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Süßholz: Nit unsere Zit!

Kaufempfehlung für die Mittelalterfans
Wertung: 5/10
Genre: Folk
Spielzeit: 55:12
Release: 01.12.2006
Label: Curzweyhl

So trug es sich zu, dass zwei auszogen und sich auf ihre Barett die Folkmusik schrieben. Diese frönten sie dem Publikum unter dem Namen Süßholz und befanden vier Jahre nach der ersten Zusammenkunft, dass es an der Zeit sei, das Volk in den Genuss ihrer Musik kommen zu lassen, auch wenn sie sich auf eine ihrer weiten Reisen durch das Land befanden. So trug es sich zu, dass die beiden, welche ihre Musik hauptsächlich durch den Dulcimer erklingen ließen, ihre Musik auf einen Tonträger bannten, auf dass sich alle ewiglich an ihrem Klang erfreuten. Die Barden, von denen man erzählt, sind Ansgar Halfkann und Carsten Müller.

Und irgendwie scheint der Dulcimer das Einzige an Süßholz zu sein, mit dem sie sich rühmen können. Denn auch wenn das sogenannte Mottostück des Silberlinges “Nit unsere Zît”, ein Duett zweier Dulcimer, sehr schön klingt, kann man das Musikinstrument nach 55 Minuten nicht mehr hören, da sich Halfkann und Müller als Hautmelodieträger auf die “diatonische und Bahrduhne Griffbrettzither” (ich bin nicht plötzlich unter die Hobbymusikwissenschaftler gegangen, das Booklet beschränkt eine Seite auf die blosse Dulcimerwerbung) beschränken. Wenn sie dann so fesselnde Stimmen wie Michael Rhein, Erich Hecht oder Gunter Kopf haben, dann will ich meine nicht dagegen erheben. Leider klingen beide Herren wie jeder Durchschnittsbürger, sodass man die Lieder wirklich schlecht auseinander halten kann.

Es folgt also „Veris Dulcis“, das ein wenig an In Extremo erinnert, dem Lateinlehrer aber Gänsehaut verursacht. Irgendwie scheinen die Stimmen ein wenig zu hoch für dieses Liebeslied zu sein und das einseitige Geklimpere auf der Dulcimer macht es auch nicht besser. Die Zither in allen Ehren, aber ein wenig musikalische Abwechslung wäre doch ganz gut. Da der Text auch nirgendwo abgedruckt ist, kann man nur noch erahnen, wovon das Lied handelt - und wechselt anschließend zum zweiten „Lateiner“ der Platte „Totus Floreo“, ebenfalls aus der Carmina Burana. Beschreiben die Süßholzer die Liebe dieses Stückes selbst als „feurig“, könnte die Interpretation auch die eines Kirchenliedes sein. Und auch wenn sich das Duo dem Dulcimer-Folk verschrieben hat und man mir jetzt mit „Charts!“ kommen mag, die Jungs von In Extremo haben dieses Lied ebenfalls einmal gespielt. Ist schon etwas älter und eben der typische In Extremo Rockstil, dem ich wirklich niemandem aufzwingen möchte. Aber mal ernsthaft: Wenn jemand über feurige Liebe singt, soll er das bitte glaubhaft tun. Über Herr Rheins Gesang lässt sich vieles sagen und die Geister mögen sich scheiden, aber eines merkt hört man dennoch: Die Leidenschaft, die irgendwo zwischen Dulcimer und Schellen verloren ging.

„Maienzît“, so wird der Zuhörer informiert, stammt aus der Feder der Neidhart von Reuental, der sich besonders durch Naturschilderungen und ihre rustikalere Art auszeichnen. Im Intro geht’s dann auch richtig alternativ daher, erklingt doch endlich das zweite Instrument der CD: Der Gong (aber noch recht sparsam). Dafür streckt es sich auch ordentlich auf die gesamten sechs Minuten. War nicht die Rede von einem Text? Eigentlich schon, aber aus irgendeinem Grund wurde auf dessen Vortrag verzichtet.

Zur Entschädigung gibt’s zu “Under der Linden” synthetisches Vogelgezwitscher und eine sehr versteckte Geige. Und weil es eben Walter von der Vogelweide ist, wird auch gesungen. Irgendwann kommt dann auch noch ein Schellenring dazu und das ist wohl der einzige Grund, warum man es von den restlichen Liedern der CD unterscheiden kann.

Neben der Carmina Burana haben Süßholz auch ein Faible für Tänze und Trinklieder. Beide Sorten finden sich im letzteren Teil der CD beim französischen “Allemande”, “Je ne fus jamais si aise” “Schirazula” oder auch dem “Schlemmerlied” sowie dem abschließenden “Trinklied” ihren Platz.

Wie man zu einem eingängigen Gezupfe ohne Takt tanzen soll, ist mir schleierhaft, aber dafür gibt’s im “Je ne fus...” Spann- und Rahmentrommel. Und mal ganz ehrlich: Trinklieder werden auch ein bisschen ausgelassener gesungen (und notfalls wie Schandmaul mit Becks nachhelfen).

Dafür ist das “Trinklied” am Ende ganz gut gelungen, auch wenn ich mich langsam ernsthaft frage, ob ein Zupfinstrument wie der Dulcimer für solche rauen Töne wirklich geeignet ist.

Als Fazit bleibt die Kaufempfehlung für die Mittelalterfans, die sich Musik ganz gerne im Sitzen anhören, denn technisch gesehen ist an Süßholz nichts auszusetzen. Ihre Instrumente beherrschen sie - es fehlt nur ein wenig an der Kreativität.

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