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Stamina: Two Of A Kind

Viel cheesiges Keyboard, aber gutes Songwriting und herausragende technische Fähigkeiten
Wertung: 7/10
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 65:53
Release: 08.10.2010
Label: Ice Warrior Records

Manchmal erlebt man wirklich faustdicke Überraschungen: Da hatte der Rezensent eigentlich fest damit gerechnet, hier läge die neue Scheibe der finnischen Thrasher Stam1na vor – stattdessen handelt es sich um das zweite Album der wesentlich unbekannteren Italiener Stamina. Nun gut, man hätte sich denken können, dass hier eine andere Truppe agiert, da die Schreibweise des Bandnamens leicht differiert, dennoch wäre es ja möglich gewesen, dass die 1 beim Verfassen des Infoblattes irgendwie untergegangen ist.

Wie dem auch sei: Mit Thrash hat die vorliegende Mucke nun wirklich nichts zu tun, im Gegenteil: Die vier Jungs (plus Gast-Drummer Alessandro Beccati) aus dem schönen Salerno haben viel mehr Keyboard-lastigen Melodic Metal mit – aufgrund einiger frickeliger Passagen und Taktwechsel – Prog-Elementen für sich auserkoren. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Alle Skeptiker, die bei dieser Beschreibung schon mal prophylaktisch die Augenbrauen heben und befürchten, dass dem Ganzen ein gewisser Kitschfaktor zugrunde liegt – noch dazu, wo gerade das Land der Pizza, Pasta und Fußballer, die auch Schauspieler hätten werden können (um mal richtig schön die Klischeekeule auszupacken), so einige Bands hervorgebracht hat, die ihren Power beziehungsweise Melodic Metal äußerst gerne mit cheesigen Sounds anreichern, der das gemeine Verständnis von symphonischer Hartwurstmucke des öfteren ad absurdum führt – haben wenigstens zum Teil nicht ganz unrecht.

Das fast ein bisschen an Manowar erinnernde, heroisch anmutende Keyboardintro, mit Trommeln, Pauken und durchgehenden Power Chords unterlegt, sowie der klischeehafte Titel „Eyes Of The Warrior“ des eigentlichen Eröffnungstracks, lassen gleich Schlimmstes befürchten. Jener Opener bietet zwar einen irgendwo hymnenhaften Refrain zum Mitsingen, auf der anderen Seite wirkt die Chose aber auch zu bemüht und aufgesetzt. Sowieso wäre es besser, nach diesem Intro anstatt auf ein Stück mit stampfenden Drums lieber auf einen Uptempokracher zu setzen – hymnenhaftes Midtempo macht sich meistens erst an zweiter oder dritter Stelle bei einem Album gut. Fairerweise muss allerdings hinzugefügt werden, dass bereits hier die herausragenden technischen Fähigkeiten der Musiker zum Zuge kommen – Sänger Giorgio Armani, äh, Adamo hat eine recht kraftvolle Stimme mit einigermaßen breitem Spektrum (an der Klangfarbe und dem Genre-bedingt manchmal theatralischen Stil werden sich trotzdem die Geister scheiden, manchmal erinnert der Frontmann gar an Tobias Sammet), und Gitarrist Luca Sellitto ist nicht weniger als ein Meister seines Fachs.

„Burn Your Fears“ weiß in jedem Fall besser als der erste Song zu gefallen, insbesondere die progressive, Fusion-mäßige Sequenz in der Mitte wurde wirklich klasse eingebaut und zeugt vom Musikverständnis der Protagonisten. Auch im folgenden können die Italiener immer wieder mit ähnlich progressiv gelagerten Passagen beeindrucken: So wird das Tempo in der ansonsten vor Schmalz triefenden Ballade „Too Tired To Live“ in bravouröser Manier zwischendurch angezogen und Keyboard und Gitarre liefern sich ein halsbrecherisches Soloduell, während beim schnelleren „Supremacy“ Härte und symphonische Elemente (insbesondere die Chöre sind sehr gut eingesetzt) richtig gut zusammengebracht werden, sodass streckenweise sogar ein bisschen Nähe zu den Prog-Göttern Symphony X entsteht.

Die Amis aus New Jersey lassen auch bei „Mystery“ grüßen (die Gesangslinie in der Strophe erinnert ein wenig an „Witching Hour“ vom „Divine Wings Of Tragedy“-Album), im achtminütigen „Black Moon“ hingegen werden Erinnerungen an Yngwie Malmsteen zu „Trilogy“-Zeiten wach (das Intro lässt an „Crying“ denken); allein das großartige Akustikgitarrenspiel könnte vom schwedischen Meister selbst stammen.  

Insgesamt ist das Songwriting zwar schon im oberen Bereich anzusiedeln (von den arg platten Texten wollen wir mal nicht reden) – wäre da nur nicht immer wieder dieser entweder zu altbackene oder einfach nur billig-süßliche Keyboardsound, der an Rock’n’Roll-Sünden wie Europe in den Achtzigern und andere Klangverbrechen erinnert. Beispielsweise bei „Power Of Love“: Als wäre der Titel nicht schon ausgelutscht genug, werden hier insbesondere im Refrain „Verzierungen“ eingefügt, die einfach gar nicht gehen. Man kann nicht anders, als das mit Humor zu nehmen, zumindest, wenn man sich nach ein paar Durchläufen daran gewöhnt hat. Normalerweise wäre mir die Platte wegen der überwiegend guten Kompositionen und herausragenden handwerklichen Fähigkeiten acht Punkte wert gewesen, aber wegen des zu häufig auftretenden Tastenkleisters muss ich hier einen Zähler abziehen.

Ansonsten sei noch erwähnt, dass mit Kenny Lübcke (Royal Hunt, Cornerstone, Narita) und Henrik Brockmann (Royal Hunt, Evil Masquerade, Missing Tide) bei einigen Songs Gastsänger am Start sind, die ein paar Backing Vocals eingeträllert haben, in „Burn Your Fears“ (Brockmann), sowie den als Bonustracks fungierenden alternativen Versionen von „Maker Of The Universe“ und „Too Tired To Live“ (Lübcke) aber auch als Lead-Vokalisten ran dürfen, wo sie eine gute Figur abgeben. Gerade „Too Tired To Live“ singt Lübcke sogar weitaus weniger pathetisch als der eigentliche Frontmann, wodurch der Song zumindest nicht ganz so schnulzig herüberkommt.

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