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Superbloom: Pollen

Grunge lebt - und er ist immer noch genauso wütend wie 1994
Wertung: 9/10
Genre: Grunge
Spielzeit: 42:41
Release: 01.06.2021
Label: Thirty Something Records

Superbloom aus Brooklyn kann man hierzulande noch gut und gerne als Geheimtipp bezeichnen, dabei ist deren erste EP mittlerweile gar nicht mehr zu haben. Das Debüt „Pollen“ hat jetzt auch schon bald ein Jahr auf dem Buckel, passt aber mit seiner Grunge/Rock-Leck-mich-am-Arsch-Attitüde auch gut ins Jahr 2022.

Das fängt schon beim Opener „1994“ an. Selten war ein Song so treffend benannt, katapultiert uns die Truppe doch mit rauem Gesang und lärmiger Gitarrenwand direkt in die Anfänge jenes Jahres als Grunge noch in aller Munde war und Kurt Cobain sich noch nicht das Hirn weggeblasen hatte. Straight heizen Superbloom voran: Kein Emo, kein Pop-Punk, man kann hier nicht mal von Neo-Grunge sprechen, dafür geben sich die Amis viel zu authentisch dem klassischen Grunge hin. Ein schöner Einstand, bei dem man hofft, dass die Band ihre Motivation auch über den Rest der Spielzeit aufrecht erhalten kann.

Stürmisch geht es bei „Mary On A Chain“ voran und Gitarrist und Sänger Dave Hoon kann einmal mehr Punkte sammeln, vereint er doch die Wut und Resignation des Grunge in sich ohne der nöligen-nasalen Tonart nachzugeben, die einige Genrekollegen kultivieren. Unfassbar gut dann auch das zornige „Hey Old Man“, das vor allem im Refrain mit einer düster-depressiven Melodie zu beeindrucken weiß, die den Hörer nötigt, den Track in Dauerschleife anzuhören. Hypnose können Superbloom, gar keine Frage. Und bislang muss man den Jungs konstatieren, dass sie auch Grunge mehr als passabel können. Spontan fiele mir keine Band ein, die diese von vielen als kurzlebiges Genre verschriene Musik so mitreißend wiederbeleben wie Superbloom.

„Muzzle“ tritt dann recht brutal auf die Bremse, mit gezupfter Akustikgitarre und leichtem Gesang trifft der Song zwar ebenfalls den Grunge-Zahn der Zeit, fällt aber in Anbetracht der anderen bislang gehörten Songs doch aus dem Rahmen. Trotzdem, ein schöner Track, der einen Kontrapunkt zu wütend-überschäumenden Gitarren à la „Nothing Else“ bietet. Besonders beeindruckend sind Ähnlichkeiten zu den alten Haudegen, wenn Hoone die Reibeisenstimme auspackt („Spill“), ganz groß hervorheben muss man aber auch die unglaublich eindringliche Gitarrenarbeit bei einem Song wie „Worms“, der so auch in irgendeinem Keller in Seattle in den 1990ern hätte entstehen können, atmet doch vor allem die Melodie den Atem dieses Jahrzehnts. Bärenstark, wie Superbloom sich hier präsentieren.

„Glass Candy Wrapper“ kann uns dann mit seinen ohrwurmtauglich gezupften Gitarren nur an wunderbar verträumte Pearl Jam-Passagen erinnern, was unterm Strich einen tanzbaren Midtempo-Song sichtbar werden lässt, bei dem Drummer Matteo dezent den Gesang unterstützen darf. „Whatever“ könnte man dann unbearbeitet auf ein Grunge-Best-Of der Neunziger setzen – unfassbar, wie die Band den Spirit geradezu ausschwitzt.

Ihr ahnt es: „Pollen“ ist ein wahnsinnig starkes Album geworden, das Grunge nahezu in seiner Reinform feiert ohne dabei ausschließlich angepisst in die Gegend zu holzen. Stattdessen verbinden die vier Jungs aus Brooklyn Coming-Of-Age-Zorn mit Weltschmerz, Verzweiflung, aber auch durchaus ruhigeren Tönen, die es wert sind, die Plätze auf der Tracklist zu füllen („Muzzle“). Beim Label der Truppe gibt es noch Vinyl-Posten zu ergattern – meine ist bereits auf dem Weg.

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