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Spiritus Mortis: The Year Is One

Vertonte Langsamkeit und leidenschaftliche Anziehungskraft
Wertung: 8,5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 53:28
Release: 11.11.2016
Label: Svart Records

Obacht, Spiritus Mortis melden sich wieder zu Wort und erwecken schwarze Magie und Nekrophilie einmal mehr mit lyrischen, nicht immer wirklich ernst gemeinten Texten und vor allem tonnenschweren Gitarrenwänden zu neuem Leben. Respekt gebührt den Finnen dazu gleich aus mehreren Gründen: Zum einen arbeiten sie ohne jeglichen Zeitdruck an ihren doomigen Visionen von Tod und Teufel, zum anderen sind sie mittlerweile auch die ältesten Doom-Vertreter aus Finnland. Und irgendwie scheint das Quartett auch einfach einen fetten Haufen auf Marktmechanismen und Erwartungen zu setzen, denn hier regiert Doom, einfach nur Doom, kein technisches Techtelmechtel mit modischen Ausrufezeichen oder Studiotrickserei.

Und vor allem wird in den ganzen Lavaeruptionen eines immer mehr deutlich: Frontmann Sami Hynninen (Armanenschaft, Azrael Rising, Opium Warlords, ex-Reverend Bizarre), ja erst seit 2009 mit an Bord, ist eigentlich mit seiner Röhre bei Spiritus Mortis nicht mehr wegzudenken, viel zu sehr haucht er eher unspektakulär, aber voller Leidenschaft und ungemein effektiv den Songs den verderbten Odem ein, denn solch schleichende Verwüstungen halt benötigen, um sich aus dem undurchsichtigen Nebel der Doomlandschaft abzusetzen.

Im Anspieltipp „Babalon Working“ fahren die Finnen dann nach dem mehr als eine Minute langen Intro gleich mal die ganze Doom-Parade auf, wo eben schon erwähnter leidenschaftlicher Gesang mit den schweren Riffwänden konkurriert und Spiritus Mortis so gar nicht Doom-like auch mal per Doublebass die Tempozügel geschickt anziehen. Das war ja schon beim Genre-entstaubten Opener „Robe Of Ectoplasm“ deutlich zu hören, denn auch hier überrascht das Quintett mit der „zackigen“ Ausrichtung im Midtempo, was aber eben auch zur kurz(weilig)en Lauschangelegenheit führt.

Wie viele unterschiedliche Gesichter auf einer Doom-Platte auftauchen können, machen dann ganz andere Nummern klar. Sami legt gesanglich in „Jesus Christ, Son Of Satan“ locker ein Schippe Aggression drauf und wirkt im Finale fast schon fragend anklagend, und doch dringt die rockige Grundstimmung beim blasphemisierten Schwergewicht eindringlich und so ganz anders als die restlichen Tracks ins Hörerbewusstsein ein. Ganz großes Kino aber kommt bei „The Year Is One“ immer dann auf, wenn sie ihr Urgeschäft abwickeln: Doomen, bis die Eckzähne von allein herausfallen. So gehört dann auch das so richtig schwerriffende „I Am A Name On Your Funeral Wreath“ mit seinen intensiven Vocals zu den langsamen Märtyrern, und während jeder Thrasher hier zwischen zwei Drumhieben seine Beißerchen geputzt hat, werden Doomjünger voller Ehrfurcht den blei- und tonnenschweren Soundwänden huldigen.

Monoton, aber nicht einschläfernd, so dann auch das Motto beim mit beschwörendem Gesang traditionell doomenden „Holiday In The Cemetery“, eine böse und fies schleppende, fast zehn Minuten lange Meisterprüfung, bei der die Gast-Hammond-Orgel von Antti Heikinmäki auch noch die Dramatik faltenfrei steigert. Ob mit Sami als Geschichtenerzähler in „Black Magic, White Powder“, fast schon Powerdrumming im endzeitlichen „World Of No Light“ oder wiederholt leidenschaftlicher Gesang gepaart mit schweren Gitarren, auch in „She Died A Virgin“ bleiben einfach keine Doom-Fragen offen.

Ganz gleich, ob hier Nekrophile, Jungfrauen oder einfach nur Fanerwartungen über die Rasierklinge rutschen, Spiritus Mortis zeigen recht unaufgeregt auf, wie man auch heute noch Doom Metal ohne Verzweiflung regelrecht zelebriert. Schwarze Messen haben so einen neuen Soundtrack bekommen, die vertonte Langsamkeit hat also auch heute noch die leidenschaftliche Anziehungskraft, das Feuer zäh fließender Lava. „The Year Is One“, aber ja sicher, gehört in den Doomhaushalt wie auch alte Sabbath-Scheiben, Cathedral-Ergüsse oder Candlemass-Schleichereien.

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