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Sulamith: The Manhunt Begins

Der Nachwuchs nimmt gewaltig Fahrt auf
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Death Metal/ Hardcore
Spielzeit: 52:36
Release: 13.11.2015
Label: Independent

Wenn man sich Bands aus der zweiten Reihe wie Sulamith hört, dann braucht einem nicht bange werden um den heimischen Nachwuchs. Melodischer Death Metal mit Hardcore, das haben sich die Paderborner auf die Fahne geschrieben, und alle sind nun dabei, genau diesen Terminus aufrecht zu erhalten, nur um nicht das böse Wort Metalcore in den Raum zu werfen – aber: Auch dieses Klientel darf sich vom Full-Lengh-Debüt „The Manhunt Begins“ anstecken lassen. Am Ende ist es eh egal, in welche Schublade man gesteckt wird – Deathcore ist da auch immer ganz nett - denn wichtig ist, was hinten bei rauskommt, und genau das kann sich bei dem Quintett durchweg hören lassen.

Am Bandnamen darf man dann gerne ableiten, dass die Jungspunde aus Paderborn auch mehr zu sagen haben als die meisten Bands – einfach mal die Suchmaschine bemühen und dann den Hut ziehen. Bei Sulamith ist da dann aber noch nicht Schluss mit Position beziehen, vielmehr sprechen auch die Lyrics eine ganz deutliche Sprache, die leider wie sonst auch im kleinen CD-Booklet eh viel zu klein abgedruckt sind. Und während viele Bands gerade bei einem Wechsel am Mikrofon Federn lassen müssen, so graben sie hier mit Lars eine Derbstimme aus dem Untergrund, die bis auf ein paar wenige Timingschwierigkeiten jederzeit dermaßen derbe angepisst einen entgegenbrüllt, dass einem schon von allein Krampfadern in der Luftröhre wachsen.

Vor drei Jahren hatten sie ja auch schon mit der EP „Passion“ ein erstes Tondokument vorgelegt, drei Songs vom damaligen Viertracker sind auch in neuem Gewand auf dem Longplay-Debüt zu finden. „Lost Resistance Army“ ist eine derbe Abgehnummer mit konstant hohem Aggro-Level, im Refrain bahnt sich aber mittels fetter Breakdowns eine vertonte Traurigkeit dieser Kinderseelen einen Weg direkt in unsere Stuben – ein Song, der das heikle Thema Kindersoldaten eindrucksvoll näherbringt, wobei die Verzweiflung durch den Klargesang noch mehr unterstrichen wird. „Carnage Certainty“ fängt zwar noch ruhig an und gaukelt uns etwas Balladeskes vor, doch Zug um Zug steigen Riff und Dramatik, die Leadgitarre setzt ein paar melodische Akzente, Sulamith kratzen derbe am wilden Thrashbereich, behalten die Kontrolle, nur um relativ ruhig auch wieder auszublenden.

Überhaupt, Melodie wird hier nicht bis zum Erbrechen auf Massentauglichkeit eingesetzt, sondern es sind vielmehr ein paar wenige Momente über das ganze Album verstreut. So findet man z.B. in „Leviathan Us“ einen dieser raren und dadurch umso effektiveren Leadklampfenmomente, ganz anders dann aber beim Rausschmeißer „A Memory To Carry On“. Zuerst eine ruhige Nummer wie das Handreichen nach einer heftigen Keilerei mit reichlich Klargesang. Sulamith zeigen so durchaus ihre Wandlungsfähigkeit, allerdings kann man sich auch nicht des Eindrucks erwehren, dass hier eine komplette andere Truppe musiziert, bis sie dann doch eine weitere Aggro-Schelle verteilen und weiterhin an den eigenen Trademarks feilen.

Und wie schon eingangs erwähnt, wenn man noch einen Beweis sucht, dass sich die Ostwestfalen nicht auf platte Texte einschießen, so lassen sie sich in „Panther“ von Rilke inspirieren und beschreiben mit deutschen Lyrics, dass ein gefangener Geist nicht zwangsläufig gebändigt ist. Das ebenfalls schon von der EP bekannte „Earthlings“ ist dann auch ein schönes Beispiel dafür, wie man interessant ein Wechselspiel zwischen dynamischer Brutalknatterei und eher für den Moshpit geeignete Core-Midtempo-Passagen organisiert, „Surrogates“ zeigt dagegen auf, dass brutales Geschredder wie bei einer letzten Abrechnung wesentlich intensiver wird, wenn kurze Erholungsphasen einfach für noch mehr Druck sorgen.

Überraschend wäre, wenn Sulamith schon alles richtig machen würden, am Ende sind es dann nur noch ein paar kleine Stellschrauben, an denen sie sicherlich schon feilen und zum nächsten Album dann die volle Watschen auspacken. Derzeit kann man sich aber mit „The Manhunt Begins“ schon mal ordentlich versohlen lassen. Kaufempfehlung? Aber sicher doch...

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