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SpitAnger: SpitAnger

Weniger könnte mehr für den roten Faden sein
Wertung: 6/10
Genre: Groove Metal, Grunge, Death Metal, Alternative Metal
Spielzeit: 47:55
Release: 05.02.2016
Label: Fast Beat Records

Uns soll zwar vorgegaukelt werden, dass hier vier Männer im mittleren Alter kurzerhand eine neue Band gegründet haben, doch das stimmt dann auch nur bedingt. Richtig ist, dass SpitAnger neu am Metalsternchenhimmel auftauchen und zuvor eine erste mit zwei Titel besetzte und schlicht „EP 2014“ betitelte Veröffentlichung herausgehauen hatten – beide Songs sind lobenswerterweise auch nicht auf dem vorliegenden Debütalbum „SpitAnger“ vorhanden. Wichtig zu wissen aber ist auch, dass das Quartett nicht jetzt ganz plötzlich wie ein Urknall im Proberaum landete und alle Beteiligten völlig unbedarft drauflos grooven, sondern allesamt habe sie reichlich Szenevorerfahrung, ob im Bandleben oder wie bei Gitarrist Rasmus, der auch schon mit Bands wie Mnemic, Raunchy, Volbeat und und und zusammen arbeitete.

Genau deswegen ist es auch ein bisschen schleierhaft, warum auf dem Debüt so manches Mal der rote Faden verloren geht – wenn man Groove, Grunge, Death Metal und was weiß ich nicht noch alles so verwurstet, dann muss man schon mit fein sensiblem Gespür auch viel deutlicher seine Stärken ausloten. Und so sind es dann immer wieder einzelne Passagen, die richtig Spaß machen, im nächsten Moment aber schmeißen sie gleich das wieder mit dem Allerwertesten um, was sie sich gerade mühsam zusammengegroovt haben.

Im Grunde müsste man wegen der reichlich unterschiedlichen Genrezutaten jeden Song in mehr als drölfzig Passagen sezieren, doch auch so kann man sich mit ein paar Hinweisen einen guten Überblick verschaffen. So richtig gut werden die Dänen immer dann, wenn sie die volle Groovekeule auspacken, wobei man dann auch nicht lange dafür braucht, dass Pantera und vor allem Down als Inspirationsquelle mehr als geeignet herangezogen werden dürfen. Das spürt man dann vor allem in dem mit Klargesang, wo immer ein schöner anklagender Unterton mitschwingt, angereicherten „Forever“ mit seinem überraschend gelungen ruhigen Ende oder aber auch bei „Wedding Day“, wo Frontmann Mario wie Phil gnarzt, die eingebauten Kindersingalongs genauso überzeugen wie der doomig groovende Mittelpart mit feinem Wah-Wah-Klampfensolo oder aber das abgedreht aggressiv schnelle Finale, wo dann endlich einmal die Growls nicht stören.

Genau diese eindimensionalen Growls sind dann auch einer der knackigen Kritikpunkte. Der Modern-Metal-Groover „Tales From Reality“ legt gleich mal mit ein paar Drumhieben los, die Assoziationen zu Machine Head aufkommen lassen, der zuerst speedige Ausritt kratzt danach gerne an der Thrashkante, doch die Growls machen gleich alle positiven Eindrücke zunichte. Dann doch lieber der deutlich emotionalere Klargesang mit schöner eigener Stimmfärbung, wovon man sich einfach mehr wünschen würde – kaum zu glauben, dass hier ein und der selbe Kerl singt.

Das gilt dann auch für das schon fast Hardcore-affine Bölken im schnell antreibenden „Revolt!“, wo das schneidende Gitarrensolo zu gefallen weiß, ansonsten das Stück aber zur vorhersehbaren Durchratterattacke verkommt. Und wenn man denkt, das geht nicht noch mieser, dann kramen SpitAnger mit „A Better Man“ auch noch eine Powerballade aus dem Nähkasten, dabei war man gerade gewillt, den Dänen bis hierher einen Sympathiebonus zu gewähren. Aber: „Waruuuuuum nur?“ - ist die Verzweiflung gut rübergekommen? Na gut, nach dem einmal zu wenig emotionalbehafteten Schnarchballadenschubidu greifen sie endlich auch noch mal in die bratende Groovekiste, aber zu retten ist bei dem Akustikklamfenahaaa einfach nichts mehr. Auch hier lenkt man das Gehör eher zum Opener „Unfaithful“, ein recht geschicktes Referenzwerk mit headbanggerechtem Groove und gut hörbarem, leicht bellend aggressivem Gesang und einem Refrain, der schön eingängig ist, ohne wirklich an Druck zu verlieren.

Auffällig ist natürlich auch der druckvolle Sound, da wurde ganz sicher nicht am falschen Ende gespart. Schade ist allerdings, dass eben nur die wenigsten Songs in Gänze zünden und so manch gute Idee nicht ganz ausgereift wirkt oder gar durch die schlechten Death-Growls zerstört werden. Potenzial ist ja da, aber das haben SpitAnger auf ihrem Debüt noch nicht wirklich abrufen können.

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