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Steven Wilson: Transience

Eher nur was für absolute Ober-Die-Hard-Fanatiker
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 64:06
Release: 02.10.2015
Label: KScope

Dass Steven Wilson einer der derzeit erfolgreichsten Künstler ist, die den Spagat schaffen, auch eine breitere Masse anzusprechen, sich dabei aber keinesfalls deren Erwartungen zu unterwerfen und sich zu verbiegen, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Wenn solch ein authentischer und eigenständiger Künstler dann eine „Best-of“ herausbringt, die seine „zugänglichsten“ Songs enthält, zucken bei einigen sicherlich gleich wieder skeptisch die Augenbrauen gen Norden und das böse Wort „Sell-out“ erscheint auf den Lippen. Auf der anderen Seite: Auch ein Mann wie Wilson stellt sich ganz bestimmt nicht gegen den Erfolg und versucht, neue Hörerschaften zu erschließen. Und wenn er eine Kollektion mit seinen simpler strukturierten Kompositionen herausbringt, ist dagegen grundsätzlich ja nichts einzuwenden, zumal der Engländer natürlich stets darauf achtet, stilvolle und wertige Veröffentlichungen unters Volk zu bringen.

So handelt es sich bei „Transience“ um ein Produkt, das es lediglich als auf 2000 Exemplare limitiertes Vinyl zu erwerben gibt; von dem Doppelalbum sind drei Seiten mit Musik gefüllt, während die vierte eine Ätzung mit originalen Lyric-Skizzen zu „Happy Returns“ enthält. Hier fängt es schon an: Für meine Begriffe sind solche Sperenzchen eher überflüssig, eine vierte, mit Musik gefüllte Seite hätte ich persönlich als sinnvoller erachtet, zumal Steven Wilson auf so viele großartige Songs zurückblicken kann, dass man problemlos auch noch mit mehr Tracks hätte aufwarten können (man merkt, dass du kein Vinylsammler bist; Anm. d. Red).

Außerdem stellt sich die Frage, für wen das Produkt eigentlich gedacht ist. Fans kennen alle Songs und Neueinsteiger und Interessenten werden sich kaum als erstes eine teure Doppel-Vinyl-Platte kaufen – da sei eher die großartige Live-Blu-ray/DVD „Get All You Deserve“ oder das aktuelle Album „Hand. Cannot. Erase.“ empfohlen oder ansonsten natürlich diverse Porcupine Tree-Scheiben.

Für Alles-Sammler (und gerade bei Wilson dürfte es da einige geben, genießt der Prog-Rock-Großmeister bei seinen Anhängern doch geradezu Gottstatus – meine Wenigkeit will sich da gar nicht unbedingt ausnehmen) sind im Prinzip nur zwei Stücke ganz interessant: Zum einen die Coverversion des Alanis Morissette-Stücks „Thank You“, die er zuvor bereits des Öfteren im Rahmen von Blackfield-Konzerten dargeboten hat (in Bild und Ton auch auf der „Live In New York City“-DVD festgehalten), sowie eine alternative Version des Porcupine-Tree-Songs „Lazarus“ (ursprünglich auf dem 2005er Album „Deadwing“ zu finden).

„Thank You“ ist gesanglich sehr emotional und schön vorgetragen, trotzdem würde ich die intensivere Liveversion vorziehen und auch bei „Lazarus“ gefällt mir die etwas zerbrechlichere, zartere Originalfassung besser, aber ansonsten fügen sich die Stücke gut in die Tracklist ein. Diese ist, wie nicht anders zu erwarten, natürlich durchdacht zusammengestellt und aufgebaut, sodass es auch keine gravierenden Soundschwankungen gibt. Es handelt sich hauptsächlich eher um die ruhigere Seite des Briten, doch wenn von „zugänglich“ die Rede ist, dürfte klar sein, dass hier keine Prog-Achterbahnfahrten à la „Raider II“ oder „The Watchmaker“ berücksichtigt wurden.

Um wirklich in den Wilson-Kosmos einzutauchen, sind dies allerdings nun mal eigentlich die wirklich relevanten, geeigneten Tracks, trotzdem sind die Songs der vorliegenden Zusammenstellung selbstverständlich tiefgängiger, um nur als schnöde Hintergrundberieselung abgestempelt zu werden. Außerdem heißt das Teil letztlich ja „Transience“ und bewusst nicht einfach nur lapidar „Best of Steven Wilson“. Und solch tränentreibende, dabei aber gänzlich schleim- und kitschfreie Schönheiten wie „Postcard“, „Significant Other“ (himmlisch mäandernde Gesangslinien!) oder „Deform To Form A Star“ zu schreiben, davon können die meisten anderen Musiker nur träumen.

Dennoch muss man „Transience“ wohl tatsächlich nur als absoluter Ober-Die-Hard-Fanatiker haben, essentiell ist das Ganze nicht unbedingt. Hochwertig gemacht zwar, keine Frage, aber das war ja eigentlich klar – inhaltlich jedoch eben nur äußerst bedingt notwendig. Doch da ja eh nur 2000 Exemplare gepresst wurden, wird das gute Stück ohnehin sicherlich schnell ausverkauft sein.

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