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Storm Corrosion: Storm Corrosion

Spannendes Album, aber wohl nur etwas für Leute, die auch "Heritage" mochten
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock/Ambient/Alternative/Acoustic
Spielzeit: 47:58
Release: 04.05.2012
Label: Roadrunner Records

Manchmal kommt alles anders, als man denkt. Storm Corrosion waren ursprünglich mal als eine Art Progressive-Metal-Supergroup angedacht, viele Fans wähnten sich beim Klang der einst geplanten Besetzung Wilson/Åkerfeldt/Portnoy schon im Delirium, Breakgewitter und spektakuläre Solopassagen tönten ihnen bereits in den Ohren – und so oder so ähnlich wäre es möglicherweise vor zwei Jahren noch tatsächlich gekommen, doch dann veröffentlichten Opeth ihr neues Album „Heritage“, mit dem sie bekanntlich einen komplett anderen Kurs als zuvor einschlugen (jazziger, mehr von Krautrock und Siebziger-Prog beeinflusst) und auch Steven Wilsons zweites Studioalbum „Grace For Drowning“ ist deutlich Siebziger-Jahre- und Jazz-beeinflusster als sein Erstlingswerk „Insurgentes“. Beide Künstler agierten auf ihren letzten Veröffentlichungen mit wesentlich weniger Härte als zuvor, weswegen Wilsons Aussage, man sollte das Storm-Corrosion-Debüt als letzte Scheibe einer Trilogie ansehen, die mit „Heritage“ und „Grace For Drowning“ begann und nun also komplettiert wurde, absolut nachvollziehbar ist.

In der Tat sucht man Härte im eigentlichen Sinne auch auf dieser Platte vergebens, weswegen alle, die mit „Heritage“ nichts anfangen konnten, auch „Storm Corrosion“ wenig werden abgewinnen können. Es wurde beinahe gänzlich auf ein konventionelles Schlagzeug verzichtet, stattdessen lediglich hin und wieder Percussioninstrumente zum Einsatz gebracht und auf eine sehr dichte Atmosphäre gesetzt. Diese weist durchaus Parallelen zu den beiden anderen genannten Alben auf, ist aber sogar zum Teil noch düsterer und vor allem beklemmender geraten. Kein Wunder, wo Steven und Mikael doch erklärten, von den Murder Ballads (traditionelle britische Balladen über Mörder, die von den Geistern ihrer Opfer heimgesucht werden) sowie obskuren Soundtracks zu Filmen aus den Sechzigern und Siebzigern beeinflusst gewesen zu sein. Auch King Crimson spielen in Bezug auf die Stimmung eine wichtige Rolle; besonders bei den Mellotrons im fast schon unheimlichen „Hag“ muss man des Öfteren an die frühen Crimson-Epen „Epitaph“ oder In The Court Of The Crimson King“ vom Debüt der britischen Visionäre denken.

Die düstere Atmosphäre sorgt nicht nur dafür, dass man keine harten Elemente vermisst, sondern dass sie schlichtweg überflüssig wären. Statt mit verzerrten Gitarren ist man lieber mit Blasinstrumenten und Keyboards zu Werke gegangen und ein Könner wie Steven Wilson hat natürlich eine genaue Vorstellung davon, wie dies klingen soll und dementsprechend zu arrangieren ist. Hinzu gesellen sich die wunderschönen, schwebenden Akustikgitarren, von Åkerfeldt geschmackvoll dargeboten, ähnlich wie man es von Opeth kennt. Es kommt also quasi die Essenz dessen zusammen, womit der Engländer und der Schwede auf ihren jeweils letzten Releases herumexperimentiert haben, woraus wiederum etwas Neues entstanden ist.

„Storm Corrosion“ klingt sehr eigen, kauzig, zum Teil verdrogt und ist daher eben erneut nur etwas für Leute, die gerne Neues entdecken und sich überraschen lassen. Wer sich auf die Platte einlassen kann, wird sich an den vorzüglichen Gesangsarrangements und den im ersten Moment teils seltsam erscheinenden, schließlich aber doch schlüssigen Wendungen erfreuen können, allen anderen wird wohl nicht viel mehr übrig bleiben, als den alten Opeth-Zeiten nachzuheulen und auf das nächste Porcupine Tree-Album zu warten, in der Hoffnung, zumindest dort wieder etwas mehr Härte anzutreffen. In dieser Beziehung heißt es allerdings wirklich warten, da Steven gerade konstatierte, seine Soloaktivitäten hätten derzeit Vorrang.

Übrigens bietet „Storm Corrosion“ trotz größtenteils überlanger Songs und eher unkonventionellen Songstrukturen interessanterweise durchaus eingängige Passagen, die hängen bleiben, gerade was Gesangslinien anbelangt. So besitzen der Opener „Drag Ropes“, bei dem Mikael Åkerfeldt die Lead Vocals übernommen hat, oder der selbstbetitelte zweite Track, wo Wilson für den Hauptgesang zuständig ist, einige herrlich bittersüße und zum Teil natürlich auch sehr traurige Melodien, die einmal mehr unterstreichen, dass für die Herren trotz aller Experimentierfreudigkeit gutes Songwriting immer noch an erster Stelle steht. Ein spannendes und aufregendes Album – man darf gespannt sein, ob und wie das Duo das Material live umsetzen wird.

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