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Stoneman: sex.drugs.murder

Alles richtig gemacht
Wertung: 9.5/10
Genre: Metal Gothiccore
Spielzeit: 42:0
Release: 20.10.2006
Label: twilight

Einen Erwartungshorizont bekommt man ungern vorgelegt. Vor allem in Klausuren oder Prüfungen scheint das Wort "Horizont" auch annähernd die Entfernung der gewünschten Leistung zu beschreiben. Nämlich ziemlich weit weg.

Ein Erwartungshorizont bei einer neuen CD ist immer unterschiedlich. Die stolze Band hofft auf die Huldigung der Arbeit, das Verständnis ihrer Musik, auf Identifikation. Der Redakteur hofft bei unbekannten Bands meistens nur, dass es nicht allzu schlimm wird.

Ich gebe zu, ich war misstrauisch. Eine Band namens Stoneman, ein Infoblatt ohne Biografie und seltsam ausschauende Musiker, die stilistisch von Gothic bis Hardcore alles mischen - so ganz wollte ich dem Braten nicht trauen. Zugleich die erneut schwappende Welle des gleichproduzierten Hardcores, mit dem sich scheinbar eine ganze Generation von Jugendlichen zu identifizieren vermag, was mag da wohl kommen?

Stoneman kamen, spielten und siegten. In meinen Ohren zumindest. Denn was die vier Schweizer da abliefern ist alles andere als langweilig. Die relativ junge Band, Gründungsjahr war 2004, hat schon einige bekannte Namen in ihrer Bandbiografie und Auftrittsammlung zu verzeichnen, sein es die Auftritte mit Within Temptation oder Samael. Auch stilistisch wird das Quartett mit Namen wie “Nine inch Nails” oder “Atrocity” in Verbindung gebracht.

Ein Vergleich, der durchaus gerechtfertigt ist. Stoneman beweisen einen Ideenreichtum der für eine Newcomerband überraschend ist. “In my arms” beginnt fast Black Metal-typisch, Micky chixx grölt in sein Mikro und auch seine Kollegen geben sich jede Mühe, eine überzeugende Geräuschkulisse zu erzeugen, die durch eine Sirene noch wirkungsvoller unterstützt wird. Keine Musik für ruhige Stunden, auch wenn der Refrain clean gesungen wird. Viel gekonnter, als man es nach dem anfänglichen Gekrächze vermutet, das sich mehr nach schwer nikotionabhängigem Asthmatiker mit Halsentzündung anhört. Aber was wäre eine “großartige Schnittmenge”, wenn einem intelligenten Hardcorestück nicht noch etwas Elektro eingehaucht wird? Genau, nichts! Und so findet sich ebenfalls ein Sample im Stück - eine Eigenart, die man eher der Szene mit den neonbunten Puscheln zuordnen mag. “Wenn Du Dich mit dem Teufel einlässt, verändert sich nicht der Teufel, der Teufel verändert Dich!” - wer kannte den Clubhit Snuff Machinery damals nicht? Ursprünglich im Film “8mm” verwendet, klauten ihn SIDT und nun auch Stoneman - allerdings in Englisch, eine Sprache, der sich die Band bis auf wenige Ausnahmen vollständig bedient.

Überhaupt ist das Album sehr hart. Eine vielleicht ungewollte Parallele zum neuen Kinofilm “Der Teufel trägt Prada” bildet “Devil in a Gucci dress”, den die kürzlich verstorbene Sabine Dünser von Elis noch featured. Ein eingängiges Stück, beginnend mit einem prägnanten Keyboardsolo, das den ganzen Track prägt. Das Schlagzeug tritt neben verzerrten Gitarren Chixx' Stimme, die einmal mehr an die Kollegen der Deathstars erinnert, fast in den Hintergrund, so unglaublich das auch klingen mag, denn leise spielt keiner sein Instrument. Stoneman meinen es ernst und überzeugen mit einem Selbstbewusstesein, das schon fast bewundernswert für ein Debutalbum ist.

Sehr ironisch ist “Protect me” geworden. Erklingen erst die sanften Töne von “Schneeflöckchen” auf einer Spieluhr, holt Chixxs lakonisches “Welcome to reality Baby” einen ganz schnell in die Wirklichkeit zurück. Während er im Hintergrund rumgrowlt, übernimmt Dünser hier einmal mehr die Frontstimme in einem Song, den man rein musikalisch auch The Rasmus unterschieben könnte. Eingängige Keyboards und eine ausgefeilte Sopranstimme - man vermutet beim Lesen einen Pophit, den “Protect me” abgeben könnten, wenn man Chixx gekonnte Stimme aus dem Hintergrund schneidet. Obwohl ich kein Fan von düsterem Gegrunze bin, erkenne ich neidlos an: Genau das ist es, was dem Song das gewisse Etwas, die Kanten verpasst.

“Atomic Holocaust” - ein harter Mix aus Metal und Goth beschäftigt sich mit dem Lieblingsthema der “Neonfraktion”, der atomaren Zukunft, die uns früher oder später ereilen wird, weil zu viel Verantwortung einfach nicht in Menschenhände gelegt werden kann und darf.

Richtig rockig geht’s mit “Cocaine” weiter, in dem vor allem mr. fly an der Gitarre eine Hauptrolle spielt und sowohl im akustischen Intro als auch im elektronischen Mittelteil sein Talent beweisen darf. Und den Test besteht er neben einem gekonnt grollendem chixx gar nicht mal schlecht. Dagegen schneidet Dave snow am Keyboard fast schlecht ab, da es vor allem in der Mitte des Dreiminüters etwas langweilig wird.

Mein Liebling des Albums ist auf jeden Fall “Evil Fly” geworden, eine perfekte Mischung aus gothicähnlichen Keyboards, cleanem Gesang und harten Strophen. Ein Song, in dem Stoneman noch einmal alles beweisen. Natürlich eine gewagte Mischung. Und natürlich anspruchsvoll. Aber wenn man Chixxs gekonnt gruseliges Gekrächze, snows passende Keyboards und das Gitarrensolo mr. Fly’s hört, weiß man, dass Stoneman alles richtig gemacht haben, was zu erwarten war. Und sex.drugs.murder mindestens eine eins ist.

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