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Star One: Victims Of The Modern Age

Wieder mal ein sehr gutes Album der Marke Arjen Lucassen
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 53:10
Release: 29.10.2010
Label: InsideOut

Arjen Lucassen kennt keine Ruhe – der Mann ist ein Workaholic. 2008 brachte er das vorerst letzte Ayreon-Album „01011001“ unters Volk (nicht, dass das Projekt offiziell für beendet erklärt worden wäre, aber zumindest ist die sämtliche Alben umspannende Story beendet), 2009 veröffentlichte er das Debüt seiner neuen Spielwiese Guilt Machine, „On This Perfect Day“, und in diesem Jahr entschloss er sich, Star One zu reaktivieren; von diesem Projekt kam vor acht Jahren das bislang einzige Studioalbum „Space Metal“, ein Jahr darauf die Live-Scheibe „Live On Earth“ heraus. Ursprünglich war kein weiterer Studio-Silberling geplant, doch möglicherweise hatte Lucassen nach dem insgesamt etwas ruhigeren und melancholischeren Album mit Guilt Machine Bock, wieder etwas härter zu agieren, denn „Victims Of The Modern Age“ ist eine ganze Spur heftiger sowohl als Guilt Machine und auch als Ayreon.

Die Scheibe knüpft musikalisch an die 2002er Langrille „Space Metal“ an, kommt mit amtlich drückender Produktion daher und der Opener „Digital Rain“, der nach kurzem Intro auf den Hörer im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Wolkenbruch hereinprasselt, reißt augenblicklich mit. Schnelles, fettes Riffing vom allerfeinsten und dazu der immer wieder gleichermaßen beeindruckend kraftvolle wie technisch perfekte Gesang von Symphony X-Frontröhre Russell Allen. Dieser war bereits auf der Vorgängerscheibe involviert und dass er auch diesmal wieder am Start ist, zeigt, dass Lucassen im Vergleich zu Ayreon nicht bei jeder Scheibe andere Vokalisten singen lässt, sondern hier dieselben beibehält. Denn auch mit Floor Jansen (früher After Forever, jetzt Revamp), Schwedentod-Legende Dan Swanö und Damian Wilson (Threshold) gibt es ein Wiedersehen, oder besser: Wiederhören. An den Drums sitzt wie auch bei Ayreon mit Ed Warby (Gorefest) ein weiterer alter Bekannter und für den Bass ist Peter Vink zuständig, während Gary Wehrkamp von Shadow Gallery und Joost van den Broek (Ex-After Forever) einige Gitarren- beziehungsweise Keyboardsoli beisteuerten.

„Digital Rain“ endet mit einem äußerst hörenswerten Acapella-Part, bevor es in Form von „Earth That Was“, das mit mächtigem Heavy-/Power-Metal-Riffing und saftiger Hammondorgel aufwartet, und dem Quasi-Titeltrack „Victim Of The Modern Age“ die beiden nächsten Kracher auf die Lauschlappen gibt. Irgendwie schafft es der gute Arjen – sicherlich auch dank des charakteristischen, spacigen Keyboard-Sounds – immer wieder, dabei progressiv zu klingen, ohne wie manche Kollegen in Frickelorgien zu verfallen, vor allem aber beeindruckt, dass er es jedes Mal schafft, sich Melodien und Riffs höchster Güteklasse aus dem Ärmel zu schütteln, die fast augenblicklich zünden. Bei diesem Album geht das Ganze sogar noch schneller ins Ohr als bei Ayreon, wobei Star One zugegebenermaßen auch etwas weniger komplex als das Material von Lucassens wohl bekanntestem Projekt ist.

Beim mit ordentlich Schmackes nach vorne preschenden „Human See, Human Do“ kann sich dann vor allem Dan Swanö mit seinem Growling zum ersten Mal so richtig austoben und agiert etwas mehr im Vordergrund – klar, Arjen überlässt natürlich nichts dem Zufall und weiß, wann und wie er seine Sänger am besten featuret –, dennoch mutet das folgende „24 Hours“ noch um einiges düsterer und schwermütiger, durch den Wechsel zwischen verzerrten und ruhigen Parts aber auch sehr dynamisch an. Logisch, dass der Meister wieder viel Wert auf Abwechslung gelegt hat, was letztlich im knapp zehnminütigen „It All Ends Here“ gipfelt, bei dem noch einmal alle Register gezogen werden und besonders auf das sehr schöne, David Gilmour-artige Gitarrensolo in der Mitte hingewiesen sei.  

Man darf Arjen Lucassen durchaus als Genie bezeichnen; der Niederländer ist ein Multiinstrumentalist mit Visionen und scheint ein Quell nie endender Kreativität zu sein. Schlechte Alben sucht man in der umfangreichen Discographie seiner Karriere jedenfalls vergeblich und auch mit „Victims Of The Modern Age“ ist ihm wieder eine klasse Scheibe gelungen. Ausfälle gibt es nicht, allenfalls „It’s Alive, She’s Alive, We’re Alive“ ist vielleicht nicht ganz so stark wie der Rest. Übrigens liegt diesmal kein „echtes“ Konzeptalbum à la Ayreon zugrunde, allerdings basiert jeder Text auf einem anderen Science-Fiction-Film, wobei Lucassen nicht verraten wollte, auf welchen, da dies jeder Hörer für sich selbst herausfinden solle. Nun, warum auch nicht, zu entdecken gibt es definitiv wieder eine ganze Menge; die typische Magie, die vom Schaffen des Holländers ausgeht, ist auch hier zu jeder Sekunde greifbar. In der limitierten Auflage gibt noch eine zweite CD, bei der mit Mike Andersson, Rodney Blaze und Ex-Black Sabbath-Frontmann Tony Martin noch drei weitere Sänger in Erscheinung treten. Leider lag diese in der Promoversion nicht vor, aber es ist kaum anzunehmen, dass man als Fan einen Fehler begehen würde, sich jene Edition zuzulegen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann