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Steelpreacher: Devilution

Den Old-School-Rock'n'Roll-Deibel bei den Hörnern packen
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Metal/Rock'n'Roll
Spielzeit: 40:17
Release: 07.08.2015
Label: Eigenregie

Wer die Koblenzer Steelpreacher schon live erlebt hat, der weiß genau, dass bei dem Trio Spaß haben ganz weit vorn anzusiedeln ist. Hier wird nicht auf innovative Zukunftsmusik gesetzt, sondern das Rock'n'Roll-Klischee ohne Biegen und Brechen ausgereizt, da gehören Jeans und Kutte genauso zum Repertoire wie Äppler oder Dosenbier. Und genau letzteres steht jetzt auch aufgerissen hier auf dem Schreibtisch und das Zischen der Kohlensäure ist gerade verklungen, als die ersten „Devilution“-Takte aus den Boxen dröhnen.

Weise Entscheidung, sich wie schon letztes Jahr bei der Split-Single „The Wild Hunt“ in die Hände von Produzent Rolf Munkes zu begeben – ein Tipp aus dem engsten Freundeskreis, denn auch Dragonsfire hatten sich in der Vergangenheit ihre Scheiben in den Empire Studios veredeln lassen. Und gerade diese Verbindung zu den Riedstädtern zeigt sich auf dem nun vorliegenden fünften Longplayer an mehreren Stellen. Zum einen wäre da die dem im Januar verstorbenen Dragonsfire-Sänger Thassilo gewidmete „Too Old For Dying Young“-Hard-Rock-Nummer mit schmissiger Hookline und eingängigem Refrain, zum anderen anschließend „El Pollo Diablo“, das Mexiko terrorisierende Teufelshühnchen, was als Gegenstück zum „Steel Eel“ durchgehen mag – ein mit südlichem Flair und „Arriva“-Attitüde angereicherter Heavy-Rock'n'Roller und den so gänzlichen unmetallischen, feurigen Kastagnetten – live gehört das Dingen dann sicherlich zu den Mitsinghits.

Um nochmals kurz auf die Innovations-Diskussion zurückzukommen: Die wird von Steelpreacher natürlich weiter angefacht, wird doch die ganze Spannbreite old-schooliger Mucke, angefangen bei Running Wild über Rose Tattoo bis hin zu W.A.S.P., zitiert. Das wird dann schnell beim Anspieltipp „We Don't Get Drunk (We Just Get Awesome)“ deutlich, wo Steelpreacher ihre Vorliebe für Rock'n'Roll ausleben und einen spritzigen Bastard aus W.A.S.P. und Rose Tattoo mit den so typischen Texten aus der Steelprecher-Schmiede anbieten, wo sie ihren Geist „alles geht besser mit 'nem Bier in der Hand“ perfekt ausloten und obendrauf Szeneoriginal Henny Wolter (Nitrogods, ex-Thunderhead, ex-Sinner) auch noch ein Gastsolo beisteuert.

Rock'n'Roll ist halt immer wieder Programm, wie später das schmissige „Rock'n'Roll On My Mind“ nochmals beweist, eine ganz andere Seite aber zeigen die Koblenzer mit dem schon letztes Jahr auf der limitierten Split-7" „The Wild Hunt“, denn die Mischung irgendwo zwischen Manowar und Running Wild ist einfach nur mitsingbar, heavy, eingängig und hymnisch – rundherum gelungen. Nebenbei verbeugen sie sich mit „Seasons Of The Witch“ tief vor den eisernen Jungfrauen und liefern einen düsterern Heavy Rocker mit schon noch griffigem Refrain ab, allerdings zeigen sich gegen Ende auch ein paar Verschleißerscheinungen, die schon bei dem stampfenden Hard Rocker „Let's Get Loaded“ – ein freches Zitat aller Gute-Laune-Westküsten-Glammer – auftreten, denn am Ende sind die unzähligen Wiederholungen des  Refrains einfach nur noch einfallslos. Dagegen halten sie aber mit dem Opener und Titeltrack „Devilution“, eine speedige Nummer, mit der sie fast schon an Power-Metal-Pforten kratzen und eine eingängige sowie mitsingbare Hymne geschaffen haben, als Kontrast dann aber am Ende auch die powerballadeske Neuinterpretation des Fetzers „Atlantean Dawn“ packen und leider wie bei fast allen Balladen in der Musikwelt zumindest bei mir null Punkte einfahren können.

Machen wir uns nichts vor: Steelpreacher hauen mit „Devilution“ ein famoses Album heraus, ganz gleich, ob man sich ein paar Dosen Bier gezogen hat oder vollkommen nüchtern ist. Zielsicher packen sie dem Old-School-Rock'n'Roll-Deibel bei den Hörnern und versprühen vierzig Minuten lang ein Dauerfeuerwerk an guter Laune.

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