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Steven Wilson: Home Invasion – In Concert At The Royal Albert Hall

Mit hundertprozentiger Sicherheit die Konzert-Blu-ray/DVD des Jahres
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: ca. 178 Minuten
Release: 02.11.2018
Label: Eagle Rock (Universal)

Sechs Jahre nach seiner ersten Konzert-Blu-ray/DVD „Get All You Deserve“ hat Steven Wilson endlich seine sehnlich erwartete zweite offizielle Live-Aufzeichnung am Start, mit „Home Invasion“ durchaus clever und passend benannt nach einem Titel auf seinem vierten Soloalbum „Hand. Cannot. Erase.“. Da der Meister sein Personal öfters mal durchwechselt (er selbst betont stets, dass es für ihn sehr spannend sei, immer auch mal wieder mit anderen Musikern zu arbeiten, dies trage dazu bei, immer neu inspiriert zu werden), müsste es im Idealfall eigentlich nach jeder Tour eine neue Blu-ray geben – von der Rundreise zum letzten, oben bereits genannten Album existiert leider nur ein inoffizieller audiovisueller Mitschnitt, der für Unsummen im Netz grassiert.

Höchste Zeit also für einen neuen offiziellen Live-Release, zumal Wilson in der Zeit seit „Get All You Deserve“ drei weitere Full-length-Alben herausgebracht hat – der Engländer ist ja für sein hohes Arbeitstempo und seine scheinbar unerschöpfliche Kreativität bekannt. Fuhr er für „The Raven That Refused To Sing“ und „Hand. Cannot. Erase.“ praktisch ausnahmslos hervorragende Kritiken ein, wurde sein fünftes Werk „To The Bone“ allerdings etwas zwiespältiger aufgenommen.

Für Mister Kompromisslos jedoch vielleicht gerade ein Grund, so viele Songs dieser Platte wie möglich auf der zugehörigen Tour vorzustellen – bis auf den Titeltrack kommen bei vorliegendem Produkt tatsächliche alle Stücke von „To The Bone“ zum Zuge. Wer auf der Tour selbst als Zuschauer dabei war, dem wird die aufwendige Videoshow ebenso wenig entgangen sein wie die musikalischen Unglaublichkeiten sämtlicher Beteiligter; ein Grund mehr für eine Aufzeichnung der Geschehnisse.

Dass Wilson sich hierfür die Londoner Royal Albert Hall ausgesucht hat, liegt nahe – immerhin ist er selbst in der britischen Hauptstadt geboren und fühlt, wie er auch im in der Bonussektion beiliegenden Interview betont, dadurch natürlich eine Verbindung auch zu dieser Location. Mal ganz abgesehen von der Tradition, die dieses Gebäude birgt, wenn man bedenkt, wer da schon alles gespielt hat, außerdem hat er bislang weder solo noch mit Porcupine Tree oder Blackfield offizielles Livematerial aus seiner britischen Heimat veröffentlicht.

Eigentlich fast schon überflüssig zu erwähnen, wie state of the art auch „Home Invasion“ wieder geworden ist. Kann man bei der ebenfalls am 2. November erschienenen neuen Opeth-Blu-ray „Garden Of The Titans“ noch bemängeln, dass das Set zu kurz ist, gibt es an Wilsons Rundling wirklich nicht einen Grund zum Meckern. Zweieinhalb Stunden sind eine amtliche Spielzeit und dann diese Musiker, die auf einem unfassbar hohen Niveau agieren: Nick Beggs an Bass und Hintergrundgesang ist ebenso wie Tastenzauberer Adam Holzman wieder dabei und gewohnt souverän bis teilweise spektakulär („Regret #9“), während an der Gitarre und am Schlagzeug neue Gesichter zu sehen sind.

Viele trauerten Saitenhexer Guthrie Govan und Drum-Krake Marco Minnemann nicht unverständlicherweise immer noch hinterher, mit Alex Hutchings und Craig Blundell hat Steven nun allerdings Leute in den entsprechenden Positionen, die ebenfalls ein spieltechnisches Level und musikalisches Verständnis besitzen, dass einem die Kinnlade herunterklappt. Wenn Hutchings beispielsweise beim ausgiebigen Solo in „Detonation“ übers Griffbrett flitzt, können eigentlich keine Fragen mehr offen bleiben.

Perfekt verzahnt mit einem Set, das nicht weniger als sechs Porcupine Tree-Kompositionen beinhaltet (was die Hoffnung auf eine Reunion bei Fans garantiert nicht dämpfen wird) inklusive Traumperformance von „Arriving Somewhere But Not Here“, sind die begleitenden Videos, die hin und wieder relativ verstörend wirken, zur Atmosphäre jedoch bestens passen. Erstaunlich auch, wie gut und flüssig das Set läuft, zieht man in Betracht, dass sehr viel neues Material vorgestellt, aber eben auch jede Menge alte Klassiker dargeboten werden. Ferner wird den Fans mit der wundervollen Ninet Tayeb als Gastsängerin, die sich außer bei „Pariah“ auch bei „People Who Eat Darkness“ und „Blank Tapes“ ein Duett mit Wilson liefert, ein weiteres Bonbon serviert. Ein erwähnenswertes (optisches) Highlight sind außerdem die Tänzerinnen bei „Permanating“.

Ganz klar ist „Home Invasion: In Concert At The Royal Albert Hall“ absolute Pflicht für jeden Wilson- und überhaupt Prog-Fan. Besser kann man so eine Konzertaufzeichnung einfach nicht machen – Bild (einschließlich vereinzelter Splitscreens sowie psychedelischer Effekte bei „Vermillioncore“), Kameraführung, Schnitt und Ton (wahlweise 5.1. und Stereo) sind exzellent und als Bonus gibt es noch „Routine“, „Hand. Cannot. Erase.“ und „Heartattack In A Layby“ (noch eine Porcupine Tree-Nummer) als Probetracks zu sehen und zu hören, sowie das schon angeführte Interview. Mit hundertprozentiger Sicherheit die Konzert-Blu-ray/DVD des Jahres.

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