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Steve Hackett: At The Edge Of Light

Gelungen und inhaltlich mit klasse Botschaft
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 54:28
Release: 25.01.2019
Label: InsideOut

Noch keine zwei Jahre ist die Veröffentlichung von Steve Hacketts letztem Studioalbum „The Night Siren“ her, da kommt die Gitarrenlegende schon wieder mit einem neuen Output um die Ecke – „At The Edge Of Light“ markiert bereits das 26. reguläre Album des Ex-Genesis-Mitglieds. Dass wir derzeit global mit dem Vormarsch der Ultrarechten nicht gerade die besten Zeiten erleben, ist zwar ebenso beängstigend wie bedauerlich, scheint jedoch bei vielen Künstlern jede Menge Inspiration zu generieren.

So auch bei Hackett, der als weltoffener Mann eine solche Entwicklung natürlich ebenfalls mit Sorge betrachtet und dies auf seiner neuen Langrille auch thematisiert. So erklärt er den Titel „At The Edge Of Light“ damit, dass „wir uns an einer Grenze zwischen Licht und Dunkelheit befinden“ und dass wir, wenn alle nur noch auf sich blicken und sich in ihr eigenes Land zurückziehen (siehe auch aktuell die Brexit-Debatte), quasi in einen Status zurückfallen, in dem wir uns wieder in Höhlen verstecken. Ein interessanter und allzu wahrer Gedanke des nunmehr bald 69-jährigen Londoners, der mit „Beasts In Our Time“ (dem ersten richtigen Song nach dem Intro „Fallen Walls And Pedestals“) sogleich musikalisch umgesetzt wird.

Basierend auf der auf Neville Chamberlain zurückgehenden Phrase „Peace In Our Time“, die der britische Ex-Premier unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges anwendete, erlaubt sich Hackett hier ein cleveres kleines Wortspiel, mit dem er rechte Hetzer und braungefärbten Abschaum recht deutlich und doch subtil brandmarkt – und serviert gleichzeitig das erste Highlight der Platte: In gelungener Manier wird hier von wohligen Akustikgitarren über symphonisch-orchestrale Elemente bis zu einer härteren Rockpassage in einer kompositorisch starken Nummer eine ganze Palette von Steves musikalischen Charakteristika gebündelt.

Wie gewohnt gibt sich der Brite als Weltmusiker und so ist es selbstverständlich kein Wunder, dass das Album eine Art logischen Nachfolger von „The Night Siren“ darstellt, was Hackett nicht leugnet – seinen Signature Sound hat er nun schon lange etabliert. Das war zuletzt auch manchmal problematisch, denn nach so vielen Veröffentlichungen nutzt sich dies irgendwann auch ab, doch zeigt sich der Gitarrist auf seinem 26. Studioalbum songschreiberisch wieder stärker als zuletzt. So kann auch das flotte, tänzerische „Under The Eye Of The Sun“ überzeugen, das sehr beschwingt daherkommt und dank seiner Hookline-Qualitäten als erste Single ausgekoppelt wurde.   

Auch sonst zeigt sich Hackett stilistisch breitgefächert wie eh und je: Mit „Underground Railroad“ übernimmt er relativ überzeugend einen Ausflug in Richtung Gospel, während „Shadow And Flame“ den „George Harrison-Track“ der Scheibe bildet, sprich, es ist ein stark indischer Touch vorhanden, mit typischen Percussions und einer Sitar – gespielt von Sheema Mukherjee, eine von zahlreichen Gästen wie Nick D’Virgilio, Jonas Reingold, Roger King oder Steves jüngerer Bruder John Hackett. Der Song selbst kann jener Sparte allerdings nichts wirklich Neues bieten und ist somit nicht mehr als nett.

Dagegen darf das elfminütige Epos „Those Golden Wings“ ohne weiteres als Herzstück des Rundlings bezeichnet werden – ein richtig großes Stück, streckenweise toll orchestriert und mit Bombastchören auffahrend, gleichzeitig aber mit eingängiger und stets wiederkehrender Gitarrenmelodie ausgestattet, auf der der Meister zum Schluss hin ein tolles Solo zum Besten gibt. Hübsch ist auch „Hungry Years“ geraten, das man zwar cheesy nennen kann, doch wer wie der Verfasser dieser Zeilen auf mehrstimmige Gesangsarrangements steht, kommt hier sicherlich auf seine Kosten.

Am Ende steht mit „Descent“/„Conflict“/„Peace“ eine kleine Trilogie zu Buche, die das eingangs erwähnte Thema behandelt – wie am Titel „Peace“ zu sehen mit optimistischer Sichtweise. Es ist erstaunlich, mit welchen vergleichsweise einfachen Ausdrucksmitteln Hackett und seine Mitstreiter bei den ersten beiden Stücken, die instrumental gehalten sind, wie Marsch-Drums und Düster-Synthies im ersten und dramatischen Melodien im zweiten, den jeweiligen Titel umsetzen. Auch wenn dem Abschluss „Peace“ dann erneut ein paar cheesige Momente innewohnen – Steve Hackett kann mit „At The Edge Of Light“ insgesamt wieder mehr überzeugen als mit dem unmittelbaren Vorgänger und bringt zudem eine bemerkenswert starke Gesangsleistung. Gelungen und inhaltlich mit klasse Botschaft!

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann