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Stratovarius: Elysium

Elysium präsentiert sich abwechslungsreich und technisch beeindruckend
Wertung: 9.5/10
Genre: Power Metal
Spielzeit: 56:33
Release: 14.01.2011
Label: Edel/earMUSIC

Derzeit befinden sich Stratovarius auf der großen „7 Sinners“-Tour mit Helloween. Als „Very Special Guests“ begleiten die Finnen Helloween bereits seit Ende November auf großer Welttournee. Mit im Gepäck haben sie dabei bereits den ein oder anderen Song ihrer neusten Langrille „Elysium“, die von vielen Fans schon sehnlichst erwartet wird. Nachdem Stratovarius in der Vergangenheit einige dicke Steine aus dem Weg räumen mussten, erreichten sie mit „Polaris“, welches im Mai 2009 veröffentlicht wurde, wieder einen begehbaren Weg, der sie auf die alte Spur zurückbrachte.

„Polaris“ konnte nicht nur die Fans überzeugen, sondern auch die Kritiker und die Presse. Die Jungs von Stratovarius waren nicht nur von neuer Energie und Motivation gepackt, sondern sprudelten förmlich vor Kreativität, so dass die ersten Demo-Aufnahmen zu „Elysium“ gemacht wurden, als die „Polaris“-Welttournee noch im vollen Gang war.

Umso größer ist die Spannung, ob Stratovarius ihren erfolgreichen Neustart weiter fortführen können. Wie auch „Polaris“ unterscheidet sich, gerade für eingefleischte Fans, „Elysium“ durchaus von den alten Hits der Band. Aber, dass eine Band in ihrer 26-jährigen Geschichte auch eine Wandlung durchlebt, ist völlig normal. Eine entscheidende Veränderung war sicherlich der Austritt von Ausnahme-Gitarrist Tolki, der vor der tiefen Krise der Band kapitulierte. Sein Nachfolger Matias Kupiainen brachte nicht nur viele neue, kreative Ideen mit sich, sondern auch neue Motivation und ein erneutes Talent an der Gitarre.

Zwei der Songs von „Elysium“ wurden, zeitgleich zum Tourstart der „7 Sinners Tour“ am 26. November 2010, auf einer EP veröffentlicht. Einer der Titel ist „Darkest Hours“, der auch den Opener von „Elysium“ darstellt. „Darkest Hours“ ist ein einprägsamer Song im Mid-Tempo-Bereich, der zwar ein wenig poppig daherkommt, aber den Stratovarius-Stil nicht aus den Augen verliert.

Der andere Titel, der bereits auf der EP seinen Platz gefunden hat, ist „Infernal Maze“. „Infernal Maze“ beginnt sehr besinnlich, und scheint im ersten Moment zu einer Ballade zu werden. Timos klare, kraftvolle Stimme dominiert die Einleitung, bevor der Song nach einer guten Minute an Fahrt aufnimmt, und nach einer weiteren Minute seinen gesanglichen Höhepunkt erreicht. Matias legt dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen oben auf und bezaubert mit einem Gitarrensolo, das sich gewaschen hat. „Infernal Maze“ ist sehr ohrwurmverdächtig, und definitiv ein Tipp.
„Fairness Justified“ ist dann in der Tat ein Song, bei dem das Tempo deutlich zurückgenommen wurde. Timo Kotipeltos Stimme steht zu Beginn des Lieds einmal mehr deutlich im Vordergrund, und mit ihm macht sich gleich zur Eröffnung von „Fairness Justified“ eine epische Stimmung breit. Diese steigert sich zum Refrain hin hörbar und erreicht dort ihre Krönung. „Fairness Justified“ hat eine sehr starke Wirkung auf den Hörer und hat in der richtigen Situation sogar das Potential, eine kleine Gänsehaut auf den Körper zu treiben. Diese wird nicht zuletzt durch die gesangliche Unterstützung eines Chors bei den Refrains erzeugt. Wenn man sich die Ruhe nimmt und sich auf den langsamen Titel einlässt, wirkt „Fairness Justified“ schon beim ersten Durchlauf sehr gewaltig und schreit nach der Replay-Taste. Auch hier lässt es sich Matias Kupiainen nicht nehmen, sein außerordentliches Können unter Beweis zu stellen.

Das Kontrast-Programm folgt auf dem Fuße. Mit dem folgenden Track ist der höhere Tempo-Bereich ab der ersten Sekunde erreicht, und bricht auch in den folgenden, knapp vier Minuten nicht ansatzweise ein. „The Game Never Ends“ ist der Feder von Keyboarder Jens Johansson entsprungen. Nachdem nun, zumindest der Anzahl der Titel nach zu urteilen, die Hälfte von „Elysium“ gerade überschritten ist, bleibt der positive Eindruck nach wie vor bestehen. Auch „The Game Never Ends“ ist ein Song, den man sich gerne anhört, und den man schon nach wenigen Durchgängen lauthals mitsingen möchte. Einmal mehr wird deutlich, dass es bei „Elysium“ nichts zu mäkeln gibt, und dass bis hier auch technisch jedes Lied beeindrucken kann. „The Game Never Ends“ macht schlichtweg gute Laune und Lust auf mehr.

„Lifetime In A Moment“ ist der Song von „Elysium“, der in der Beliebtheitsskale eher weiter nach unten rutscht. Einsteigend mit tiefen männlichen Chören, holen einen die ersten Gitarrenriffs ab, und bereiten auf den Moment vor, an dem die anderen Instrumente nach vorne preschen. Die Gitarrenriffs werden erst dann zurückgenommen, wenn Timo seiner schönen Stimme Platz verschafft. In der Mitte nimmt „Lifetime In A Moment“ immer wieder an Schwere zu, und bleibt auch dominierend in dem Song. Zwar lockern ein paar Parts den Track immer mal wieder ein wenig auf, aber der Bass von Lauri Porra bleibt tief angesetzt. Am schwersten zu verdauen sind bei „Lifetime In A Moment“ die Refrains, denen es, ganz im Gegensatz zum Rest von „Elysium“ eindeutig an Abwechslung fehlt. Auch das schöne Gitarrensolo von Matias kann den Titel in Sachen Sympathie nicht weiter nach oben manövrieren.
Der letzte Titel von „Elysium“ trägt denselben Namen wie die LP und ist ein wahres Meisterstück. Schaut man zunächst auf die Rückseite der CD, stockt der Atem: Mit einer Dauer von 18 Minuten, hat „Elysium“ definitiv die Überlänge geknackt. So ausgedehnte Songs neigen leider häufig dazu, nach kurzer Spieldauer fade zu werden, und sich der Aufmerksamkeit zu entziehen. „Elysium“ hingegen besticht förmlich durch den Spannungsbogen, der sich immer wieder auf ein Neues aufzieht, bis er kurz vorm Platzen zu sein scheint, sich dann aber doch wieder beruhigt. So geht das Spiel eine ganze Weile, und somit zieht der Song nicht nur die volle Konzentration auf sich, sondern vermag zudem obendrein, ein freudiges Lächeln zu zaubern. Kurz nach dem Erreichen der fünften Minute macht „Elysium“ einen regelrechten musikalischen Sprung, und fasziniert mit einem technisch einwandfrei eingebauten Stimmungswechsel.

Die Bezeichnung eines epischen Songs wird hier ganz neu definiert. Die Spannungsbögen und Stimmungswechsel machen „Elysium“ zu einem Titel, der ewig so weiter laufen könnte und einfach nur Spaß macht. Die Motive des Songs scheinen sich stetig zu ändern, genauso wie die Tempi, die immerzu ein neues Gesicht annehmen. Die Nummer ist zu umfassend und komplex, um sie passend beschreiben zu können. Daher ist dieses wahre Meisterwerk auch der nächste und eindringlichste Anspieltipp. Der absolute Höhepunkt ist bei 13,5 Minuten erreicht: Eine wahre Song-Explosion wird gekrönt von dem Gesang eines Chors und einem Gitarrensolo von Matias, das keine Wünsche offen lassen sollte.

Obwohl sich Stratovarius schon sehr kurz nach „Polaris“ zurück in das Studio gewagt haben, ist rein gar nichts der künstlerischen Fähigkeiten der Band auf der Strecke geblieben. Nicht nur mit dem atemberaubenden „Elysium“ stellen die Finnen sowohl ihr enormes Können unter Beweis, als auch ihre technischen Fähigkeiten. Ebenso scheinen die Jungs von Stratovarius nur so vor Kreativität und Motivation zu strotzen. Die LP „Elysium“ ist eine absolute Kaufempfehlung, die nur wenige Wünsche offen lässt.
„Elysium“ gestaltet sich abwechslungsreich und gespickt mit Ohrwürmern, auch wenn sich nach einer gewissen Durchlaufquote manche Lieder in den Hintergrund verziehen. Einmal mehr können Stratovarius an ihre alten Erfolge anknüpfen, und haben mit „Elysium“ ein erstklassiges Werk geschaffen

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