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Stam1na: Raja

Abgefahren, nicht nur wegen der finnischen Texte
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 43:44
Release: 27.06.2008
Label: ZYX Music

In Finnland sind Stam1na nach bereits zwei zuvor veröffentlichten CDs kein unbeschriebenes Blatt mehr und konnten sogar die Spitze der heimischen Album-Charts erklimmen – hierzulande allerdings dürften sie erst seit ihrer Tour mit Apocalyptica einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben.

Und den haben sich Stam1na durchaus verdient, wie vorliegendes drittes Album „Raja“ zeigt; technisch gibt es absolut nichts zu meckern, die druckvolle Produktion bläst einen ordentlich weg und ein großes Maß an Eigenständigkeit und eine gehörige Portion Charme kann sich die Band schon durch die durchweg finnischen Texte auf ihre Fahnen schreiben.

In erster Linie zocken die Finnen Thrash Metal, den man mal mit Strapping Young Lad, in einigen Momenten aber auch mit Slayer vergleichen kann, trotzdem wird durch gelegentliche Midtempo-Stampfer und etliche melodiöse Momente mit richtig hörenswerten, schönen Gesangsarrangements („Vartijaton“) viel Abwechslung geboten.

Der Opener „Hammasratas“ fasst die gebotenen Elemente jedenfalls ganz gut zusammen; zunächst erklingen thrashige, treibende Riffs, zwischendurch angereichert durch ein filigranes Solo, bevor man ab etwa der Mitte des Stücks in einen melodischeren Part mit mehrstimmigem Gesang übergeht, um am Ende wieder in den aggressiveren Trott vom Anfang zurückzufallen. Abgefahren!

Das anschließende „Susi-Ihminen“ macht dann keine Gefangenen; das größtenteils vorherrschende Hochgeschwindigkeits-Riffing bzw. -Drumming kommt wie eine Mischung aus Slayer und Punkrock, aber auch hier wird nicht nur geprügelt, sondern ein zwar überraschendes, aber keineswegs deplatziertes Break eingebaut. Sehr geile Dynamik! Ein ähnliches gilt für „Muistipalapelit“: Aggressiv geshoutete Strophe und ein melodischerer Chorus, der wie eine Achterbahnfahrt anmutet, dabei aber sehr eingängig ist. Könnte man also glatt mitsingen – wären da nicht die Komplikationen mit der Sprache... Ebenfalls aber äußerst gelungen und das Riffing am Ende mit dem gesprochenen Text hat was von „Mandatory Suicide“.

Das bereits angesprochene „Vartijaton“ bietet dann eine wohlverdiente Pause zum Durchschnaufen. Ziemlich cooles Wechselspiel zwischen cleanen und verzerrten Gitarren in der Strophe; die mehrstimmigen, harmonischen Gitarrenparts und das Gesangsarrangement im Chorus können sich hören lassen. Für Stam1na-Verhältnisse trotz des erneut etwas aggressiveren Mittelteils fast schon eine waschechte Ballade.

Danach aber gibt’s mit „Voima Vastaan Viha“ wieder in bester Strapping-Young-Lad-Manier voll auf die Zwölf. Zumindest in der Strophe, denn der Refrain ist wieder eher melodisch gehalten. Diese Art des Songwritings scheint die Band also zu bevorzugen, aber von absoluter Vorhersehbarkeit oder gar Langeweile kann trotzdem keine Rede sein, denn gerade dieser Refrain zeugt erneut von hoher Qualität: Einfache Abwärts-Chromatik, aber wieder ein sehr geiles und eingängiges Gesangsarrangement. Klasse!

Auch bei „Lääke“ fährt man diese Schiene; zwar ist die Strophe hier meiner Ansicht nach ein bisschen sehr simpel gehalten, aber dafür kann man mit einem wieder völlig gelungenen Chorus punkten. Also, die Jungs wissen wirklich, wie man eingängige und trotzdem anspruchsvolle Refrains schreibt und arrangiert – Respekt!

Nach sechs guten, teilweise sogar exzellenten Tracks sinkt die Qualität aber dann doch ein wenig: Bei „Kädet Vasten Lasia“ wurde zwar der Versuch unternommen, ein neues Element einzubringen, indem man eine konfuse Klavierstimme eingebaut hat, was sich dann streckenweise wie auf Horrorsoundtrack getrimmt anhört, aber irgendwie fehlt dem Song die Klasse der Vorgänger.

Gleiches gilt leider auch für das etwas uninspiriert vor sich hin bollernde „Luova Hulluus“, während „Muuri“ durch erneut sehr hübsche Gesangsarrangements punkten kann. „Murtumispiste“ hingegen ist ein eher unspektakulärer Rausschmeißer, der ebenfalls nicht mit der Qualität der ersten Songs mithalten kann.

Fazit: Stam1na legen hier insgesamt ein sehr überzeugendes Album vor. Die Band ist eigenständig, versteht sich bestens auf das Zusammenspiel von Aggressivität und Melodie, weiß, wie man vernünftig und spannend arrangiert und rangiert technisch ganz weit oben. Auch wenn die zweite Hälfte des Albums in Sachen Songwriting-Qualität etwas abfällt, haben wir es hier mit einer Scheibe zu tun, für die ich gut und gerne acht Punkte vergebe.

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