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Stratovarius: Under Flaming Winter Skies - Live In Tampere

Liebevoller Abschied
Wertung: 8.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 112 Minuten Konzert/ 30 Minuten Dokumentation
Release: 29.06.2012
Label: earMusic/ Edel

Man mag über die Besetzungswechsel über die Jahre hinweg lächeln, man mag über den Abgang Timo Tolkkis im Jahre 2008 noch so sehr an ein Ende von Stratovarius gedacht haben, Tatsache aber bleibt doch, dass diese finnische Band in ihrer Heimat etwas losgetreten hat, was wie ein Schlüssel zum weltweiten Ruhm für weitere Soumi-Vertreter gilt. Und das zu einer Zeit, als viele nicht nur darüber diskutierten, ob der Metal nun tot sei oder nicht, sondern vor allem die Szene für melodischen Power Metal selbst kaum noch einen Pfifferling wert war.

Der größte Wendepunkt in dem schon seit 1984 andauernden Stratovarius-Leben ist wohl im Jahr 1995 zu verorten, als Keyboarder Jens Johansson und Drummer Jörg Michael zur Truppe stießen und aus dem finnischen Kompott eine internationale Metalmarke machten. Von da an sollte sich der Sound auch verändern, denn die Keys rückten immer mehr in den Songfokus, grundsätzlich wurden die Songs außerdem schneller gespielt, hatten sie doch nun eine humane Rhythmusmaschine, die all das auf dem Kasten hatte und das Anziehen des Tempos locker mitgehen konnte – und genau dieser Drummer kündigte nun an, dass nach sechzehn Jahren für ihn aus persönlichen Gründen Schluss sei. Eine letzte Europa-Tour und eine DVD markieren somit den Abschied einer sehr erfolgreichen, von Jahr zu Jahr angewachsenen Bandära.

Über die Setlist ließe sich natürlich immer wieder streiten, daher lohnt sich schon fast gar nicht mehr, darüber ein Wort zu verlieren – als Schmankerl wurden hier aber auch ein paar Coverstücke eingebaut, die sich Drum-Legende Jörg ausgesucht hat, allem voran Deep Purples „Burn“. Kurz vor den Coverstücken hält dann Jörg auch eine kleine Rede an das finnische Publikum; nur mit der Aufforderung, dass doch die ganze Welt finnisch lernen solle, muss man nicht konform gehen. Finnisch ist hier deswegen wichtig, weil die DVD nicht nur in Tampere aufgenommen wurde, sondern weil Timo Kotipeltos Ansagen komplett in seiner Heimatsprache stattfinden, allerdings detailverliebt mit englischen Untertiteln (wahlweise ausschaltbar) auch für den internationalen Markt verarbeitet wurden.

Geschmackssache ist sicherlich auch, wie denn die Live-Atmosphäre eines Konzertes eingefangen wird. Hier sind die Kameraleute jederzeit auf der Höhe des Geschehens, immer wieder werden strahlende Gesichter der Fans eingefangen, die lauthals mitsingen oder klatschen, was gerade so anfällt. Schade nur, dass auch hier ein sehr breiter Fotograben den direkten Kontakt zur Band trennt – schön für den Kameramann, der sicherlich auch mit weniger Platz zurechtgekommen wäre, das Stimmungslevel hätte aber durchaus ein wenig überkochender sein können. Lobenswert ist allerdings, dass anscheinend nicht einfach noch zehn Strahler mehr aufgebaut wurden, um jedes Detail auch noch auszuleuchten, kommt doch so die abwechslungsreiche Lightshow gut zum Tragen. Ärgerlich bleibt allerdings immer wieder, wenn bei einer Nahaufnahme das Bild von unscharf zu scharf und wieder zurück wechselt – als Stilmittel sicherlich in gewissen Situationen ein netter Nebeneffekt – doch so entsteht ein kleiner schlampiger Eindruck, der spätestens beim Schnitt wieder hätte ausgebügelt werden müssen. Allzu erbsenzählerisch soll das jetzt aber nicht sein, stimmen doch bei 99,99 Prozent der restlichen Aufnahmen Farbe und Tiefenschärfe.

Ein Manko muss allerdings noch erwähnt werden, auch wenn beinharte Stratovarius-Fans hier sicherlich aufschreien werden: Spielerisch sind die Jungs einfach top und zocken so manchmal wie in einer anderen Liga, die Bühnenshow an sich ist aber reichlich statisch. Viel Bewegung gleich Nullanzeige, da werden eher gerne die Positionen gehalten, erst gegen Ende der Show lösen sich die Formationen und vielleicht festgelegten Gehwege auf – gerade auf DVD wird dieser „Bewegungsmangel“ allzu deutlich und trübt ein wenig den Sehgenuss. Soundtechnisch werden wohl aber nur absolute Fetischisten etwas auszusetzen haben, denn neben der Dolby-Digital-2.0-Version steht dem 5.1-Lauschgenuss nichts im Wege – so kann man dann auch locker überlange Songs wie „Visions“ genießen.

Wiederum Geschmackssache sind die immer wieder eingebauten Soli – als wenn die Herren Musiker sich nicht schon innerhalb der Songs genügend austoben könnten. Nur Jörgs Drumsolo zu „Black Diamond“ kommt etwas kurz, dabei hieß es doch noch „The Jörg Michael Farewell Tour“.

Die DVD „Under Flaming Winter Skies“ ist eine schöne Gelegenheit, einen der wichtigsten Abschnitte aus dem Startovarius-Leben zu dokumentieren – wird sich allerdings Timo Tolkki in den Arsch beißen, weil er die Gelegenheit eines solch bebilderten Abschieds nicht bekam? Egal, Power-Metal-Fans machen hier nichts falsch, wenn sie zugreifen, liegt die letzte DVD „Infinite Visions“ nun auch schon wieder zwölf Jahre zurück. Schade nur, dass Retusche-Werkzeuge es nicht hinbekommen haben, den am Drumset befestigten Clubschal auszublenden.

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