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Symphony X: Iconoclast

Der Härtegrad wurde neuerlich erhöht
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 62:54
Release: 17.06.2011
Label: Nuclear Blast

Lange, sehr lange wurden die Fans von Symphony X auf die Folter gespannt, denn ständig wurde der Release-Termin für „Iconoclast“ nach hinten verschoben. Sicherlich ist es richtig, auf Qualität zu achten und lieber nachzubessern, anstatt sich mit Schlampereien zufrieden zu geben und einen Schnellschuss abzuliefern, aber der Druck wird dadurch natürlich nicht geringer. Allerdings konnte man sich bei dem Quintett aus New Jersey bislang auch noch nie beklagen, denn bisher konnte jedes Album überzeugen, auch wenn es nicht wenige geben wird, die der alten Ära bis „V“ hinterhertrauern, da die Band mit dieser Scheibe den Höhepunkt, was Bombast und Keyboardteppiche anging, erreicht hatte und ihren Sound in der Folgezeit kontinuierlich härter gestaltete.

Wer nun hofft, Symphony X würden wieder "back to the roots" gehen, den Härtegrad herunterschrauben und an frühere Werke anknüpfen, wird möglicherweise eine Enttäuschung erleben, denn die Amerikaner haben ganz im Gegenteil den Härtegrad noch einmal erhöht. Diejenigen, die bei der "Power Of Metal"-Tour, als die Band mit Nevermore und Psychotic Waltz unterwegs war, dabei waren, werden sich erinnern, dass man mit „The End Of Innocence“ und „Dehumanized“ damals zwei neue Stücke präsentierte, die doch ziemlich heavy waren; so gesehen kann man diese durchaus als repräsentativ für „Iconoclast“ betrachten.

Dies bedeutet nun allerdings nicht, dass die Band auf den für sie typischen Bombast vollkommen verzichtet hätte; im Opener und Titelsong (mit knapp elf Minuten gleichzeitig der längste Track der Scheibe) sind jede Menge Chöre zu hören und die Passage in der Mitte des Epos besitzt einmal mehr Filmsoundtrackcharakter. Kein Wunder, dass Frontmann Russell Allen einst über Michael Romeo sagte, er könne sich gut vorstellen, der Gitarrist würde irgendwann Soundtracks komponieren, wenn er auf den Rock’n’Roll-Zirkus keinen Bock mehr hätte. Es ist schon klasse gemacht, wie die Gitarren ganz eindeutig im Vordergrund braten, ohne dass Symphony X ihre progressiven, neoklassisch geprägten Trademarks abgelegt hätten, wobei Lästermäuler wieder sagen werden, dass bereits hier viele Wendungen auftauchen, die man bei der Combo in ähnlicher Form schon hundertmal gehört habe. Das ist zwar nicht vollkommen von der Hand zu weisen, auf der anderen Seite aber auch eines jener Wiedererkennungsmerkmale, welche die Band so einzigartig und eigenständig machen.

Und sei es wie es will, eine Weiterentwicklung ist klar erkennbar: Mit dem vom Barock geprägten Rüschen-Prog, der so häufig an Queen erinnerte, haben Symphony X nicht mehr viel zu tun und sich stattdessen klammheimlich zu einer von Thrash und Filmsoundtracks inspirierten Kapelle gemausert. Und das muss man auch erst einmal hinkriegen, ohne die eigenen typischen Merkmale abzulegen. Nebenbei ist „Iconoclast“ songschreiberisch wieder ganz stark geworden, auch wenn sich einiges sicherlich erst nach mehreren Hördurchgängen richtig entfaltet und seine wahre Klasse offenbart – hier und da erscheinen manche Passagen zunächst doch etwas sperrig und Tracks wie der Speed-Kracher „Bastards Of The Machine“ oder „Prometheus (I Am Alive)“ etwas standardmäßig. Doch auch wenn Symphony X stets für supereingängige Refrains standen, ist es für eine Prog-Band ja nichts Ungewöhnliches, wenn man sich erst in die Songs reinhören muss.

Der Titelsong, der die Marschroute perfekt vorgibt und bereits alle Elemente der neueren Symphony X bestens zusammenfasst, entpuppt sich nach ein paar Rotationen als kleines Meisterwerk mit geilem Mitgröl-Chorus, das tonnenschwere Mainriff von „The End Of Innocence“ ist völlig simpel, aber genial, um die Rübe zu schütteln, „Dehumanized“ (bei dem Titel muss wohl jeder sogleich an ein gewisses, ähnlich betiteltes Album von Black Sabbath denken) punktet ebenfalls vor allem durch den Chorus und seine Riffs – doch im Prinzip kann man dies bei so gut wie jedem Stück sagen. Allens Power-Röhre ist immer wieder ein Phänomen (hier singt er noch mal etwas rauer) und die Aussage von Drummer Jason Rullo, er sähe in Romeo den Tony Iommi unserer Zeit, mögen einige als etwas hochgegriffen empfinden, doch wer sich die hohe Riffkunst, die der Mann beispielsweise bei „Heretic“ oder „Electric Messiah“ zum Besten gibt, zu Gemüte führt, wird erkennen, dass diese Bemerkung nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, zumal die Platte überhaupt Riff-betonter ist und die Soloparts etwas reduziert wurden.

Verständlich wäre es zwar, wenn Leute herumjammern sollten, dass der Pathos früherer Tage fehlt, das ändert an der Güte der Songs, der Arrangements und selbstredend dem handwerklichen Vermögen jedoch nichts. Vorwerfen muss man der Band lediglich, dass sie wirklich kaum mal herunterschaltet; das erste richtige Durchschnaufen ist erst bei „Children Of A Faceless God“, das etwas entspannter daherkommt, möglich; das ist auch der Grund dafür, dass die Scheibe anfangs etwas sperrig und fast gleichförmig erscheint. Auch ist die Songreihenfolge etwas unglücklich gewählt, da man die mit „When All Is Lost“ einzige wirklich ruhige Nummer – die zum Finale hin allerdings auch ordentlich an Fahrt aufnimmt – ans Ende gepackt hat. Zwar ist dies auf der Limited Edition, die zwei CDs und drei weitere Songs, auf die hier mangels Vorhandensein nicht eingegangen werden kann, enthält, etwas anders, aber es wäre trotzdem definitiv vorteilhafter gewesen, den Song in die Mitte zu packen. Zweifellos ist „When All Is Lost“ eines der absoluten Highlights mit göttlichem Zusammenspiel von Piano und Akustikgitarre und ganz in der Schnittmenge von Stücken wie „The Accolade II“ und „Paradise Lost“ gehalten. Tränentreibend schön, und viele werden etwas wehmütig denken, dass ein zwei Nummern mehr dieser Machart wohl nicht geschadet hätten.

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