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Subway to Sally: Kreuzfeuer

Kurs gehalten: Mehr Rock, weniger Folk
Wertung: 8.5/10
Genre: Folk Rock
Spielzeit: 52:51
Release: 27.03.2009
Label: Nuclear Blast

Neunzehn Jahre sind eine lange Zeit – und nicht selten auch eine Zeit konsequenter Entwicklung. Dies gilt auch für die Bandgeschichte von Subway to Sally. Denn die sieben Potsdamer durchliefen eine musikalische Evolution, die nicht zu überhören ist. Angefangen beim teils englischsprachigen Folk mit Rockeinflüssen, welcher auf dem ersten Album „Album 1994“ vorherrschte, steht die Band nun beim Rock mit Folkeinflüssen, wie er in seiner bisher ausgeprägtesten Form auf dem 2007 erschienenen Album „Bastard“ zu hören ist – ein gravierender Unterschied und damit eine Tatsache, die sicherlich nicht jedem alten Fan gefällt.

Nun ist das neueste Album von Subway to Sally, genannt „Kreuzfeuer“, fertiggestellt und kann, als das zehnte Album, quasi als Jubiläumsalbum gelten. Wer hier auf eine Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln hofft, wird enttäuscht. Denn generell gilt: Wer den Vorgänger „Bastard“ mochte, der kommt auch bei „Kreuzfeuer“ auf seine Kosten, da die Band weiterhin den dort gewählten Weg berschreitet. So rockt die Formation rücksichtslos - zumindest in den harten Nummern - und präsentiert dabei ansehnliches, eingängiges Riffing und zum Mitgehen auffordernde Rhythmen. Doch der Platz zur Entfaltung der Folk-Instrumente wurde weiter eingedämmt. Das ist schade, da deren reizvolle Melodielinien stark in den Hintergrund gedrängt und vom restlichen Instrumentarium überlagert werden.

So startet das Album im Song „Aufstieg“ mit einem energiegeladenen Riff, das den Hörer sofort in den Bann zieht – aber auch alles andere zum bloßen Beiwerk verkommen lässt. Auch „Besser, du rennst“ klingt ähnlich: Singt Eric Fish dort im Refrain „Besser du rennst / so schnell du kannst / dreh dich nicht um“, so gibt es für den geneigten Hörer bei der vorgegebenen Geschwindigkeit und dem packenden Rhythmus auch keine andere Option: Zeit zum Zurückschauen bleibt nicht. Die einzig mögliche Richtung: Geradeaus, weiter durchs Album – Frau Schmitts Geige ordnet sich auch hier dem Rest der Band unter und kommt nur als tragende Melodie im Refrain zum Vorschein.

„Kreuzfeuer“ wird aber nicht allein durch seine treibende, energiegeladene Seite geprägt: Die auf dem Album vorhandenen Balladen verleihen dem Album ein anderes Gesicht. Melancholisch, manchmal verträumt und generell im Schritttempo gehalten, fesseln sie den Hörer dennoch durch ihre angenehmen Melodien. Doch auch hier überlagern die „herkömmlichen“ Instrumente die Geige als das Folk-Überbleibsel in der Band. Auch Erics Sackpfeife macht sich sehr rar.

Vertreter dieses Liedtypus sind zum Beispiel „So fern, so nah“, „Komm in meinen Schlaf“ und „Versteckt“. Während „Komm in meinen Schlaf“ - ein Song, in der Ria von der Band Eisblume, die derzeit mit einem Pop-Cover des Subway to Sally-Songs „Eisblumen“ in den deutschen Charts ist, als Gastsängerin auftritt – für eine Ballade im Refrain eine beachtliche Lautstärke erreicht und in dieser Hinsicht schon fast mit dem Klassiker „Schneekönigin“ vergleichbar ist, präsentiert sich „So fern, so nah“ als verträumter, langsamer Song ohne überraschende Extras, abgesehen von einer facettenreichen Melodie.

„Versteckt“ ist vom Konzept her völlig anders: hier wird auf eine elektrische oder gar verzerrte Gitarre völlig verzichtet. Hier sind Eric Fishs Stimme und die Akustikgitarre im Vordergrund – untermalt von einer leisen, vielleicht auch zu leisen Geige.

Mit „Kreuzfeuer“ präsentieren Subway to Sally ein solides Album, das dem bereits vorher eingeschlagenen musikalischen Weg weiter folgt. Die Riffs und Melodien wirken allesamt durchdacht und gehen dem Hörer direkt ins Ohr, allerdings fokussiert sich die Band stark auf die Rock-Elemente ihrer Musik – und vernachlässigt die traditionelle Instrumentierung mehr denn je.

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