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Suicide City: Frenzy

Langsam und beständig dem Wahnsinn entgegen
Wertung: 7/10
Genre: Punk / Metal
Spielzeit: 50:51
Release: 30.10.2009
Label: The End Records/Soulfood

2006 gründete sich die Band Suicide City in New York, nahm eine 5-Track-EP auf und verbrachte die nächsten Jahre damit, kreuz und quer durch die Staaten zu touren, eine Anhängerschar zu sammeln und auf sich aufmerksam zu machen. 2008 wurde dann wohl beschlossen, dass es Zeit für den nächsten Schritt sei, und das erste richtige Album namens "Frenzy" wurde eingespielt. Eben jenes schwappt nun rund um die Welt und bietet 15 Tracks, die Elemente aus Street Punk und Metal vereinen: rotziger Gesang, schreddernde Gitarren und Sinn für einfache, klare Melodien treffen auf Double-Bass-Einwürfe, bretthartes Riffing sowie vereinzelte Screams und Growls. Gewissermaßen stellt der Stil von Suicide City eine Art kleinen Bruder zum Metalcore dar, dessen Wurzeln bekannterweise im Hardcore Punk und extremen Metalspielarten liegen.

Doch genug des Schubladendenkens und zurück zum Album, zu dem mir nach dem ersten Hördurchlauf folgendes durch den Kopf geht: "Frenzy" ist - für ein Punk-Album – mit über 50 Minuten Spielzeit sehr umfangreich, ziemlich roh, stellenweise äußerst verstörend und in einigen Passagen schlichtweg wirr.

Nach einem Synthie-Intro mit Computerstimme lassen Suicide City mit "Cutter" zunächst einen lupenreinen Punkrock-Reißer vom Stapel, der eingängig und energiegeladen nach vorne weg prescht. Generell gibt es hier nicht viel auszusetzen, lediglich der Autotune-ähnliche Effekt auf der Stimme von Sänger Karl Bernholtz nervt ein wenig. "Sex And Dying" kann anschließend vor allem durch seinen Refrain punkten, ehe die Band mit dem Namen des Interludes "The Only Track NOT About Sex or Dying" Humor beweist. "The Best Way" gerät im Anschluss leider etwas zu platt und auch "Chemical Fight" und "Burn" rauschen eher am Aufmerksamkeitszentrum vorbei.

Hört man trotzdem genauer hin, so fällt die zunehmende Elektronik in den Songs auf. Im Hintergrund tummeln sich plötzlich allerlei atmosphärische Geräusche und pfeifende Sythesizer. Zum Glück möchte man meinen, denn der rohe Punkrock vom Albumbeginn wäre auf Dauer doch recht eintönig geworden. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht der Schritt zu mehr Künstlichkeit im Titel "Spanish Fly", der das Schlagzeug komplett durch einen Drumcomputer ersetzt und die Vocals teils bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

Die organische Fraktion meldet sich im Albumhighlight "She Waits" aber eindrucksvoll zurück und knüppelt dem Hörer brettharte Gitarren, derbe Screams und dissonante Leadgitarren in den Gehörgang. Konterkariert wird das Ganze mit geradezu lieblichen Synthies und Klargesangpassagen. Ist man von diesem Hin und Her nicht schon völlig durcheinander, so bringen einen das anschließende 8 Bit-Interlude "She Waits In A European Nightclub" und das Schlaflied-Intro von "Start The Show" völlig aus dem Konzept. Im Kerrang-Magazin wurde die Band bereits als "a gothier, punkier Faith No More" abgefeiert, was angesichts des hier zelebrierten Patton'schen Irrsinns nicht ganz so abwegig erscheint wie noch zu Beginn der Platte. Tatsächlich wird "Frenzy" zum Ende hin immer abgedrehter und gipfelt in einen mit stampfenden Beats hinterlegten Indianer-Singsang, der den letzten Track "Lost Years" beschließt. Immerhin bedeutet der Albumtitel übersetzt nichts anderes als Wahnsinn oder Ekstase und die spannungstechnische Umsetzung desselben haben Suicide Silence tatsächlich gut hinbekommen.

Über diese Stimmigkeit drückt man ob der Tatsache, dass sich die Songs teilweise im Nichts verlaufen und – von "She Waits" einmal abgesehen – echte Kracher nicht so recht zu finden sind, gerne mal ein Auge zu. Wem Metalcore wegen seiner Brutalität und Aggression nicht zusagt, der findet in diesem Crossover-Punk vielleicht seinen bevorzugten Härtegrad. Stellenweise zwar eingängig und insgesamt gut hörbar setzt "Frenzy" aber in seiner Gesamtheit aber auf jeden Fall eine Ader fürs Irrsinnige voraus. Wer es zugänglicher mag, hört also sicherheitshalber vor dem Kauf rein – oder hält sich an die ersten sechs Tracks der Platte, was dem Konzept "Album" aber wohl nicht so ganz gerecht würde.

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