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Steven Wilson: 4½

Kommt kein Fan drum herum
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 37:11
Release: 22.01.2016
Label: KScope

Kaum ein Jahr ohne Steven Wilson-Release: Der Mann ist ein Musik-Junkie durch und durch und kann anscheinend gar nicht anders. Wer ihn nicht mag, wird genervt die Augen verdrehen, Fans jedoch werden lauthals jubeln, denn Schwachpunkte sucht man in der Discographie des Briten schließlich vergeblich. Zwar hat er als Solokünstler bislang äußerst emsig alle zwei Jahre eine neue Studiolangrille herausgebracht, doch wem das immer noch nicht genug ist, dem wird die Wartezeit bis zur nächsten Scheibe jetzt mit der „4 ½“-EP etwas versüßt.

Böse Zungen werden nach dem überwältigenden Erfolg von „Hand. Cannot. Erase.“ und der zugehörigen Tour nun vielleicht lästern, dass er mit einem weiteren Output eben weiter im Gespräch bleiben will, aber damit würde man dem vorliegenden Rundling nicht gerecht werden. Zwar befinden sich auf „4½“ vier Songs aus den „Hand. Cannot. Erase.“-Sessions, einer aus denen zu dessen Vorgänger „The Raven That Refused To Sing“ sowie eine neue Version des Porcupine Tree-Klassikers „Don’t Hate Me“, dennoch wäre es zynisch, das Ganze schlicht unter dem hässlichen Begriff „Resteverwertung“ einzusortieren.

Die Hälfte der Stücke besteht aus Instrumentals, wovon das zweitplatzierte „Year Of The Plague“ den „Raven“-Sessions entsprang. Diese Tatsache lässt sich schon anhand der schmeichelnden Violinenklänge (damals ausgiebig im Titelsong zu hören) festmachen, die gleich zu Anfang ertönen und schließlich zusammen mit den nach und nach einsetzenden weiteren Instrumenten – Akustikgitarre, Klavier und Bass – eine wunderbare Einheit bilden. Eine zum Träumen einladende, herrlich entspannte, melancholische Nummer, die sich Wilson (bekanntermaßen auch ein großer Filmfan) ursprünglich mal für einen Soundtrack aufheben wollte. Da er bisher aber nicht gefragt wurde, ob er für einen Film Musik schreiben könnte, beschloss er nun, den Track auch so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Vermillioncore“ ist dagegen deutlich härter ausgefallen, weckt Porcupine-Tree-Erinnerungen und kann somit auch ziemlich eindeutig den „Hand. Cannot. Erase.“-Recordings zugeordnet werden. Das Riffing ist irgendwie SW-typisch und der Aufbau erinnert ein wenig an „Nil Recurring“; die elektronischen Spielereien bereichern das Ganze enorm und sitzen absolut punktgenau im Takt. „Sunday Rain Sets Sin“ kommt wiederum sanfter daher (bis auf eine kleine Rifferuption zwischendurch) und stellt mehr so etwas wie ein Zwischenspiel dar. Es wäre interessant zu wissen, wo er diesen Track eingebaut hätte, wären die hier enthaltenen Songs auch auf dem Originalalbum gelandet.

Bei „Happiness III“ handelt es sich um ein mehrfach überarbeitetes Lied, das bereits zu „Deadwing“-Zeiten verfasst, doch erst während Stevens letztem Soloalbum aufgenommen wurde. Erinnern die Strophen in den Gesangslinien zum Teil stark an „Postcard“, ist der Refrain geradezu ein Ausbruch: Sensationell catchy, recht poppig und sofort mitsingbar, aber voll und mächtig mit mehrstimmigem Gesang – großartig!

Die beiden Longtracks, welche die kürzeren Nummern quasi einrahmen, dauern jeweils fast zehn Minuten und wurden live aufgenommen, allerdings nachträglich im Studio aufgepeppt und überarbeitet. „My Book Of Regrets“ haben Wilson und seine Truppe schon einige Male bei Konzerten dargeboten; die Komposition besticht durch ihren äußerst durchdachten Aufbau – in der Instrumentalsektion in der Mitte klappt einem angesichts der unfassbaren, aber niemals aufdringlichen Virtuosität der Protagonisten (allein der Bass!) mal wieder die Kinnlade  herunter. „Don’t Hate Me“ auf der anderen Seite kennt selbstverständlich jeder Fan. Die Version hier mit Ninet Tayeb, die den Chorus übernommen hat, ist durchaus erfrischend; die Solopassage kommt jazziger und wilder daher, dennoch werden die meisten wahrscheinlich die verletzlicher und zerbrechlicher gesungene Originalversion vorziehen.

Zusammengefasst liegt mit „4½“ ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Produkt vor, um das kein Fan herumkommt. Leider, muss man fast sagen, denn den Geldbeutel wird’s nicht freuen, wenn man sieht, wie viel Steven Wilson in der letzten Zeit veröffentlicht hat. 37 Minuten sind allerdings für eine EP auch ziemlich viel Holz, value for money wird also zweifelsfrei geboten. Und jetzt darf man sich schon mal auf Studioalbum Numero fünf freuen.

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