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Staubkind: Zu weit

Staubkind wissen nach wie vor zu fesseln und zu begeistern
Wertung: 7/10
Genre: Gothic Rock, Dark Alternative Rock
Spielzeit: 55:10
Release: 12.10.2007
Label: Fear Section

Drei Jahre sind mittlerweile seit dem erfolgreichen Debütalbum “Traumfänger“ vergangen. Eine Zeit, die Frontmann Louis Manke aber kreativ zu nutzen wusste: Einmal natürlich als „hauptberuflicher“ Gitarrist bei Terminal Choice. Zum anderen aber auch beim touren und dem komponieren neuer Stücke für sein Soloprojekt Staubkind… So erschien bereits im Herbst 2005 die von Fans und Kritikern gleichermaßen gefeierte EP “Ausgebrannt“. Doch nun ist die Zeit endlich reif, das mit “Zu weit“ der offizielle Nachfolger zu “Traumfänger“ an den Start gehen kann.

Und nein, es ist wirklich nicht untertrieben zu behaupten, das “Zu weit“ insbesondere inhaltlich an seinen Vorgänger anknüpft: Denn abermals stehen ehrliche Gefühle und Begebenheiten im Zentrum von Mankes Schaffen. Untermalt von einer wiedermals homogenen Schnittmenge aus melancholischem Gothic Rock, dunklen Alternative Rock - Anleihen und filigran eingearbeiteten Elektroelementen… Kurzum: Staubkind bleiben auch weiterhin ihrer bislang eingeschlagenen Linie absolut treu.

Ein Fakt, der aber zugleich auch bedeutet, das sich auf “Zu weit“ ebenfalls wieder Gastmusiker ein Stelldichein geben durften. In diesem Falle handelt es sich hierbei u.a. um die Sängerin und Schauspielerin Serena Gruß, sowie um Carsten Klatte (Lacasa Del Cid, Project Pitchfork und Wolfsheim). Zusammen mit Serena intoniert Louis auf “Wenn du schläfst“ zugleich das einzigste Duett auf dem Album: Eine von sanften Violinen- und Pianoklängen untermalte Ballade, die nicht nur viel Gefühl vermittelt; sondern auch einen unglaublich hohen und authentischen Kuschelfaktor bereithält. Carsten Klatte hingegen greift bei “Vergiss nicht“ nicht nur zur Akustikgitarre, sondern steuerte auch die komplette Komposition bei. Ein ebenfalls recht ruhiger Song, der aber jedoch auf Grund seiner etwas zu konstruierten Darbietungsweise ab und an etwas zu poppig anmutet.

Wer es hingegen deutlich rockiger und Gitarrenbetonter mag, wird insbesondere seinen Gefallen an Werken wie dem starken Eröffnungsgut “Abschied“, dem elegischen “Erinnerung“ und der erhabenen “Königin“ haben. Der Titel “Wunderschön“ spaltet hingegen meine Meinung ein bisschen: Zwar ist er ebenfalls recht druckvoll gehalten - klingt in meinen Ohren aber teilweise etwas zu sehr an Terminal Choice´ “Devil Daddy“ angelehnt, was die Struktur und Melodieführung anbelangt (insbesondere im Refrain).

Das unumstößliche Herzstück des Albums stellt für mich allerdings der gleichnamige Titelsong “Zu weit“ dar: Bereits beim ersten Hördurchgang entfaltet dieses melancholisch-rockige Glanzstück seine ganze Pracht aus Sehnsucht, Hoffnung und trauriger Momente… Ohne umschweife wohl einer der schönsten und besten Songs, die bis dato aus der Feder Manke´s flossen. Ein definitives Meisterwerk für mich; voller Ehrlichkeit und musikalisch eingängigem Charakter.

…und vielleicht ist auch genau dass der Punkt, der “Zu weit“ etwas schwieriger zu degustieren macht als seinen Vorgänger “Traumfänger“ = Hier auf “Zu weit“ befinden sich zwar auch durchgehend poetisch-schöne Texte, allerdings ist die musikalische Umsetzung hier weit weniger „Hitverdächtig“ als es noch bei “Traumfänger“ der Fall war. Es fehlen vordergründig eben ein wenig die absoluten „Knüllersongs“ wie beispielsweise “Dein Engel schweigt“ oder “Keine Sonne“. Dadurch benötigt das aktuelle Klangwerk auch etwas mehr Zeit und eine intensivere Auseinandersetzung, bis es sich in seiner vollen Pracht entfalten kann. Denn gerade auch Titel wie “Gestern“, “Halt mich“ oder “Letzter Tag“ sind es durchaus wert entdeckt zu werden!

Zum Ende des Albums hin, hält “Zu weit“ denn allerdings noch zwei besondere Überraschungen parat: Einmal überzeugen Staubkind mit einer atemberaubend-schönen (und zugleich auch relativ werksgetreuen) Coverversion des zeitlosen DDR- und Karussell - Klassikers “Als ich fortging“. Und des Weiteren wird der Staubkind Evergreen “Viel mehr“ in einem zeitgenössischen Akustikgewand präsentiert.

Fazit: Wirkliche Vorwürfe kann man Staubkind auf “Zu weit“ nicht machen. Denn Alles in Allem ist man der hohen lyrisch-gefühlsbetonten Messlatte treu geblieben, ohne dabei je in die Nähe von ausgelatschten Kitsch- und Pathospfaden zu gelangen. “Zu weit“ ist ein ehrliches und gefühlsbetontes Gesamtwerk geworden, das lediglich zeitweise in seiner kompositorischen Weiterentwicklung ein wenig „nachhinkt“.

Aber dennoch: Wer an “Traumfänger“ und “Ausgebrannt“ bereits seine berechtigte Freude hatte, darf sich ruhigen Gewissens auch “Zu weit“ in den heimischen Plattenschrank stellen. Denn Staubkind wissen nach wie vor zu fesseln und zu begeistern…

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