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Steve Hackett: Genesis Revisited – Live At The Royal Albert Hall

Tolles Konzert von 2013, das nun auch auf Vinyl verfügbar ist
keine Wertung
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 135:23
Release: 12.06.2020
Label: InsideOut

Wenn man bedenkt, dass Steve Hackett in seiner inzwischen um die 50 Jahre andauernden Musikerkarriere eigentlich nur sechs Jahre bei Genesis spielte (von 1971 bis 1977), könnte man es beinahe als seltsam empfinden, dass er immer wieder auf jene Periode zurückkommt und die meisten Leute ihn auch in erster Linie damit assoziieren. Allerdings war er nun einmal Teil des legendärsten Genesis-Line-ups Banks/Collins/Gabriel/Hackett/Rutherford, das gleich mehrere unsterbliche Platten aufnahm.

„Genesis Revisited: Live At The Royal Albert Hall“ widmet sich erneut Hacketts Zeit bei der englischen Prog-Ikone und deckt somit die Alben von „Nursery Cryme“ bis „Wind And Wuthering“ ab. Dass der Meister sehr veröffentlichungswütig ist, dürfte nichts Neues sein: Allein 26 Studioalbum sprechen eine deutliche Sprache, hinzu kommen zahlreiche Liveplatten und Gastauftritte bei anderen Künstlern. Gerade im letzten Jahr erst wurde „Genesis Revisited Band & Orchestra“ herausgebracht, auf dem hauptsächlich Genesis-, aber auch ein paar Solonummern des Gitarristen symphonisch aufgepeppt live dargeboten wurden.

Da auch noch der Livemitschnitt „Genesis Revisited: Live At Hammersmith“ existiert, stellt sich naturgemäß die Frage, ob man das alles braucht, zumal das vorliegende Konzert von 2013 stammt und ursprünglich bereits im Folgejahr in DVD-, Blu-ray- und CD-Form erschien. Nun, satte sechs Jahre später, ist das Ganze auch als Vinyl erhältlich und wurde zu diesem Zweck noch einmal remastert. Vor allem für LP-Freunde sicherlich eine coole Sache, doch wenn man die Promo nur als mp3s vorliegen hat, obwohl der Re-Release extra für den Vinylmarkt angefertigt wurde, macht ein Review nur bedingt Sinn, da ja gar nicht die Möglichkeit besteht, die Klangqualität der Platten zu beurteilen.

Da zum damaligen Produkt noch keine Rezension im The-Pit.de-Archiv vorhanden ist, sei in dieser Besprechung daher ganz allgemein auf die Beurteilung der Konzertnachlese eingegangen. Der knapp zweieinhalbstündige Auftritt enthält in diesem Fall tatsächlich ausschließlich Genesis-Material und auch wenn Hackett diese Phase immer wieder ausgräbt und man die Songs schon x-fach in verschiedensten Varianten gehört hat, so ist es doch schön zu registrieren, wie viel Spaß er bei deren Aufführung immer noch hat und wie viel ihm diese Stücke offensichtlich immer noch bedeuten – letzteres gilt natürlich auch für die Fans, denn es sind nun einmal absolute Meisterwerke.

Die Auswahl kann sich sehen lassen, liest sich diese doch wie ein Best-of, auf dem Highlights wie „Carpet Crawlers“, I Know What I Like“, „The Musical Box“, „Firth Of Fifth“, „Return Of The Giant Hogweed“, „Watcher Of The Skies“ und selbstredend das Mammutepos „Supper’s Ready“ nicht fehlen dürfen. Eine unterschätzte Perle wie „The Fountain Of Salmacis“ bildet hingegen eine positive Überraschung. Die Phase mit Phil Collins als Sänger ist in Gestalt von u.a. dem eröffnenden „Dance On A Volcano“, „Afterglow“ oder der göttlichen Gänsehautballade „Ripples“ vertreten. Sänger Nad Sylvan überzeugt mit seiner Peter Gabriel nicht unähnlichen Stimme, auch wenn er dessen kauzigen Charme natürlich nicht erreicht. Die Songs klingen druckvoller als die Originalversionen, wurden passend in die heutige Zeit transferiert und sind zweifellos mit Leidenschaft dargeboten – dass jeder Fan trotzdem stets die Originale vorziehen wird, ist wohl dennoch klar.

Zwar fehlt hier und da die Leichtigkeit, so im vom inzwischen leider verstorbenen John Wetton vorgetragenen „Firth Of Fifth“, das wie schon bei Steves „Live Rails“-Album deutlich langsamer als das Original gespielt wird und bei dem statt des Flöten- erneut ein Saxophonsolo ertönt. Auch „Ripples“ besitzt nicht die eindringliche, magische Schönheit des Originals, das sich auf „A Trick In The Tail“ wiederfindet; einmal wird die Nummer verkürzt performt (der Instrumentalpart mit den säuselnden Keyboards fehlt), außerdem kann Sängerin Amanda Lehmann bei diesem zugegeben schwer zu singenden Stück nicht wirklich hundertprozentig überzeugen.

Das ist jedoch Meckern auf hohem Niveau, sehr wertig ist dieses Doppel- bzw. in der Vinylversion Triple-Livealbum, bei dem sich als weitere Gäste Roine Stolt (The Flower Kings) sowie Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson die Ehre geben, in jedem Fall. Auch wenn grandiose Titel wie „The Battle Of Epping Forest“ oder „The Cinema Show“ fehlen, handelt es sich um eine tolle Setlist, bei der Genesis- und Hackett-Fans definitiv auf ihre Kosten kommen und daher ohne groß zu überlegen zuschlagen können, zumal es ja – zumindest was den visuellen Part anbelangt – leider kaum brauchbares authentisches Livematerial aus jener vor Kreativität überbordenden Genesis-Phase gibt. Ob sich die Anschaffung des Produkts extra auf Platte auch für Leute lohnt, die sich damals bereits die CD, Blu-ray oder DVD gekauft haben, kann aus oben genannten Gründen hier allerdings nicht beantwortet werden. 

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