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Stimpack: Dunkle Wasser

Starker Modern Metal mit deutschen Texten
Wertung: 8/10
Genre: Modern Metal
Spielzeit: 40:40
Release: 22.06.2009
Label: Rocking Ape Records

Bands wie Grantig und Callejon bewiesen zuletzt, dass moderner Metal mit deutschen Texten funktioniert und durchaus zu bemerkenswertem Erfolg führen kann. Die Newcomer Stimpack folgen nun dieser Tradition mit ihrem Full Length-Debut „Dunkle Wasser“ und vermögen damit tatsächlich zu überzeugen.

Von der Ausrichtung her sind Stimpack deutlich näher an Grantig als an Callejon, auch wenn einige Metalcore-Elemente wie gelegentliche Breakdowns und der Wechsel zwischen gebrüllten und cleanen Vocals vorhanden sind. Letztendlich lässt sich die Band jedoch nicht in ein festes Genre einordnen, was jedoch weniger an übermäßiger Innovation, als viel mehr an der Art liegt, wie die Stile miteinander verknüpft werden. Als Grundzutat lässt sich am ehesten Nu Metal bestimmen, wobei dies nicht im Sinne des Rap-Klischees gemeint ist, sondern sich eher auf das Genre-übliche Riffing bezieht, das eines der wichtigsten Elemente der Musik von Stimpack ist. Die tief gestimmten Gitarren gestalten das Album äußerst treibend, denn auch wenn keine wirklich neuen Riff-Ideen vorhanden sind, erfüllen sie ihren Zweck voll und ganz und verleihen der CD einen sehr rockigen Charakter. Beim Gesang hingegen nimmt man ein ganzes Stück Abstand von den anfangs genannten Bands, denn Sänger Oli verwendet ein weitaus größeres Spektrum an Stilen als diese. Angefangen bei dem häufig verwendeten düsteren Sprechgesang, über die Screams (die allerdings lange nicht so hoch sind wie die bei Callejon) bis hin zu dem facettenreichen Klargesang ist hier einer der größten Pluspunkte der Platte festzustellen, denn Oli passt seine Stimme meistens perfekt der Musik an.

Schon bei dem eher einfach gestrickten, aber amtlich rockenden „Aus Der Asche“, bei dem noch am ehesten das Metalcore-Klischee bedient wird, legen Stimpack einen treibenden Einstieg hin und pendeln zwischen Gesang, der mal tief, mal etwas höher aus den Boxen schallt und wütenden Schrei-Attacken, welche die Dynamik des Tracks wunderbar unterstützen. Etwas abwechslungsreicher wird es dann mit „Spiegelkind“, einem Stück, das gekonnt Tempowechsel mit einem eingängigen, aber harten Refrain verbindet.

„Allein Unter Geistern“ präsentiert sich als Song mit einer Menge Hit-Potenzial und zählt zu den Highlights der Platte, denn gerade in den ruhigen Passagen, in denen Olis Stimme tief und bedrohlich ausfällt, weiß die düstere Atmosphäre zu begeistern. Neben dem Ohrwurm-Chorus vermag auch der Text auf ganzer Linie zu überzeugen, doch dazu später mehr.

Ebenfalls Erwähnung verdient das episch angehauchte Stück „Vater Unser“ sowie wie das kurze, aber heftige „Schlachtplatte“: Hier wird noch einmal ordentlich an der Härteschraube gedreht, denn die zweite Hälfte der CD kommt wesentlich wütender daher als die erste. Kurz vor Schluss wird dann mit „Alles Was Wahr Ist“ noch ein gelungener, mit einem starken Nu Metal-Refrain versehener Track geboten, bevor das Album mit dem Song „Nichts Ist Umsonst“ endet, der allerdings leider nicht mit den vorangegangenen Stücken mithalten kann.

Zum Schluss sollte natürlich noch auf die Texte eingegangen werden, die in dem Konzept von Stimpack eine wichtige Rolle spielen. Hier geht die Band ebenfalls recht eigenständige Wege, denn Callejon-typische Horror- und Beziehungstexte werden weitgehend umgangen, auch wenn die Band gelegentlich mal ihre romantische Ader enthüllt. Thematisch sind die Newcomer recht nah an Narziss, üben Gesellschaftskritik und beschäftigen sich mit dem Ich des Menschen, wobei man sich allerdings lange nicht so gewählt und poetisch ausdrückt wie Narziss, sondern auf eine sehr viel harschere Wortwahl zurückgreift, was manchmal zwar gelingt, doch gelegentlich auch mal in die Hose geht. Phrasen wie „Kannst so lieb sein! Und richtig gemein!“ und „Glaube daran, wer du bist, wen du fickst und sonst... nichts...“ wirken gelegentlich trotz ihrer eigentlichen Aussage lächerlich und aus „Weißblut“ nach einer Weile „Scheißblut“ zu machen, kommt auch ein wenig plump herüber.

Davon abgesehen sind die Texte aber sehr gelungen, zumal ein breites Spektrum abgedeckt wird, das von Gesellschafts- und Religionskritik („Vater Unser“ und „Schlachtplatte“), über Beziehungen („Dunkle Wasser“) bis hin zu optimistischen Ansätzen („Aus Der Asche“) und Selbstfindung („Spiegelkind“ und „Allein Unter Geistern“) reicht, wobei insbesondere Letztere mit einfallsreichen Metaphern begeistern.

Stimpack müssen sich keineswegs vor der Konkurrenz verstecken und legen mit „Dunkle Wasser“ ein zwar nicht allzu außergewöhnliches, aber rundum gelungenes Erstlingswerk vor, denn in dem, was die Jungs tun, sind sie verdammt gut. Sowohl Musik als auch Texte wissen fast auf ganzer Linie zu überzeugen, wodurch man das Album jedem Freund von modernem Metal guten Gewissens empfehlen kann.

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