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Sulphur: Thorns In Existence

Jetzt wird aus Schwefel Gold
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Technical Black Metal
Spielzeit:
Release: 19.03.2010
Label: Karisma Records/Dark Essence Records

Sulfur oder zu deutsch Schwefel gehört zu den am häufigsten auf der Erde vorkommenden Substanzen. In der Homöopathie wird Sulfur als Mittel gegen allerlei unangenehme Krankheiten eingesetzt. Bei all dieser positiven Effekte dieser Substanz bleibt die Frage offen, ob die positive Wirkung auch bei der akustischen Darreichungsform namens „Thorns In Existence“ der Norweger Sulphur erhalten bleibt.

Wenn man liest, dass Sulphur ex-Bandmitglieder von Größen wie Aeturnus, Gorgoroth und Enslaved in seinen Reihen vereint, dann geht man landläufig davon aus, dass diese norwegische Kombo auf ihrem zweiten Longplayer nichts anderes im Sinn hat als mehr oder minder reinrassigen Black Metal unters Volk zu bringen. Doch so mannigfaltig die Anwendungsgebiete der in der Homöopathie angewandten, eingangs erwähnten Substanz sind, so gehen auch die Stücke auf „Thorns In Existence“ weit über den Tellerrand des Black Metal hinaus.   

Beim Intro „Revelation“ machen die Herren schon mal alles richtig, denn dieses Instrumental baut zunächst mit Streichern samt Hintergrundbeschallung, gefolgt von einer gefälligen Melodie, in welche die gesamte Instrumentenfraktion der Band einsteigt, eine dem Folgenden entsprechende Stimmung auf.

Zum einen höllisch schnell zeigt sich „True Father Of Lies”, aber die Kinnlade runterklappen lassen diese feinsten technischen Intermezzi, welche die Fingerfertigkeit der Musiker höchst eindrucksvoll darstellen. Immer wieder wird das vorherrschende Tempo durchbrochen, um zu begeistern wissende Zwischenspielchen vollkommen für sich allein sprechen zu lassen. Wer sich beispielsweise nicht denken kann, dass ein lupenreiner Moshpart hier rein passt, der kann sich gern eines Besseren belehren lassen.

Tempomäßig gibt es in „The Purifying Flame” auf die Zwölf, bis… ja, bis ein genialer treibender Midtempopart einsetzt. In diesen Momenten denkt man fast, die Jungs hätten eventuell mal mit den Frickelern von She Said Destroy auf ein, zwei Bierchen zusammen gesessen. Ganz unkonventionell auch der doomig-schrullige Zwischenpart. Umso erstaunlicher ist, dass sich eins immer wieder ins andere fügt und alles perfekt mit dem anderen symbiosiert. Dieses Stück ist ein Paradebeispiel für die technische und musikalische Vielfältigkeit dieser Band.

Gewaltig und majestätisch donnert das Eingangsriff von „Hunting Sickening Seas” aus den Boxen. Ab und an erklingen quietschende Core-Gitarrenanschläge, die zwar den Gesamtkontext nicht stören, aber in des einen oder anderen Ohren eventuell trotzdem nicht gut klingen. Umso erfreulicher dann zu hören, wie die Band dann mal den Black Metal-Bastard raus lässt und das Ding zügellos durch die Nacht prescht. Und selbst dabei vergessen sie nicht, dass man einerseits auch noch Frickelarbeiten in den Black Metal-Part mit einarbeiten kann. Grandios klingen diese vor Melancholie triefenden Gitarrenklänge. Es ist sehr schwierig, all diese mannigfaltigen Eindrücke niederzuschreiben, denn diese Musik ist einfach zu vielschichtig.  

Sehr düstermetallisch eingefärbt ist dagegen das tempotechnisch sehr variable „Luna Noctiluca“, währenddessen man etwa an ganz alte Moonspell oder gar an unvergessene Sad Whisperings denken könnte, nicht zuletzt wegen des choralen Einschubes oder der einsam vor sich hin fiedelnden Violine.

Auch mal was anderes: „Into Nothingness” wird hereingefaded. In den ruhigen Parts findet man zunächst nur eine Art Sprechgesang, während in den schnellen Passagen Fauchen vorzufinden ist. 

Das harsche Riffing eingangs „Invented Visions Of Eternal Salvation” macht keine Gefangenen, befremdlich wirkt dieses schrille Synthie-Geklimper, welches immer wieder mal zwischendurch zu vernehmen ist, allerdings schon.  

Auch das Riffing von „Ravner Beiter I Banesår” büßt zu dem des Vorgängerstückes nichts an Schärfe ein. Dieser Song driftet dann mal in Richtung stampfender Midtempokracher, dann geht’s flugs weiter hinab in die rasanten Welten des Black Metal, währenddessen eine schöne Melodie vorgetragen wird. Dann dieses sehr geniale Gitarrensolo, das einem, wenn man lediglich diesen Text vor Augen, das Material aber nicht vor Ohren hat, sicherlich abstrus und nicht harmonisierend vorkommen mag, dies aber weiß Gott ist. Mein lieber Herr!

Wie wäre es kurz vor Toresschluss dieses Longplayers noch einmal mit einer vorzüglichen Präsentation des technischen Könnens der Band? Na bitte, dann kommt das überaus facettenreiche „Throne Of Illusion” doch wie gerufen. Zudem setzen die Norweger auf Stimmung, denn die vorherrschende Melodie haben die Herren dramatisch-spannend gehalten.

Bei dem Rausschmeißer „A Crimson Line“ setzen die Jungs auf melancholische Melodien auf der einen, treibende Moshparts auf der anderen Seite. Dazu gibt es gothiceske fragile Chöre, die wirklich sehr gut klingen und ja, trotz der Widersprüchlichkeit überaus passend sind. Das Gitarrensolo, das so unendlich traurig, düster-schwer und getragen durch den Äther schallt, setzt dem ganzen Treiben ein würdevolles Ende und läutet das Ende des Albums ein.

Ein Album, das überrascht, überwältigt und begeistert.

Fazit: Sehr eindrucksvoll zeigen die Norweger eine neue, erfrischende Art härtester Stromgitarrenmusik fernab jeder Genregrenzen. Mein höchster Respekt!

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