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Swabia Metal Compilation Volume 1: Barbarossa's Return

Schöne Übersicht ohne Exklusivität
keine Wertung
Genre: Heavy Metal, Power Metal, Heavy Glam Rock, Death Metal, Doomcore, Metalcore, Stoner, Sludge
Spielzeit: 77:56
Release: 01.12.2015
Label: Eigenproduktion

Schon erstaunlich, dass auch heute in Zeiten von modernen Medien und „kostenlosen“ Streamingdiensten eine Compilation noch immer angesagt sein mag. Auf dem vorliegenden Silberling stellen sich insgesamt 17 Bands aus dem Schwaben-Ländle vor, wobei die CD als eine weitere Ergänzung zu den schon in drei Volumes veröffentlichten Baden Metal-Zusammenstellungen zu sehen ist. Und wer wie ich aus dem Pott kommt und denkt, dass sich der metallische Nabel der Welt nur hier drehen kann, wird schnell eines Besseren belehrt, dann auch über die ruhrpottschen Grenzen hinaus tummeln sich zahlreiche talentierte Bands, denen man durchaus mehr als einmal sein Gehör widmen sollte. Auch auf dieser Compilation ist nicht nur die musikalische Bandbreite weit gefasst, leider ist auch das Leistungsvermögen nicht immer das Gelbe vom Ei.

Den Auftakt machen die mit Massacre-Label-Deal ausgestatteten Circle Of Silence mit einem Track von ihrem 2013 veröffentlichten zweiten Longplayer „The Rise Of Resistance“. Der sachte Akustikklampfen-Start wird zügig von kräftigen Power-Metal-Riff-Attacken aufgefressen, ein leichtes Brainstorm-Feeling macht sich breit und der griffige Refrain stellt einen schönen Kontrast zum leicht angerauten Gesang dar. WarcrY melden sich zurück, nachdem sie ja 2013 in Winterruhe gingen. Im Gepäck haben sie mit „Storming The Gates“ einen Track vom neuen Album „Possessed By Evil“. Ein angeepischter Metaltrack mit höhenlastiger Produktion schallt uns entgegen, der leider nicht an die vorherigen Alben heranreicht. Schade ist es dagegen um die mittlerweile aufgelösten Strangelet, die hier einen griffigen Glam-Rocker zum Besten geben und mit ordentlich Schmackes eine kurzweile Nummer heraushauen – keine Panik, einige Ex-Mucker machen unter dem SpiteFuel-Banner weiter.

Auch „Bless The Buried Child“ ist auf dem zweiten Vanish-Album „Come To Wither“ via Massacre Records längst verbraten worden. Power Metal mit teilweise schön abgedrehten Keyboards stampft sich durch Stuttgart, der leicht raue Gesang, der im hymnischen Refrain melodisch daherkommt, und auch die Backing-Vocals hinterlassen durchweg einen guten Eindruck. Eher modern gespielten klassischen Heavy Metal mit reichlich Doublebass-Wumms kredenzen TwentyDarkSeven (Debüt „Roar“ 2014 via Metalapolis Records) und sie verzichten auch nicht auf einen mitshoutbaren Refrain. Die Ludwigsburger Astoryas fischen zwar auch in heavy metallischen Gewässern, doch Frontmann Thomas Stimmchen ist etwas zu dünn und eierig, weswegen das Quartett zurecht noch im Unsigned-Status herumdümpelt. „Earthgrazer“ ist übrigens auf der aktuellen EP „Mystery“ zu finden.

Deathtiny aus Sulz am Neckar lassen sich weiterhin nicht beirren und mischen ihrem Metal weiterhin viel zu prätentiöse, weibliche Vocals (die immer dann gut klingen, wenn sie die Höhen weglässt) und einige wenige Growls unter, wobei die Death-Metal-Einflüsse sich eigentlich dem symphonischen Geist unterordnen. Schade ist dazu auch noch, dass die Nummer schon 2009 auf der „Descending“-EP zu finden war, da hätte man sicherlich auch frischeres Material aussuchen können.

Deutlich getragener arrangieren Mooncry ihren Song „Scylla“ vom 2013er Scheibchen „A Mirror's Diary“ (via SAOL), streuen zu Beginn ein paar auffällig orientalische Einflüsse ein, die später im Hintergrund noch wirken, aber gerne mehr in den Fokus hätten rutschen können. So haben sie einen verlässlich okayen Song, aber mehr auch nicht, veröffentlicht. Das Fazit zum Circus Of Fools-Longplayer-Debüt „Raise The Curtain“ ist ja eher durchwachsen ausgefallen – Bierzeltkeyboards treffen auf semidramatische Vocals, ein kleiner Lichtblick sind hier die kontrastierenden weiblichen Vocals, wodurch der Song aber nicht mehr aus dem Sumpf gezogen werden kann.

So langsam zieht die Härtnerschraube der Compilation an, Beleg dafür sind nun Crystal Crow aus Karlsruhe, die per „Dorian Gray“ („Once Upon A Midnight Dreary“, 2014 in Eigenregie) eine perfekte Symbiose von viel Melodeath und kurzen dramatischen Gothic-Passagen entflammen. Symphonisch und blackmetallisch toben sich anschließend Totengeflüster mit „Ein Monolog im Mondschein“ aus. Zwar findet man den Track auch schon auf dem 2013 veröffentlichten Debütalbum „Vom Seelensterben“, doch es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis sich die krächzenden Folterknechte über einen Deal freuen dürfen. Metalcore meets Deathcore meets Pig-Squeals, so sehen An Act Of Grace die Essenz ihres musikalischen Schaffens mit „Blitzklingen“ vom „Immortality“-Debüt (2013, Eigenregie). Szenetypisches Geknatter mit souveränen Schrei- bis Growlvocals liefern einen heftigen Batzen, die Squeals dagegen zerstören das brutal harmonische Gefüge.

Und ewig rollt der Death Metal, für Außenstehende ein bisschen stumpf, für Insider durchaus zeitlos, was Thy Final Pain mit dem Track „Obediance“ (EP „Contempt“, 2013) da veranstalten. Derbe Growls, sehr tief gestimmte Klampfen und ein pumpender Bass im trotz Doublebass-Einsatz Midtempo-lastigen Wälzer. Es bleibt mit „Once They Tasted Blood“ von Crimson Death todesbleihaltig von der „Social Born Killer“-Scheiblette. Rasende Drums, größtenteils Midtempo-Riffing und leicht schwarz gefärbte Melodien sowie einem Gesang von Growlen bis Fauchen kommen schnell auf den Punkt, lassen aber auch Luft nach oben. Das komplette „Hure meiner Sinne“-Album von Zanthropya Ex ist ja hier schon durchgefallen, den Track „Alltagsgrau“ kann man isoliert als noch okay bezeichnen. Thrashiges Riffing und deutsche, bedingt provokante Texte und leicht deathiges Shouting machen halt weiterhin nicht viel her.

Niveauvoller gehen anschließend Doom Divison aus Stuttgart ihre Sache an. „Jesus Chrysler“ ist ja auch schon auf der 2014er Longplay-Debüt „Train Rolls On“ zu finden, Frontmann Tschech muss irgendwie verwandt mit Herrn Angelripper sein, der Song selbst walzt Doom-Stoner-mäßig mit einer ordentlichen Sludge-Note und gehört zu den Highlights der Compilation. Veröffentlichungstechnisch gesehen steuern Unbound mit „Race Against Time“ den neuesten aller auf dieser CD vertretenen Tracks bei. Den Neuanfang, den sie zumindest nach elf Jahren Pause mit „Wicked World“ wagten, gestalten sie jedenfalls konsequent doomcorig mit fiesen, in der Kehle fest sitzenden Vocals mit nur wenig Liebe zum Feinschliff, aber Hang zum breitbeinigen Groove.

Die Aufmachung stimmt, die eine oder andere musikalische Perle ist tatsächlich zu entdecken und der Preis von 5 Euro (plus Porto und Verpackung) für ein in Kreuzform ausfaltbares Digipak sind ebenfalls ein starkes Argument für eine Bestellung unter shop@baden-metal.de. Auf der anderen Seite aber ist es schon ein wenig schade, dass alle Tracks zur Veröffentlichung der Compilation (bis auf Unbound) schon mehr als ein Jahr und auch weit darüber hinaus auf dem Buckel haben und es auch keinen exklusiven Bonus gibt – das wäre dann die Würze, sich eben nicht nur auf YouTube & Co. zu stürzen.

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