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Switchblade: Switchblade [2009]

Die Grenzen der Langsamkeit ausgelotet
keine Wertung
Genre: Sludge/Doom Metal
Spielzeit: 49:13
Release: 09.09.2009
Label: Trust No One Recordings

Auf dem Cover des fünften selbstbetitelten (sic!) Albums der schwedischen Band Switchblade prangt ein einsamer, dreiarmiger Kerzenständer, das gesamte Artwork ist in düsteren Grautönen gehalten. Im Inneren des Booklets findet sich ein Foto des Equipments der Band, das nur von besagtem Leuchter in schummriges Licht getaucht wird, sowie Verse voller Hoffnungslosigkeit und Brutalität, die Endzeitstimmung heraufbeschwören. Die Tracklist offenbart drei Titel, bezeichnet mit "[Part I]", "[Part 2]" und "[Part 3]" und eine Gesamtspielzeit von 49 Minuten. Dass die nicht durch progressive Songstrukturen und ellenlange Gitarrensoli erreicht wird, versteht sich wohl von selbst.

Stattdessen machen sich Switchblade auf, die Grenzen der dem Doom Metal eigenen Langsamkeit auszuloten. Mit gandenloser Geduld und Zähigkeit hämmern die drei Schweden dem Hörer ihre musikalischen Weltuntergangsphantasien in den Schädel und bewegen sich dabei irgendwo in den tiefschwarzen Untiefen zwischen Sludge, Funeral Doom und Drone Doom Metal.

Zwar ist "[Part I]" mit knapp zwölfeinhalb Minuten der kürzeste Song der Platte, dafür basiert er aber auch zum großen Teil auf einem einzigen, immer wieder leicht variierten Riff, der auf Gitarre, Bass, Schlagzeug und Orgelklängen basiert und so langsam und dabei doch regelmäßig aus den Boxen quillt, dass sich bald eine fast schon meditative Stimmung einstellt. Dass trotzdem kein beruhigendes Wohlgefühl, sondern andauerndes, düsteres Unbehagen herrscht, ist neben den großzügig eingebauten Dissonanzen vor allem Anders Steens heiserem Schreigesang zuzuschreiben, der, in den Hintergrund gemischt und damit wie ein zusätzliches Instrument wirkend, die finstere Atmosphäre der Musik noch verstärkt. Immer wieder finden sich außerdem ruhige Passagen, die bald darauf unvermittelt mit besonderer Heftigkeit durchbrochen werden.

Was zunächst wie ein Beerdigungsmarsch begann mündet schließlich mit brachialer Heftigkeit in "[Part II]". Dieser gestaltet sich deutlich unberechenbarer und brutaler als sein Vorgänger und ist weitestgehend von dröhnenden Gitarrenwänden à la Sunn O))) auf schweren Grooves geprägt. Im Hintergrund schreit sich der Sänger, wie es scheint, die Seele aus dem Leib. Für kurze Zeit kippt auch dieser Song in ruhigere Gefilde ab, die jedoch bald wieder von schweren Riffs abgelöst werden. Stellenweise nehmen Switchblade hier ordentlich Fahrt auf, sind aber immer noch vergleichsweise langsam. Den schleppenden Charakter legt die Musik zu keinem Zeitpunkt wirklich ab, auch wenn die Band durch Tempovariationen für Spannung sorgt.

Apropos Tempovariation: "[Part III]" zwingt den Hörer durch klar strukturierte und absehbare Riffs zunächst in einen hypnotischen Rhythmus, ehe die Band in einer Art Brecheisenritardando die Geschwindigkeit des Songs plötzlich radikal drosselt. Der Effekt ist erstaunlich: nickenden Kopfes hat man plötzlich das Gefühl, die gesamte Umgebung hätte sich schlagartig verlangsamt. Dass auf den anschließenden Moment der Ruhe bald darauf wieder ein Sturm folgt, bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung. Mit den heiser gekeuchten Worten "Be loud, be slow, as the march of celestial time", mit denen das Album endet, bringen Switchblade ihre Musik schließlich auf den Punkt.

Fazit: Für diese Platte sollte man sich jede Menge Zeit nehmen. Nebenbei Anhören geht gar nicht, einzelne Songs aus dem Gesamtwerk herausgreifen auch nicht. Switchblade wollen am Stück und mit großer Konzentration gehört werden. Die hypnotische Wirkung der Platte muss Raum bekommen, sich zu entfalten, sonst gerät die puristische, minimalistisch geprägte Musik zur langwierigen und vor allem langweiligen Angelegenheit. Für Hörer mit dem Bedürfnis nach Melodie, nachvollziehbaren Abfolgen in der Struktur oder Abwechslungsreichtum in der Komposition ist diese Scheibe die reinste Tortur. Für musikalische Grenzgänger mit Freude am Experiment und Interesse an der tiefenpsychologischen Wirkung von Musik ist "Switchblade" jedoch ein wirklich zu empfehlender Trip. Erstere lesen anstelle von "Keine Wertung" bitte eine Wertung zwischen 2 und 4 Punkten; letztere stellen sich 8 bis 9 Punkte vor und geben diesem Klumpen vertonter Finsternis eine Chance.

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