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Steve Hackett: Beyond The Shrouded Horizon

Kein Stück schlechter als der Vorgänger
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 57:52
Release: 23.09.2011
Label: InsideOut

Immerhin 61 Lenze hat Ex-Genesis-Gitarrist Steve Hackett nun auch schon auf dem Buckel – ans Aufhören jedoch scheint er nach wie vor nicht zu denken. Mit allen möglichen Musikstilen hat er herumexperimentiert – mit Folkigem, Klassischem, Akustischem, Rockigem, Weltmusikalischem und so weiter –, sodass es im Prinzip nicht verwunderlich ist, dass die Discographie allein seiner Solokarriere bereits weit über 20 Studioalben umfasst; wenn man viel verschiedene Musik mag und alles ausprobiert, müssen diese Ideen ja irgendwo untergebracht werden. Dennoch kehrte er mit dem letzten Werk „Out Of The Tunnel’s Mouth“ wieder eindeutig zu seinen Prog-Wurzeln zurück, was sich dann auch in einer sehr proggigen Tracklist auf dem letzten Livealbum „Live Rails“ widerspiegelte und sicherlich nicht wenige Fans ziemlich erfreute. Im Übrigen war Hackett auch, was Live-Veröffentlichungen anbelangt, nicht faul – in diesem Bereich ist der Backkatalog ebenfalls beeindruckend umfangreich.

Nun also steht schon wieder die nächste Studiolangrille in den Startlöchern, und da „Out Of The Tunnel’s Mouth“ so gut ankam, wird der Kurs auf dem vorliegenden „Beyond The Shrouded Horizon“ weitestgehend fortgesetzt – auch diese Platte ist recht proggig geraten, birgt aber gleichzeitig Einflüsse aus dem Schaffen des Engländers vor der letzten Scheibe. Hackett hat auf seinem neuen Album also quasi alles, was ihn auszeichnet, zusammengefasst, was „Beyond The Shrouded Horizon“ nicht immer leicht zugänglich, zur selben Zeit jedoch auch sehr interessant macht – es gibt jede Menge Details zu entdecken und nach ein paar Durchläufen bleibt einmal mehr Sprachlosigkeit ob des breiten Spektrums an verschiedenen musikalischen Ideen und Einflüssen, die völlig problemlos unter einen Hut gebracht werden beziehungsweise nebeneinander stehen, ohne den Fluss des Albums zu stören.

Dies zeigt sich sogleich anhand des Eröffnungsdoubles „Loch Lomond“ und „The Phoenix Flown“, das wie ein einziger langer Track erscheint. Bei dem Opener handelt es sich um einen Rocker mit erstaunlich schwerem Mainriff, der in der Mitte von einem wunderschönen Akustikpart unterbrochen wird, welcher ein großartiges mehrstimmiges Gesangsarrangement und einige schottische Bagpipes enthält. Das sich nahtlos anschließende „The Phoenix Flown“ stellt das erste von mehreren kurzen Instrumentalstücken dar; hier präsentiert Hackett erstmals wieder seine Vorliebe für orientalisches Flair und entsprechende Harmonik, die prägnanten Schlenker setzen sich schnell im Kopf fest und verleiten mindestens zum Mitsummen.

Auch die beiden folgenden Tracks „Wanderlust“ und „Til These Eyes“ bilden eine Einheit; erstgenannter Song markiert das Intro zu einem sehr nach Pink Floyd beziehungsweise David Gilmour tönenden, wunderschönen und von orchestralen Sounds verzierten Akustikstück. Wiederum darauf setzt mit „Prairie Angel“ ein erneutes Instrumental ein, das zu Beginn mit langgezogenen Tönen auf der Gitarre aufwartet, bevor es im zweiten Teil zu einem harten Blues mit Mundharmonika mutiert – dies allerdings praktisch unmerklich.

Hier wird somit zweierlei deutlich: Einmal die Vielseitigkeit von Steve Hackett generell und des Weiteren die Leichtigkeit, mit der er zwischen Stilen wechselt respektive diese zu einem Ganzen addiert. Das Weltmusikalische ist definitiv immer in der Musik des Gitarreros geblieben, weswegen ein Titel wie „A Place Called Freedom“ nur umso passender wirkt. Auch dieser Song gehört übrigens zu den Highlights des Albums – schwebende Melodien, luftige Orchesterklänge und toller Gesang geben der Nummer einen gleichsam verträumten wie hoffnungsvollen Charakter.

Auch beim nicht nur durch die Betitelung Karibik-Charme verbreitenden „Between The Sunset And The Coconut Palms“ setzt der Brite auf orchestrale Sounds und beweist hierbei einmal mehr sein feines Gespür für derartige Arrangements, denn alles ist wohl durchdacht und wirkt zu keiner Sekunde überladen oder gar überflüssig. Nicht einmal beim knapp zwölfminütigen Achterbahnfinale „Turn This Island Earth“, das streckenweise eine Filmsoundtrack-Charakter atmende, reine Orchestersuite geworden ist und in seiner großartigen Instrumentierung einfach begeistert.

Ein wenig Schwierigkeiten dürften manche vielleicht mit „Waking To Life“ haben, das durch seinen Dance-Pop-Beat, der Percussions und arabische Melodien untermalt, doch ziemlich aus dem Rahmen fällt und nach dem sehr verträumten ersten Teil des Albums zunächst etwas willkürlich in die Tracklist eingebettet erscheint. Ähnlich wie das sehr bluesige „Catwalk“, das nach dem ruhigen Doppel „Looking For Fantasy“ und „Summer’s Breath“ (wiederum mit David-Gilmour-Referenzen) anfangs etwas eingeschoben wirkt. Doch gerade diese radikalen Wechsel machen den Reiz des Albums aus und es braucht eben ein klein wenig Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Vor allem „Waking To Life“ entpuppt sich ziemlich bald als einfach nur großartig.

Es gilt daher: Chapeau, Mr. Hackett! Auch im Beinahe-schon-Rentenalter zeigt der Engländer, dass er gutes Songwriting wie auch Experimentierfreudigkeit immer noch keineswegs verlernt hat. Innovativ, spielfreudig und mit fantastischen Arrangements ausgestattet kommt „Beyond The Shrouded Horizon“ daher – Steve Hacketts Solokarriere mag nicht so erfolgreich wie die von Ex-Bandkollege Phil Collins sein, musikalisch mehr zu sagen hatte er allerdings schon seit jeher.

Anmerkung: Es gibt noch eine limitierte Auflage des Albums mit einer zweiten CD, die neun weitere Stücke beinhaltet, da diese jedoch in der Promoversion nicht enthalten war, sind die betreffenden Songs in der Tracklist und bei der Spielzeit nicht berücksichtigt.

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