und uninspiriert.

Mit „Without You“ stellte man dann zwar einen ruhigeren Song vor, in dem auch mal Akustikgitarren und Keyboardstreicher vorkommen, aber auch hier gilt: überzeugend ist etwas anderes. Der Refrain ist unglaublich cheesy, die Lyrics sind schwach und man hat mehr oder weniger alles bei sich selbst zusammengeklaut – die „Accolade“-Referenzen sind unüberhörbar. Früher störten diese Selbstzitate nie wirklich, es war im Gegenteil immer faszinierend, wie diese Formation es schaffte, eine Hammerplatte nach der anderen zu veröffentlichen und dabei stets ihrem Stil treu zu bleiben. So langsam aber hat sich die Band wohl festgefahren, gerade „Without You“ ist fürchterlich vorhersehbar, an frühere Balladen-Großtaten wie eben „The Accolade“, „Accolade II“ oder „Communion And The Oracle“ reicht man zu keiner Sekunde heran.

Der Titelsong mit den Düster-Keyboards zu Beginn und seinem dann endlich mal tatsächlich sehr coolen Refrain, der einen guten Drive besitzt, markiert glücklicherweise einen Lichtblick und auch „Kiss Of Fire“ kann durchaus mitreißen. „Charon“ wiederum beginnt erneut mit einem ausgelutschten Riff, das auch ziemlich kompromisslos durch die Strophe exerziert wird, der melancholische Chorus allerdings ist sehr gelungen, geradezu elegant und definitiv einer der besten Momente auf „Underworld“.

Zu dumm, dass der anschließende Longtrack „To Hell And Back“ (im Übrigen klingen schon die plumpen Songtitel alle dermaßen nach Standardware) danach wieder zum Gähnen langweilig geworden ist. Fast ausschließlich im Midtempo gehalten, schleppt sich die Nummer in etwa so überraschend wie Sand am Strand dahin und der flache Refrain setzt dem Ganzen die negative Krone auf. „In My Darkest Hour“ und „Run With The Devil“ sind ebenfalls eher durchschnittlich ausgefallen. Es fällt nicht leicht, über eine seiner Lieblingsbands, die einen über viele Jahre des Lebens begleitet hat, diese Zeilen zu schreiben, aber als Redakteur gilt es nun mal, die rosarote Fanbrille abzusetzen, auch wenn es manchmal wehtut.

„Underworld“ ist bislang die mit Abstand schwächste Scheibe von Symphony X geworden – viel zu vorhersehbar, ohne Spannung und von hinten bis vorne zugeknallt mit Gitarren, es ist kaum mal ein bisschen Luft vorhanden. Die ewig gleichen Gniedel- und Legato-Läufe von Romeo fangen irgendwann sogar an zu nerven, weil sich auch da nichts Neues tut. Dude, lass doch die anderen Kollegen auch mal wieder beim Songwriting mitwirken, dann gibt es vielleicht wieder etwas Innovatives zu hören! Mehr Keyboard wäre eine gute Maßnahme, so geschehen im vom Piano getragenen „Swan Song“, das zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, aber auf jeden Fall zum besseren Material auf dem Album gehört. Auch Übersänger Russell Allen kann eigentlich viel zu selten zeigen, was er wirklich draufhat.

Natürlich ist „Underworld“ hervorragend produziert und dass vom technischen Standpunkt alles vom Feinsten ist, braucht wohl kaum extra erwähnt zu werden. Doch das reicht selbstverständlich nicht allein, um zu einem überzeugenden Endergebnis zu kommen. Ich hätte nie gedacht, dass es mal so weit kommen würde und ich tatsächlich sagen muss, dass diese fantastische Band ein schwaches Album veröffentlicht – selbst die alles andere als großartige letzte Dream Theater-Platte war stärker. Nach erneut langer Wartezeit von vier Jahren und für die Verhältnisse dieser Band eine Riesenenttäuschung.

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