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Surreal Thoughts: Of Human Being

Ein gutes Debüt, das allerdings unter einer schwachen Gesangsleistung leidet
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 34:58
Release: 04.12.2009
Label: Eigenproduktion

Eine interessante Mischung, die uns Surreal Thoughts aus Bayern mit ihrem Debütalbum „Of Human Being“ vorlegen: Verspielte Iron Maiden-artige Gitarrenriffs und -läufe treffen auf mal Opeth-mäßige, mal Flamenco-ähnliche Akustikpassagen, schwarzmetallische Raserei wird vermengt mit spritzigen, technisch ansprechenden Soli – und doch passt alles irgendwie zusammen. Ein roter Faden ist jedenfalls zweifellos erkennbar und das Songwriting trotz der vielen Wechsel in puncto Dynamik und Stil stets nachvollziehbar. – Auch wenn der Vergleich musikalisch selbstverständlich nicht hinkommt, muss ich dabei irgendwie an Avenged Sevenfold denken, die ebenfalls die verrücktesten Gegensätze unter einen Hut bekommen.

Bereits der Opener „Underneath Hell“ liefert den Beweis dafür, dass die Band an den hohen Ansprüchen, die sie sich offenbar selbst gesetzt hat, nicht scheitert: Ein kurzes Akustikintro mündet in ein markantes, melodisches Riffing, über dem ein schönes Gitarrensolo schwebt, welches dem Hörer sogleich suggeriert, dass er es hier nicht mit Anfängern zu tun hat, die jeden Ton auf dem Griffbrett erst mühsam suchen müssen. Im weiteren Verlauf des Stückes zeigt sich das Gespür der Combo für anspruchsvolle Gitarrenarrangements; sei es das einprägsame, sehr an Maiden erinnernde Main-Riff mit den harmonischen Overdubs, der Flamenco-Part in der Mitte, oder die clever gesetzten Tempo- und Rhythmuswechsel.

„Acid Rain“ ist dann eher im Schwarzwurzel-Bereich anzusiedeln, es gibt eine Menge Blastbeats und eine episch anmutende Gitarrenwand zu hören, ohne dass die Band eine 180-Grad-Wendung vorgenommen hätte. Immer noch ist problemlos herauszuhören, dass es sich um dieselbe Formation handelt, zumal auch hier einige ruhigere, sehr hübsche Clean-Gitarren-Sequenzen eingebaut wurden, die nun tatsächlich ein wenig an Opeth denken lassen.

Dem gegenüber stehen wiederum die beiden folgenden, aufgrund der vielen spielfreudigen Gitarrensoli und der sehr eingängigen, melodischen Mainriffs mit einem gewissen Spaßfaktor versehenen Tracks „Messerach“ und „The Fun Of Unnecessary Surgeries“ (geiler Titel, ich musste gleich an die Simpsons im Itchy-und-Scratchy-Land und das dortige „Unnötige-Operationen-Land“ denken), die ebenfalls mit durchdachten Wechseln punkten können.

Den besten Song der CD stellt für meine Begriffe jedoch „Last Judgement“ dar, in dem wirklich alles enthalten ist: Ein erneut melodisches, sehr eingängiges Main-Riff, eine schöne ruhige Passage und ein Black-Metal-Part, der unvergleichlich in einen mitreißenden, rockigen Teil überleitet – absolut cool gemacht.

Da auch die letzten beiden Stücke – „Legacy“, sowie der Titeltrack – recht überzeugend daherkommen, lässt sich ohne Umschweife konstatieren, dass wir es hier mit einem hoffnungsvollen Newcomer zu tun haben, der durch viel Eigenständigkeit, Spielfreude und ein bemerkenswertes technisches Niveau aufhorchen lässt; letzteres wird zwar hin und wieder durch einige hin und wieder auftauchende, latente Timingschwankungen und einer hier und da („The Fun Of Unnecessary Surgeries“) etwas unsauberen Lead-Gitarre ein wenig getrübt, aber grundsätzlich ist hier bereits ganz viel Potential erkennbar – zumal Surreal Thoughts sich erst 2007 gründeten und die genannten Kritikpunkte den Hörgenuss nicht wirklich beeinträchtigen.

Das einzige Problem ist lediglich der Gesang. Die Idee der Band, mit einem Black-Metal-Sänger nach eigenen Worten einen Kontrast zur eher melodisch und progressiv gestalteten Musik zu erschaffen, ist ja nicht prinzipiell abzulehnen, nur brüllkreischt der Kerl mit dem Namen Ilja Schmidt dermaßen unverständlich und eintönig, dass man schon nach kurzer Zeit ziemlich genervt ist. Irgendwie scheint mir der Gesang auch ziemlich in den Hintergrund gemischt zu sein, was ein noch matschigeres Klangbild der Vocals ergibt, als es durch die schwache Performance ohnehin schon der Fall ist. Da fragt man sich nur warum – vielleicht, weil die Gruppe während der Aufnahmen schon im Hinterkopf hatte, ihren gerade erst neuen Frontmann bald wieder zu feuern, weil er eh nicht viel taugt? – Kurz nach den Aufnahmen zu „Of Human Being“ geschah nämlich genau dies und Gitarrist Fabian, der bereits, bevor man Schmidt engagierte, auch als Sänger fungierte, hat nun wieder den Posten hinter dem Mikro übernommen. Ich kenne zwar das erste Demo nicht, wo dieser noch sang, aber wenn in der Bandinfo davon die Rede ist, dass er die Vocals wieder in etwas „gemäßigtere Gefilde leiten“ will, so kann dies nur eine Verbesserung bedeuten, da man bei aller Wertschätzung für den Versuch, einen Kontrast zwischen extremen Vocals und melodischer Instrumentalfraktion zu bilden, das Gefühl nicht los wird, es fehlten hier und da cleane Gesangspassagen – mal abgesehen davon, dass einem Ilja Schmidts Gekeife wie erwähnt ohnehin tierisch auf den Keks geht.

Der Gesang ist es denn auch, der „Of Human Being“ einige Abzüge in der B-Note beschert; zwar ist auch die Produktion nicht gerade doll, aber da das Werk in Eigenregie aufgenommen wurde, will ich da nicht großartig meckern. Es wäre interessant zu hören, wie das Album mit einem anderen Sänger klingen würde, so aber büßt die Platte leider einen vollen Punkt ein. Nichtdestotrotz bin ich mir sicher, dass Surreal Thoughts in Zukunft noch einiges von sich hören lassen werden – ein Plattenvertrag sollte im Bereich des Möglichen liegen und wenn man dann mit besserer Produktion und ausgewogenerem, besseren Gesang aufwartet, bin ich gespannt, was dabei herauskommt.

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