Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Sun Of Sadness: Ghost

Hochkarätiger, atemberaubender Onyx
Wertung: 9.5/10
Genre: Dark Metal
Spielzeit: 57:34
Release: 06.06.2006
Label: Eigenproduktion

Heute gehe ich mal in einen Juwelierladen, hab ich mir gedacht … Und ich habe mich gleich auf den ersten Blick verliebt in einen wunderschön geschliffenen Onyx. Ihr denkt jetzt: Hä, was will die Dani beim Juwelier und warum gerade ein Onyx? Nun, dann lasst mich diesen Sachverhalt mal aufklären …

Die Schmiedekünstler des schwarzen Edelsteins „Ghost“ sind die Musiker von Sun Of Sadness aus Köln. Der brilliant geschliffene Onyx … äh, ich meine die Scheibe, die am bedeutungsschwangeren 06.06.06 das Licht der Welt erblickte, besticht durch ihre pure Ästhetik, die typisch ist für jeden filigran geschliffenen Edelstein und so scharf geschliffen ist, dass er in den Black-Metal-liken Passagen so hart ist wie ein Diamant und so kalt scheint wie ein Mondstein in der Nacht. Genug der Schwärmerei …

Seit der „Forest“ haben Sun Of Sadness sich mit ihrem Dark Metal, der Elemente vom Black Metal, Gothic und Indie Rock aufweist, mehr in Richtung Agressivität bewegt, aber die Melodie haben die Jungs in ihren Songs auf der „Ghost“ beibehalten. Textlich geht es auf der „Ghost“ um Todessehnsucht, die Dunkelheit, um Suizid und diese ganzen Dinge, die nicht gerade von einer sonnigen Blumenwiese handeln.

Der Titelsong „Ghost“ beispielsweise erzählt die Geschichte einer Person, die für deren Mutter ein Geist ist, der von der Hölle zu ihr geschickt wurde, um ihr schönes Leben zu zerstören. Die Person sieht für sich die einzige Möglichkeit, diesem ganzen Dilemma zu entfliehen darin, sich aus dieser Welt hinaus zu befördern. Und so beginnt der Titelsong auch mit einem tieftraurig stimmenden Intro … genial! Die Texte, die einem die Tränen in die Augen steigen lassen, erschaffen zusammen mit diesen unvergleichlichen Gitarrenparts eine sehr glaubwürdige und überzeugende Stimmung bei dem Hörer, zugegebenermaßen auch bei mir.

Anfangs, also zu Beginn des ersten Songs „Gewalt“, hat man noch den Gedanken, dass da vielleicht eine progressive Death- oder Black Metalscheibe inklusive elektronischer Sprachverzerrung auf einen zukommt. Aber bei den Gitarrenparts kommt einem schon der Gedanke, dass da mehr auf einen wartet in den Songs, die da noch folgen werden. Bis ca. zur 4. Minute klingt der Song anfangs leicht indiemäßig, nur um dann in bester Black Metal-Manier loszufegen.

Der Beginn von „Falling Down“ hätte mit seinem Industrial-Intro auch von den Deathstars sein können. Aber Sun Of Sadness können viel mehr, denn auf dem Fuße folgt ein Black Metal-Part und auch doomige Töne sind zu hören. Das alles in einem Song. Das muss man erstmal nachmachen! „Helios“ ist ein solch filigranes, einerseits trauriges, aber auf der anderen Seite auch irgendwie hoffnungsvolles Instrumental, das vor schierer Ästhetik nur so strotzt.

Genauso filigran geht es über in „Ghost“, dessen Intro die schiere Traurigkeit widerspiegelt. Aber dann wird im Anschluss noch sehr heftig gebolzt. Ein unheimlich ästhetischer Song, der in das nicht minder wunderschöne „And Darkness Dwells“ übergeht, das für mich das absolute Highlight dieses Albums ist, da die Gitarren hier einfach unübertroffene Arbeit leisten. Hier stimmt einfach alles!

Die Stimmung, welche die Gitarrensektion von Sun Of Sadness hier erzeugt, erinnert mich an die Gitarrenarbeit beim „Funeral Album“ von Sentenced, denn auch bei diesem Album wurde eine derart geniale traurige Stimmung erzeugt. Daher geht meine ganz tiefe Verbeugung neben allen Bandmitgliedern speziell an die Gitarristen Mike Rollmann und Mitja Bayer, die dies so genial in die Tat umgesetzt haben. Insrumentaltracks wie z.B. „Bury Me“ verstärken diese tieftraurigen Momente, die in den Songs ihren Anfang fanden. Sun Of Sadness wissen auch in den Momenten extrem stark zu überzeugen, wenn die growlenden Vocals auf diese geilen Gitarrenlines treffen, wie z.B. bei „Suicide Dreams“, das stellenweise auch eine 1A-Black-Metal-Hymne abgegeben hätte.

Und als krasser Gegensatz folgt nach diesem Hammersong direkt ein Akustik-Song, der sphärisch-verträumt durch den Äther fließt. Dieses ist dann auch zugleich die zweite Stärke, die Sun Of Sadness so einzigartig macht: Diese unterschiedlichen Genres so zu arrangieren, dass ein solches Meisterwerk herauskommt und man wie die Charaktere in den Songs deren innere Zweifel und Gedankengänge nachempfinden kann. Es können nur wenige Bands die Fähigkeit ihr Eigen nennen, derart harte Passagen in ein und dengleichen Song zu packen wie diese fragil erscheinenden Passagen. Sun Of Sadness jedenfalls scheint diese Fähigkeit in die Wiege gelegt zu sein.

Der letzte Song „Abschiedsbrief“ ist der einzige auf dem Longplayer, der in deutscher Spreche performt wird: Todtraurig vom Text her, die Musik ist zunächst relativ ruhig, driftet aber gegen Ende des Songs in herrliche Black Metal-Gefilde ab, dann wird die Melodie wieder mal bittersüß, wie das so oft auf der gesamten Scheibe der Fall ist. Und für den letzten Song „Distance“, dieses absolut wunderschöne Akustik-Gitarren-Schmuckstück, hat man hoffentlich noch ein Taschentuch übrig … Gänsehaut und Pipi in den Augen sind hier garantiert.

Ich weiß echt nicht, wie ich das beschreiben soll, aber Sun Of Sadness schaffen es dermaßen geil, diese filigranen Akustikparts sofort und ohne Vorwarnung vom ein zum anderen Moment in die brachial-harten Parts übergehen zu lassen … es ist genau, wie es im Text von „Ghost“ so schön heißt: „Beauty and Beast“ … Und dann sind diese Gitarrenparts von so einer dermaßen tieftraurigen Färbung, die ich bislang in dieser Perfektion nur von finnischen Kollegen her kannte.

Für mich ist „Ghost“ nicht nur irgendeine CD, sondern etwas ganz Besonderes. Und um auf meinen Besuch im Juweliergeschäft zurückzukommen: „Ghost“ ist ein Edelstein mit höchster Karatzahl, den ich unbedingt haben muss! Bei der Produktion darf laut Presseinfo „der Bass knarzen…und das Becken ruhig mal scheppern“. Meiner Meinung nach ist die Produktion absolut ausgewogen, denn sowohl die Härte der Metal-Komponente als auch die filigrane Arbeit, die bei den Instrumentalparts einfach optimal rüber kommt. „Ghost“ besitzt eindeutig Suchtfaktor, denn ich kriege diese CD einfach nicht mehr aus meinem CD-Player raus! Die Spielzeit von 57:34 lässt mich fast eine Stunde lang total fasziniert sein von „Ghost“!

Fazit: Ich bin echt begeistert von Sun Of Sadness ! Sun Of Sadness bieten echten, brutalen, tieftraurigen und bittersüßen Dark Metal! Taschentücher raus und heftigst mitleiden!

comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend