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Star One: Revel In Time

Um Längen besser als die letzte Ayreon-Platte
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 66:52
Release: 18.02.2022
Label: InsideOut

Anderthalb Jahre nach dem letzten Ayreon-Album „Transitus“ meldet sich Arjen Anthony Lucassen zurück; diesmal mit einer neuen Scheibe von Star One, dem nach Ayreon wohl bekanntesten seiner zahlreichen Projekte. Mit „Transitus“ hatte der Niederländer damals etwas anderes ausprobieren wollen: Die Story des Albums spielte in der Vergangenheit und die Musik beinhaltete deutlich mehr Musical-Anleihen als sämtlicher Content, den er zuvor veröffentlichte, und so richtig überzeugen konnte das Werk nicht – hauptsächlich wegen des Öfteren auftretenden kompositorischen Leerlaufs.

Ganz anders „Revel In Time“, das sich wieder rifforientierter und mit hörbar mehr Härte präsentiert (wobei Star One schon immer eine härtere Gangart fuhr als Ayreon) und vor allem songschreiberisch wesentlich stärker daherkommt. Wie auf den beiden bisherigen Platten des Projekts dreht es sich um das Thema Zeitreisen und -manipulation (Surprise, Surprise…), was ja schon der Titel suggeriert – ein cleveres Wortspiel, das auf „Blade Runner“, Arjens Lieblingsfilm, anspielt. Die Stücke stehen mehr für sich, wobei sie aufgrund desselben zugrunde liegenden Sujets gebündelt dennoch ein loses Konzept ergeben. Jeder Track wurde von einem Science-Fiction-Film inspiriert: Der Opener „Fate Of Man“ zum Beispiel von „The Terminator“, „Back From The Past“ von „Zurück in die Zukunft“ oder der Titelsong von „Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit“.

Lucassens Handschrift ist in den elf Kompositionen erwartungsgemäß klar erkennbar, natürlich gibt es keine musikalischen Quantensprünge – das Material ist dennoch sehr abwechslungsreich, durch die Bank stark und sollte jedem Fan des Holländers Spaß machen. Die komplexen Arrangements sind ebenso auf absolutem Topniveau wie die zahlreichen Gastbeiträge; von letzteren sind dieses Mal so viele vorhanden wie noch nie – ironischerweise genau wegen der Pandemie. Hatte Arjen bei den beiden vorigen Star One-Platten stets mit den vier selben Sängern gearbeitet (Russell Allen, Damian Wilson, Floor Jansen und Dan Swanö), die er immer einfliegen ließ, damit sie miteinander interagieren konnten, war das diesmal nicht möglich. Da nun jeder ohnehin von zu Hause aus aufnehmen musste, entschied er sich, dann gleich für jeden Track einen anderen Sänger zu nehmen.

Dass dies nicht zu Inkonsistenz und Konfusion führt, kann sich jeder denken, der mit dem Schaffen des Prog-Großmeisters vertraut ist. Der Mann kennt seine Pappenheimer und weiß ganz genau, wen er für welches Stück einsetzen muss und wie er trotz der vielen verschiedenen Stimmen alles aus einem Guss tönen lässt. „Fate Of Man“ rauscht gleich mit ordentlich Speed auf die Lauschlappen, perfekt zugeschnitten auf Brittney Slayes (Unleash The Archers), die mit ihrer sowohl rauen als auch in den Höhen extrem sicheren Stimme das erste, beeindruckende Ausrufezeichen setzt. Der Song selbst ist eine Eröffnungsnummer nach Maß: Eingängig, flott, mit richtig Feuer im Arsch und gekrönt von einem Gitarrensolo von Symphony X-Flitzefinger Michael Romeo.

Im folgenden „28 Days (Till The End Of Time)“ kommt dann Romeos Bandkollege Russell Allen am Mikrofon zum Zug, einer epischen Nummer, die zunächst vielleicht etwas sperrig erscheint, jedoch kontinuierlich wächst und sich schlussendlich als eine der kompositorisch stärksten und abwechslungsreichsten des Albums entpuppt und in der Russell (wie könnte es anders sein?) mal wieder eine überragende Leistung darbietet.  

Auch „Prescient“ mit Michael Mills und Ross Jennings im Sänger-Doppelpack zeigt sich facettenreich und progressiv; für luftige Akustikgitarren und spacige Synthiepassagen ist ebenso Raum wie für heftige Gitarreneruptionen, doch wie angedeutet geht es grundsätzlich recht heftig zur Sache, Basis ist eigentlich immer kraftvolles Gitarrenriffing. Selbst das mit balladeskem Feeling versehene, mit Glockenspiel eingeleitete „Bridge Of Life“, edel vorgetragen von Ex-Threshold-Goldkehlchen Damian Wilson, ist mit knackigen Klampfen unterlegt, ebenso wie das tanzbare „The Year Of ’41“ – geil, wie hier lässige Akustikklampfen auf einen Mordsgroove treffen, während Joe Lynn Turner beweist, dass er auch mit 70 Lenzen auf dem Buckel noch ein vortrefflicher Sänger ist.

Mit dem Deep Purple-beeinflussten „Back From The Past“, dem Titeltrack und vor allem „Today Is Yesterday“ mit seinen prägnanten „Poor, poor Billy has a bad day“-Lines hat sich Mr. Lucassen außerdem gleich drei fette Ohrwürmer aus dem Kreuz geleiert, die selbstredend erneut mit den optimal passenden Vokalisten (Jeff Scott Soto, Brandon Yeagley und Dan Swanö) ausgestattet wurden. Das Beste jedoch hat man sich für den Schluss aufbewahrt: Im von „Interstellar“ angeregten Zehn-Minuten-Finale „Lost Children Of The Universe“ liefert Arjen einen weiteren eindrucksvollen Beweis, weswegen er in der Prog-Szene so verehrt wird. Von Seventies-mäßigen Hammondorgelklängen, bombastischen Chören, aufwühlenden Gitarrenabfahrten und rasanten Doublebasseinsätzen ist alles dabei, was das Prog-Herz begehrt – inklusive großartiger Vocals von Ex-Kamelot-Fronter Roy Khan und Gourmetsolo von Klampfenguru Steve Vai.

Wünsche bleiben bei diesem tollen Album, bei dem neben Romeo und Vai mit u.a. Bumblefoot und Jens Johansson auch in der Instrumentalfraktion noch weitere große Namen auftauchen, kaum offen. Produktionstechnisch astrein in Szene gesetzt, sind keine Schwächen auszumachen. Obwohl stilistisch keine Überraschungen vollzogen werden, ist das Material vielfältig und detailverliebt, dabei insgesamt aber immer schön heavy, und was alle Fans besonders freuen dürfte: Diesmal sitzt auch wieder Stammdrummer Ed Warby hinter den Kesseln. Es sei empfohlen, sich die 2CD-Variante zu holen, denn auf dem zweiten Tonträger finden sich alternative Versionen mit anderen Sängern und zum Teil auch anderen Solisten. Besonders interessant: Ex-Black Sabbath-Frontmann Tony Martin am Mikro bei „Lost Children Of The Universe“.

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