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Striker: Hard On The Heels Of Time DVD

... wenn sie mal nicht schon den Löffel abgegeben haben…
Wertung: DVD: 6/CD: 6,5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: DVD ca. 58 min/CD 49:21
Release: 07.12.2012
Label: Peppertone Records

Haaaalt – bevor hier jetzt alle denken, sie hätten gerade eine DVD der gerade aufstrebenden kanadischen Striker verpasst, dann dürfen wir getrost zurufen: Nix da, keine Panik. Hier sind es Striker (Ger) aus Amberg im tiefsten Bayern, die sich für diese kleine DVD ins Zeug gelegt haben. Ob die Band überhaupt noch aktiv ist oder schon längst zu Grabe getragen wurde, ist nicht wirklich erkennbar. Zwar steht der Status noch auf aktiv, nur die letzten Eintragungen auf der Homepage und auch auf Facebook sind alle ein paar Monate alt.

Beim ersten Blick auf das DVD-Cover scheint ein „Was soll das“ nicht abwegig, haben sie doch lediglich drei Tracks auf dem Silberling gebannt, doch beim Öffnen stürzt sich gleich noch eine CD in die Hände des Verfassers – schnell in den Schacht, denn hier warten dann nochmals fast 50 Minuten teutonischen Stahls auf Begutachtung. Ob die CD nun zur Standardausrüstung gehört oder nicht, ist leider nirgends erkennbar, wertet das Package dann aber doch auf, sind dort doch auch die Songs zweier Demos Anfang der Neunziger verewigt.

Wie jetzt, so lange gibt es die Truppe schon? Ja sicher, Geburtszeitpunkt ist mit anno 1988 auch schon eine Weile her. Drei Demos hatten sie dann innerhalb von vier Jahren herausgehauen, angefangen 1990 mit sechs Nummern auf dem „Hard On The Heels Of Time“-Tape. Zwei Jahre später hievten sie das Tape „Down On The Street“ ans Tageslicht, wiederum zwei Jahre später gingen sie mit der Vier-Track-Demo-EP „So What?“ an den Start. Zwischendurch gab es dann auch einen längere Winterruhe, erst seit 2010 sind wie wieder aktiv(er) (Hust; Anm. d. Red.). Und die Tracks eben jener beiden letzt genannten Demos sind nun auch auf der beiliegenden Full-Length zu finden, aufgefüllt mit den drei neuen Nummern der DVD.

Der erste Fokus gilt dann erst einmal der DVD, die mit dem Clip „Own Master“ startet. Hier liegt nicht nur ein Livemitschnitt vor, sondern der Song wird in ein Konzept gezwängt. Ein vom Metal völlig unbeirrter Typ betritt eine Kneipe, in der Striker auf der Bühne stehen, rennt erst einmal die Kellnerin um, kippt sich einen Kurzen nach dem anderen, was dann auch zu einem gesteigerten Aggressionsverhalten führt. Irgendwann steht er dann mitten im Fanpulk, fantasiert über das Ende seines Lebens – schön, wie die Kamera sich mitten durch die mitklatschender Hände schiebt – the loneliness of the Liebeskummerkonzertgänger quasi.

Der Song „Why Don’t You Find An Answer“ ist dann eher wieder als klassischer Videoclip angelegt, doch auch hier geht es erneut um den Protagonisten aus dem ersten Teil der Story. Wieder wird gesoffen, die Verzweiflung wächst, der Revolver in der Hand bietet sich als finale Lösung an, das Ende bleibt aber offen, als der Typ auf der Brücke steht und vermeidlich zum Sprung ansetzt. Die Brücke ist dann auch gleich wieder die erste Kameraeinstellung zum Lied Numero drei, "Hard On The Heels Of Time", dem einzigen neuen Song, tauchten die ersten beiden Songs doch auch schon zu Demozeiten auf. Noch immer dreht sich die Story um den Verlassenen, immer wieder wird in Rückblenden die Vergangenheit beleuchtet, der Kreis der Geschichte schließt sich, wobei die Musiker immer wieder in typischer Clipmanier auftauchen. Die weiter aufkeimende Hoffnungslosigkeit wird mit Bildern wie einem blutverschmierten "Death"-Schriftzug oder der Nachtmondstimmung vorangetrieben, bis klar wird, dass hier kein Happy End den Eindruck verwischt.

Überraschend kreativ zeigen sich Striker auf ihrer DVD, ob aber die 15 Euro dafür gerechtfertigt sind, bleibt ein wenig zweifelhaft, schließlich sind es dann doch nur drei Videoclips mit zusammenhängender Story. Die sind aber spaßig trotz alles Todesbefürchtungen umgesetzt, die weiteren Gimmicks der DVD aber sind nur für die Band selbst oder Freunde interessant. Nette, uninteressante Füller.

Jetzt aber zur beiliegenden (Bonus)-CD, denn die hat wesentlich mehr zu bieten als nur drei Songs. Den kompletten Silberling kann man dabei in drei Bereiche einteilen, die sich auch soundlich unterscheiden. Als erstes wären da die drei Nummern der Videoclips. Geboten wird stampfender Metal typisch teutonischer Ausprägung mit voller Achtziger-Dröhnung, wobei hier der Opener „Own Master“ mit seiner Powerfaust-Attitüde und dem feinen Riffing noch hervorsticht, leider aber der Scream am Ende dann nicht zu hundert Prozent sitzt und das eigentliche Manko der ersten drei Nummern offenbart: Fronter Mike setzt auf seine gewöhnungsbedürftige Kopfstimme, wobei gerade der Refrain einfach immer wieder einen Tacken zu lang ausgelutscht wird.

Part zwei beginnt mit „Suzy“ und endet mit „Slave“ – allesamt auf der „So What?“-Demo von '94 zu finden. Deutlich macht sich ein leichter Sleaze-Einfluss in allen vier Songs bemerkbar, Mikes Stimme wirkt leicht heiser und kommt so noch am angenehmsten herüber, ist auch nicht so sehr in den Vordergrund gemischt. Als richtiges Highlight entpuppt sich die Up-Tempo-Nummer „Bad Religion“, die mit einem Gute-Laune-Riff überzeugt. „Gunfighter“ startet balladesk und bekommt härtetechnich noch die Kurve, aber über Heavy-Metal-Mittelmaß schießen die Bayern nicht hinaus.

Das wird dann bei den abschließenden drei Nummern nochmals deutlicher, denn alle drei Tracks sind purer Durchschnitt., egal ob eher als Heavy Rocker („In The Dark“) oder wiederum balladesker startender Song („On Fire“) – hier liegt eher der Grund vor, warum das Quartett die damalige Demophase nie überwinden konnte.

Natürlich muss man bei der Gesamtbetrachtung abwägen, dass fast alle Songs schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel haben. Achtziger-Stahl, wohin man nur schaut, regelmäßig im stampfenden Rhythmus gefangen, die Refrains werden teilweise bis zum Erbrechen wiederholt, was auch damals schon nicht das Optimum war. Für Traditionalisten interessant, viel mehr leider aber auch nicht.

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