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Steve Hackett: The Night Siren

Kann aus verschiedenen Gründen nicht ganz überzeugen
Wertung: 7/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 57:40
Release: 24.03.2017
Label: InsideOut

Immer wieder muss man erstaunt sein über den wahnsinnig umfangreichen Output, den der ehemalige Genesis-Gitarrero Steve Hackett in seiner beeindruckenden Karriere herausgehauen hat – bei „The Night Siren“ handelt es sich nun schon um das 25. Studioalbum des Briten (hinzu kommen zahllose Live-Veröffentlichungen) und erneut präsentiert sich Hackett als Weltmusiker, der für alle möglichen Stile offen ist und verschiedenste Einflüsse zusammenrührt. Grundsätzlich natürlich eine begrüßenswerte Sache, die suggeriert, dass er auf jedem Album anders klingt und immer wieder Neues ausprobiert. Ganz so verhält es sich jedoch leider nicht. Bei aller Weltoffenheit hat auch Hackett seinen eigenen, unverkennbaren Sound und natürlich ist das notwendig, um bei den zahlreichen Künstlern, die jeden Monat Musik herausbringen, seinen Platz zu behaupten.

Allerdings fällt es schon auf, dass zwar oberflächlich betrachtet erneut mehrere Stilrichtungen auch auf „The Night Siren“ wieder abgegrast werden, dass sich diese allerdings auch nicht sonderlich von denen auf den vorigen Alben unterscheiden. Seine bevorzugten Gebiete, etwas, das er anscheinend auf jeder Platte braucht, sind die Geschichten, die in die orientalische und die, die in die spanische, Flamenco-artige Richtung gehen. So betrachtet dreht sich der Meister doch ein wenig im Kreis.

Ironischerweise zählen die beiden Stücke, bei denen diese Elemente am deutlichsten auftauchen, zu den besten des Albums; zumindest der sehr orientalisch geprägte Opener „Behind The Smoke“ ist ein absolutes Highlight, auf den spannenden Orchesterpart wird behutsam hingearbeitet und der Nummer wohnt insgesamt sehr viel Dramatik und Epik inne. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass es sich vielleicht sogar gleich um den stärksten Track auf „The Night Siren“ handelt. Auch „Anything But Love“ ist mit seinen Flamencogitarren und den Castagnetten zu Beginn sehr leichtfüßig und obwohl er diese Mittel wie angedeutet nicht zum ersten Mal verwendet, sorgen sie für viel Fluffigkeit und bereichern den Song zweifelsohne. Auch das Mundharmonikasolo in dem später in pop-rockige Gefilde abdriftenden Stück macht sich gut.

Als eine der interessantesten Kompositionen entpuppt sich besonders aber „Fifty Miles From The North Pole“, die sehr relaxt und entspannt groovend startet, später aber schwermütiger und beklemmender wird – die Musik transportiert die Atmosphäre von Aufbruchstimmung bis Überanstrengung in sehr anschaulicher Manier. Hier gibt es wirklich coole Einfälle und unerwartete Wendungen – neben einem kleinen Ausflug in die eigene Genesis-Vergangenheit zum Beispiel ein effektiv platziertes Trompetensolo. Überzeugen kann außerdem das mitreißende Instrumental „El Niño“, bei dem sich Orchester und Gitarre gegenseitig die Bälle zuspielen; die Streicher haben tatsächlich etwas von Wind – erneut also eine sehr programmatische Instrumentierung.

Schade nur, dass das Niveau der ersten Hälfte des Albums nicht gehalten werden kann: Schon „Other Side Of The Wall“ ist nicht mehr als nett, hier arbeitet Hackett, was auch auf jeder seiner Platten in den letzten Jahren zu finden war, mit mehrstimmigen Gesangsarrangements; an sich eine schöne Sache, als Höhepunkt erweist sich der ruhige Song jedoch nicht unbedingt, zumal hier wieder etwas zu Tage tritt, was der Brite zuletzt ebenfalls immer häufiger verwendete. Und zwar Autotuning teilweise bis zum Exzess, was dem Ganzen schon viel Seele nimmt, da es alles zu glatt und poliert erscheinen lässt.

Überhaupt ist der Sound/die Produktion nicht so wirklich das Gelbe vom Ei, die Scheibe klingt komprimiert und ohne wirklichen Druck, das war auch auf den letzten Hackett-Outputs schon nicht immer so hundertprozentig überzeugend. In diesem Fall kommen ärgerlicherweise aber nun auch noch teilweise songschreiberische Mängel hinzu. „Inca Terra“ beinhaltet zu viel Gedudel, „In Another Life“ plätschert etwas unspektakulär vor sich hin und mit „West To East“ wird der Tiefpunkt erreicht. Textlich gut gemeint, kommt das Stück musikalisch einem Offenbarungseid gleich: Was hat sich Steve denn bitte bei diesem unglaublich cheesigen, Hände-über-dem-Kopf-hin-und-her-wedel-Refrain gedacht? Biederster Standard.

Immerhin – so könnte man argumentieren – liegt hier mal eine wirklich eingängige Nummer vor, denn bei aller instrumentaler Klasse (allein die Gitarrensoli sind schon erneut großartig) krankt das Album häufig an zwingenden Gesangslinien. Wegen der guten ersten Hälfte, die einige Highlights ihr Eigen nennen darf und weil das Ganze musikalisch natürlich immer noch gut in Szene gesetzt ist (als Gäste treten übrigens unter anderem Nick D’Virgilio und Orphaned Land-Frontmann Kobi Farhi auf), reicht es gerade noch so zur Sieben.

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