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Swallow The Sun: When A Shadow Is Forced Into The Light

Beeindruckender Nachfolger des „Songs Of The North“-Tripletts
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Death Metal, Doom Metal
Spielzeit: 52:30
Release: 25.01.2019
Label: Century Media

Seit der Veröffentlichung des letzten imposanten Dreifach-Albums „Songs Of The North I, II & III“ hat sich im Hause Swallow The Sun einiges getan: Die langjährigen Mitglieder Aleksi Munter (Keyboards) und Markus Jämsen (Gitarre) erklärten ihren Ausstieg (sie wurden mittlerweile durch Jaani Peuhu und Juho Räihä ersetzt), doch vor allem musste Gitarrist und Songwriter Juha Raivio mit dem tragischen Krebstod seiner Lebensgefährtin Aleah einen schmerzlichen Verlust hinnehmen; sie starb 2016 mit nur 39 Jahren.

In dem von ihm gegründeten Trio Hallatar, in dem er Texte und Gedichte seiner verstorbenen Freundin (bekanntermaßen eine äußerst begabte Sängerin) vertonte, setzte er sich erstmals musikalisch damit auseinander, in der  letzten Dezember veröffentlichten EP „Lumina Aurea“ verarbeitet er dies in Form eines überlangen, teils verstörenden Funeral-Doom-Brocken weiter – da es sich hierbei mehr um eine Art Klangcollage handelt, während der einen Monat später auf dem Plan stehende Langspieler eher klassisch gehalten ist, sind die separaten Veröffentlichungen auch nachvollziehbar und sinnvoll.

Dennoch setzt Juha sich auf dem Album selbst ebenfalls mit seinem Verlust auseinander, wenn auch eher mit positiver Sichtweise, dass Liebe stärker ist als der Tod und man trotz allem mit Hoffnung nach vorne blicken sollte, um nicht völlig zu verzweifeln. Der Albumtitel entstammt tatsächlich sogar dem Fundus von Aleahs Texten, passt jedoch zur Situation Raivios geradezu erschreckend gut, da er sich laut eigenen Worten nach ihrem Ableben quasi selbst von der Dunkelheit ins Licht zwingen musste. Natürlich tönt „When A Shadow Is Forced Into The Light“ trotzdem düster, bitter und schmerzerfüllt, insgesamt lassen es die Finnen jedoch vergleichsweise ruhig angehen – häufig stehen zarte und zerbrechliche Strophen härter geprägten Refrains gegenüber, ein bisschen, als hätte die Band Zutaten aus den ersten beiden „Songs Of The North“-CDs zusammengemixt.

So auch beim Titelstück, mit dem das Werk eröffnet und das sich umgehend als eines der größten Highlights der Scheibe entpuppt. Mit luftigen, fast Opeth-artig perlenden Akustikgitarren und einnehmendem, verträumtem Klargesang von Frontmann Mikko Kotamäki versehen, erfährt die Midtempo-Nummer im Refrain einen deftigen Ausbruch, bei dem der Sänger in einzigartiger Manier zu markerschütterndem Kreischen wechselt – die Gänsehaut stellt sich da ganz von allein auf.

Auch „Upon The Water“ zeichnet sich durch den Wechsel zwischen einer sensiblen Strophe und einem unglaublich mächtigen, prägnanten Riff im Refrain aus – auch hier veredelt durch die Sangeskünste eines Mikko Kotamäki, der mühelos von einer Sekunde zur anderen von säuselnd-fragilen Vocals zu Black-Metal-artigem Geschrei switcht. Sehr stark auch „Here On The Black Earth“, eine Nummer, wie man sie so auch noch nicht von der Band gehört hat: Die dezente Orgel im Hintergrund vermittelt Pink Floyd-Feeling, das auf ein doomiges Grundgerüst trifft – ganz, ganz groß und regelrecht hypnotisch, und erneut ist es sehr beeindruckend, wie Kotamäki zwischen Klargesang und Growls/Geschrei wechselt. Der Mann ist und bleibt einer der vielseitigsten Frontmänner der gesamten Szene und natürlich ist es erneut auch ihm zu verdanken, dass die Stücke eine solche Wirkung entfalten.

Hingegen tut sich „The Crimson Crown“ durch pure Schönheit hervor; eingeleitet durch die Rufe von Gänsen, die eine wohlige Naturnähe suggerieren, punktet dieser mit acht Minuten längste Song des Rundlings mit traumhaften Melodien und einem bezaubernden Flair und kommt ganz ohne extremen Gesang aus. Dies gilt auch für die abschließende bittersüße, herzzerreißende Elegie „Never Left“, die ganz tief in der Seele packt und niemanden emotional kalt lassen kann. „Clouds On Your Side“ ist ebenfalls tieftraurig und wehmütig, jedoch wesentlich kompakter ausgefallen, sodass man gar von einem kleinen (wenn auch depressiven) Hit sprechen darf.

Songschreiberisch wartet Juha also mit interessanten neuen Ideen auf und kann dem Doom-Death-Subgenre, dem nicht zu Unrecht gerne mal Monotonie vorgeworfen wird, sogar neue Impulse geben – die Begleitumstände, unter denen die Kompositionen entstanden sind, waren zwar sehr tragisch, doch gerade schreckliche Erlebnisse fördern ja ironischerweise oft die besten Einfälle zutage. Juha Raivio macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, was allein schon Respekt abringen muss – nicht jeder bringt es fertig, seine Gefühle auf diese Art mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Musikalisch auf jeden Fall ein tolles Album, nicht immer ganz einfach und hier und da Geduld erfordernd, aber großartig von Jens Bogren produziert, atmosphärisch wie von den Finnen gewohnt sehr dicht, sodass es wirklich nichts zu meckern gibt. Die neuen Mitglieder fügen sich offensichtlich mühelos ein, die immer wieder unaufdringlich platzierten Streicher-Arrangements und der sporadische weibliche Begleitgesang geben dem Material zusätzliche emotionale Tiefe und Würze und schlagen clever eine Brücke zwischen Härte und Zartheit. Kein Fan kommt an dieser imponierenden Scheibe vorbei.

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