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Stratovarius: Eternal

Nicht so stark wie die drei vorigen Alben, aber immer noch grundsolide
Wertung: 7.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 54:16
Release: 11.09.2015
Label: Earmusic (Edel)

Man muss sagen, für eine Band, die eigentlich mal längst tot war, sind Stratovarius doch ziemlich lebendig. Vergessen die Zeiten, als eine Medienposse die andere jagte, Gitarrist Timo Tolkki erst dem Alkohol und dann dem Größenwahn verfiel, letztlich aber einsah, dass es so nicht weitergehen konnte und völlig ausgebrannt aus der Band, die sein Lebenswerk darstellte, austrat, dabei die Rechte am Namen aber großzügig den übrigen Mitgliedern überließ.

Seit Matias Kupiainen bei Finnlands Power-Metal-Combo Nummer eins als neuer Gitarrist eingestiegen ist, erlebt die Kapelle einen zweiten Frühling. Die drei Alben „Polaris“, „Elysium“ und „Nemesis“ erschienen flink im Zweijahresrhythmus, und weisen dabei dennoch durchgängig recht hohe Qualität auf – was man über so manche Scheibe der späten Tolkki-Jahre nicht gerade immer behaupten kann. Übrigens allerdings nicht ausschließlich wegen Kupiainen, es sei erwähnt, dass auch Bassist Lauri Porra, der sogar noch ein paar Jahre früher als Matias zur Band stieß, ein nicht unerheblicher Anteil gebührt, gerade bei „Polaris“ trug er viel zum Songmaterial bei.

Wiederum zwei Jahre nach „Nemesis“ haben die Jungs nun also schon wieder die nächste Full-Length-Platte in der Pipeline – lustigerweise wieder mit einem nur aus einem Wort bestehenden Titel, das erneut exakt sieben Buchstaben enthält. „Nemesis“ hatte einen etwas düstereren Vibe, was Stratovarius jedoch erstaunlich gut stand, und enthielt zudem mit der Single „Unbreakable“ einen der erfolgreichsten Hits in der Geschichte der Band.

Der Kurs des Vorgängers wird durchaus beibehalten, wenn auch nicht so vordergründig wie bei dem 2013er Album. Trotz der unverkennbaren Trademarks der Finnen (sprich: flotter Power Metal mit Doublebass, hymnische Mitsingpassagen und halsbrecherische Gitarren- und Keyboardsoli) sind nämlich auch hier hin und wieder elektronische Spielereien und Düster-Chöre enthalten – Tastendrücker Jens Johansson genießt ganz offensichtlich alle Freiheiten und zeigt erneut, dass er sich modernen und Genre-fremden Einflüssen keineswegs widersetzt; auf „Nemesis“ war dies besonders eindrucksvoll beim grandiosen, mit Trance-artigen Sounds versehenen „Halcyon Days“ zu hören.

Hier markiert „Man In The Mirror“ ein gutes Beispiel für einen Song, der für Stratovarius nicht unbedingt typisch ist, obwohl doch zu keiner Sekunde Zweifel aufkommen kann, wer da auf die Horchlappen drückt. Electro-Samples und -Sounds, erhabene düstere Chöre im Hintergrund und eine leicht orientalisch angehauchte Strophe mit sehr viel Drive, die in einem regelrecht aufgehenden Refrain mündet, machen diese bombastisch-dramatische (und nicht etwa von Michael Jackson beeinflusste) Midtempo-Nummer zu einem originellen Stück, das sich länger als nur für eine Tour in der Live-Setlist halten könnte, auch wenn man mit der vorliegenden Scheibe inzwischen beim 15. regulären Studioalbum angelangt ist (zählt man die Compilation-Platte „Intermission“ nicht dazu) und das Auswählen der Tracks für Live-Performances somit nicht unbedingt leichter werden dürfte.

Genau wie „Man In The Mirror“ stammt auch die Power-Ballade „Fire In Your Eyes“ aus der Feder Johanssons – nicht unbedingt der spektakulärste Track, aber ganz nett und ein kleiner Durchschnaufer vor dem Finale „The Lost Saga“, das mit seinen „Herr der Ringe“-Soundtrack-mäßigen Chören zu Beginn gleich den Epik-Faktor massiv in die Höhe schraubt. Mit fast zwölf Minuten Länge auch buchstäblich mal wieder ein richtiges Epos, das mit einem aufwendigen Arrangement und vielen Wendungen daherkommt, dem ganzen üblichen Stratovarius-Pomp und (machen wir uns nichts vor) -Kitsch, allerdings nicht an das Niveau des fantastischen „Elysium“-Longtracks heranreicht. Dennoch zweifellos unterhaltsam und brauchbar.

Ansonsten fehlen diesmal allerdings die ganz großen Hooks, trotz der neuerlichen Teilzeit-Unterstützung von Ex-Sonata Arctica-Gitarrist Jani Liimatainen. Keine Frage, dass die Refrains von Songs wie der Single „Shine In The Dark“, „Rise Above It“, „Feeding The Fire“ und „In My Line Of Work“ schnell reinlaufen, aber letztlich sind sie eben auch ein bisschen abgenudelt und standardmäßig geraten. Auch „Few Are Those“ beginnt mit einer unglaublich eingängigen, simplen Klaviermelodie, die man sofort mitsingt, am Ende fehlt aber doch die absolute Überzeugungskraft. Selbst der Opener „My Eternal Dream“, eine typische Mischung aus speedy und hymnisch, ist – wenn auch okay – zumindest nicht so stark wie die Eröffnungstitel der letzten Scheiben.

Das melancholische „Lost Without A Trace“, das vor allem von der Akustikgitarre sehr bereichert wird und von Bassist Lauri Porra geschrieben wurde, sticht hingegen deutlicher hervor und ist mit Sicherheit eine der gelungensten Nummern des Albums. Und trotz einiger Abstriche gegenüber den drei vorigen Werken im derzeitigen Line-up ist „Eternal“ auch immer noch eine gute Platte, zumal man auch erst mal sehen muss, wie das neue Material live tönen wird, das ist gerade bei einer Band wie Stratovarius mit ihrem vielen Mitsing-Futter schon eine wichtige Frage.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann