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Stone Sour: Hydrograd

Die Platte zündet erst nach einiger Anlaufzeit
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Rock/Metal
Spielzeit: 65:14
Release: 30.06.2017
Label: Roadrunner Records

Lange mussten Fans von Stone Sour um eine neue Veröffentlichung ihrer Helden bangen, immer wieder machten krude Teaser und Ankündigungen, die eher Slipknot betrafen die Runde, zuletzt gab es mit „Fabuless“ (in bester „Get Inside“-Manier) und „Song #3“ endlich zwei Songs zu hören, von denen ersterer auch noch ein richtig cooles Video in petto hatte – trotzdem kamen zum neuen Album „Hydrograd“ einige Unkenrufe aus den Untiefen des Internets; nicht zuletzt, da Alleskönner Corey Taylor einen heftigen und ziemlich kindischen Beef mit Nickelback-Sänger Chad Kroeger anzettelte.

Dabei muss man ganz klar sagen: Taylor hat die Klappe diesmal gar nicht so weit aufzureißen. Klar ist die neue Scheibe wieder eine ziemlich bis sehr gute Alternative-Rock-Platte geworden, aber: Immer wieder verirren sich Stone Sour ein bisschen in pop-rockige Gefilde. Wer sich nämlich gerade die beiden Single-Auskopplungen als Gradmesser hernahm, konnte nachher bitter enttäuscht werden – Songs wie „The Witness Trees“ könnten so halt auch ganz locker im Rock-Radio laufen, ohne dass sich die gute Hausfrau daran stören würde.

Tatsächlich braucht es ein paar Durchläufe und eine Stunde im Stuttgarter Stau, um einige echte Perlen auf „Hydrograd“ zu entdecken – das erwähnte, so eingängige „The Witness Trees“ hat zum Beispiel einen ziemlich guten Refrain, ganz zu schweigen vom titelmäßig nicht gerade berauschenden „Rose Red Violent Blue (This Song Is Dumb & So Am I)“, das mit überraschenden Ska-Gitarren aufwartet, Taylor protzt im Verlauf ein bisschen mit seinen nun mal sehr guten stimmlichen Qualitäten (hätten wir vor 15 Jahren gedacht, dass der Slipknot-Schreihals so was kann?!), und das flotte „Mercy“ überzeugt schon im Intro mit bratenden Gitarren und anschließend mit einem ohrwurmigen, aber gottlob nicht poppigen Refrain; im Gegensatz zum recht kastrierten „St. Marie“, das man so nicht von der Band erwartet hätte – und vermutlich auch nicht gewünscht. Dass Stone Sour auch ruhigere Songs können, hatte ja seinerzeit schon „Bother“ bewiesen, ganz zu schweigen vom totgehörten „Through Glass“; kein Vergleich zu diesem lahmarschigen neuen Song.

Gerade zum Finale hat sich die Truppe mit „When The Fever Broke“ nochmal selbst entschleunigt, herausgekommen ist fast schon ein Seemanslied, traurig und melancholisch mit ordentlich Hall und schwurbelnden Samples im Hintergrund – klingt nach Kitsch deluxe, passt aber alles erstaunlicherweise super zusammen. Hört man sich danach „Whiplash Pants“ an, hat man den perfekten Eindruck, was für eine breite musikalische Spanne Stone Sour mittlerweile abdecken; hier wird ordentlich gebrüllt, fast fühlt man sich an Slipknot erinnert, was auch Drummer Roy Mayorga zu verdanken ist, der auf dem ganzen Album ein tightes und knackiges Spiel bietet. Ähnlich gestaltet sich „Somebody Stole My Eyes“, das man wahrscheinlich als einziges astreines Metalstück auf „Hydrograd“ bezeichnen kann – stakkatoartige Rhythmen, deftige Drums, druckvolle Gitarren und ein Frontmann und Topform; da kann auch der klare Refrain nicht als Bremse dienen.

Unterm Strich kann man als Fan mit „Hydrograd“ doch ziemlich zufrieden sein. Die Platte benötigt zwar überraschend viele Durchläufe, um richtig zu zünden, dann findet sich aber ein bunter Strauß an Anspieltipps mit unterschiedlichsten Einflüssen. Totalausfälle gibt es erfreulich wenig zu beklagen, nur das unsägliche „St. Marie“ hätte es nicht unbedingt gebraucht – stattdessen wäre ein weiterer Brecher wie „Somebody Stole My Eyes“ wünschenswert gewesen.

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