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Sylvan: Force Of Gravity

Eines der besten Alben in der Geschichte der Band
Wertung: 9.5/10
Genre: Artrock / Progressive Rock
Spielzeit: 69:32
Release: 25.09.2009
Label: Sylvan Music / Rough Trade

Sylvan aus Hamburg existieren seit 1998 unter diesem Namen, gingen allerdings aus der 1991 gegründeten Band Chamäleon hervor. Die Selbstbeschreibung ihrer Musik als „kraftvollen und vielschichtigen Sound mit emotionaler Tiefe“ mag so mancher möglicherweise als etwas hochgestochen empfinden, im Prinzip aber sind dies genau die richtigen Worte für das, was das Quintett fabriziert. Gemeinhin dem Artrock zugeordnet, lassen sich Sylvan dennoch nicht leicht in eine Schublade stecken, am ehesten kann man sie wohl noch mit Marillion vergleichen. Gerade mit den letzten beiden Alben „Posthumous Silence“ und „Presets“ stellte die Gruppe nämlich ihre Vielseitigkeit unter Beweis, da diese zwei Scheiben praktisch zur gleichen Zeit erschienen, jedoch völlig anders aufgebaut waren: Während „Posthumous Silence“, welches 2006 herauskam, ein bombastisches, komplexes Konzeptalbum darstellte, besaßen bei dem ein Jahr später veröffentlichten „Presets“ die einzelnen Songs eher einen eigenständigen Charakter und waren dementsprechend insgesamt kürzer und eingängiger gehalten.

Trotz – oder gerade wegen – dieser unterschiedlichen Formate hat die Band definitiv einen eigenständigen Stil und tiefschürfend und emotional klang sie schon immer – das zeigt auch das neue Werk „Force Of Gravity“, das nun vorliegt, und von dem man gespannt sein konnte, was sich die Hamburger nach den beiden letzten, so unterschiedlichen, quasi unmittelbar hintereinander veröffentlichten Platten, haben einfallen lassen. Konsequenterweise müsste man wohl eine Art Kombination aus „Presets“ und „Posthumous Silence“ erwarten. Und tatsächlich setzen Sylvan auf ihrem neuesten Output sowohl auf eingängige Passagen, wie auch auf orchestralen Bombast, auf der anderen Seite aber geht man noch einen Schritt weiter und hat einige vertracktere, progressive, härtere Sequenzen eingebaut – möglicherweise hängt dies damit zusammen, dass man mit Jan Petersen einen neuen Gitarristen in den Reihen hat.

Jedenfalls findet sich mit „Follow Me“ ein für Sylvan-Verhältnisse zumindest in einigen Passagen fast schon verfrickeltes Stück auf „Force Of Gravity“, in dem inhaltlich mit der unermesslichen, skrupellosen Gier von Managern in der Finanzwelt abgerechnet wird. Der Refrain erinnert latent an „Forgotten Virtue“ von „Posthumous Silence“, was allerdings irgendwie passt, denn Moral und Rücksicht sind schließlich tatsächlich eine vergessene Tugend in der Wirtschafts- und Finanzbranche.

Ein ähnliches gilt für den Track „King Porn“ – bei dem man zum inhaltlichen Thema wohl nicht extra viel sagen muss –, der bei einem sehr melodischen Refrain mit einem harten, beinahe schon dreckigen Main-Riff aufwartet und mit einer kurzen Doublebass-Passage endet, andererseits jedoch einen klavierbetonten Mittelpart beinhaltet.

Doch auch das traumhafte „Turn Of The Tide“ lebt von Kontrasten: Da wechseln sich rockige Gitarrenriffs mit zerbrechlichen Gesangslinien und sanften Pianoklängen ab, doch stets ist alles völlig nachvollziehbar und dem Song gerecht eingesetzt: Sylvan haben sich spürbar weiter entwickelt und verstehen es anno 2009 besser denn je, mit Gegensätzen und verschiedenen Einflüssen zu jonglieren. Dass man progressiver und noch abwechslungsreicher zu Werke geht, zeigt auch das finale, über 14 Minuten lange „Vapour Trail“, dessen Keyboardstimmen hin und wieder sogar an Arena erinnern, doch kürzere, einfachere Stücke wie „Embedded“, das mit einem sehr prägnanten Refrain gesegnet ist, oder „God Of Rubbish“ stehen dem völlig problemlos gegenüber und integrieren sich prächtig ins Gesamtbild.

Der bereits angesprochene, orchestrale Bombast ist auf Sylvans siebtem Studioalbum ebenfalls besser und durchdachter als je zuvor eingesetzt worden: Beim großartigen Titeltrack und Songs wie „Isle In Me“ (eine Wahnsinns-Ballade!), „From The Silence“ (mit einem zum Heulen schönen Refrain ausgestattet), „Episode 609“ oder „Midnight Sun“ (ein Duett von Sänger Marco Glühmann mit Miriam Schell, die bereits auf vorigen Alben der Band in Erscheinung trat) kann man gar nicht anders, als die Augen zu schließen und in der Musik zu versinken.

Alles in allem scheint der Line-Up-Wechsel an der Gitarre die Band überhaupt nicht beeindruckt zu haben (eher im Gegenteil), vielmehr hat sie mit „Force Of Gravity“ das vielleicht beste Album ihrer bisherigen Karriere vorgelegt. Sylvan präsentieren sich vielseitig wie nie zuvor, sind trotz vereinzelter härterer und progressiverer Klänge aber immer noch dieselbe melancholische und elegische Gruppe, die einen mit fragilen Tönen und sehr emotionalem Gesang unheimlich tief berührt.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann