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SpiRitual: Pulse

Kraft, Hoffnung und Lebensfreude
Wertung: 9.5/10
Genre: Ethno Metal
Spielzeit: 34:59
Release: 28.12.2005
Label: Listen&Think Publishing

„Für manch einen mag der Gedanke daran, Veränderungen anzustreben, um Probleme selbst anpacken zu können, unbequem klingen.“

Veränderung und Innovation – in der Metalszene eigentlich zwei Fremdwörter. Wie oft findet man dort schon Neuerungen?! Eigentlich ist alles schon gehört, fast jedes Riff kommt einem irgendwie doch bekannt vor und instrumententechnisch kann nur der Folk Metal ab und an mit einigen unverbrauchten Klangerzeugern aufwarten. Eine große Ausnahme in der ewig weiten Landschaft der Düstermusik bietet der Multiinstrumentalist und Workaholic Stefan Hertrich. Mit SpiRitual macht er „Ethno Metal“. Der interessierte Leser fragt sich natürlich, was dieser Ethno Metal nun eigentlich sei. Wenn man dieses Erstlingswerk seines neuesten Projektes in drei Worten zusammenfassen müsste, so wären diese: Kraft, Hoffnung und Lebensfreude. Soviel zu den Emotionen, musikalisch werden sphärische Klangwände, hypnotisierende Gesänge und Percussions, fremdartige Klänge von Instrumenten aus aller Welt mit der brachialen Energie des Dunkelmetalls vermischt. Und dies geschieht auf eine Weise, die ich nicht zu beschreiben vermag. Man hört es nicht nur, man fühlt es.

„Die für den individuellen Geschmack des Hörers exakt getroffene Kombination aus bestimmten Sounds und harmonisch miteinander verflochtenen Tönen stellt eine Kraft dar, die Menschen emotional berühren kann, oder auch zum Nachdenken anregt.“

Kraft – eine der Grundfesten der Musik SpiRituals. Diese Kraft wird aber nicht nur durch die harten Parts, durch das Schlagzeug, durch die Gitarren transportiert, sondern auch durch die Emotionen, die diese Musik verursachten und bei anderen Leuten verursachen können. Der dritte Aspekt der Kraft spiegelt sich in der Ideologie, also den Texten wieder. Kein Hassen, kein Metzeln, keine Belanglosigkeiten, die Texte von SpiRitual sind von einer positiven Energie durchzogen, die wohl jeder für sich selbst erkunden und erfinden muss. Einen kleinen Anstoß dazu geben die äußerst interessanten, philosophischen Texte von Stefan Hertrich und Christian Rätsch auf dem Multimedia-Teil der CD. Dr. phil. Christian Rätsch ist nur eine der Personen, welche ihren Teil zu dem Projekt beigetragen haben. Auch andere hochkarätige Namen steuerten ihren Part (Gitarren, Video etc.) bei: Maurizio Guolo (Darkseed), Yana Veva (Theodor Bastard), Gaby Koss (ex-Haggard), Kajuyali Tsamani, Christian Bystron (Megaherz), René Berthiaume (Equilibrium), Markus Glanz (Koyaanisqatsy).

Ich versuche einmal den Song „Symphony Of Life“ in seiner ganzen Vielfalt zu beschreiben, damit man einen ungefähren Eindruck davon bekommt, wie sich die Musik von SpiRitual anhört: Eingeleitet wird das Lied mit Naturgeräuschen eines Urwaldes oder Moorgebietes, dazu ein paar sphärische Keyboardsounds, zu denen sich wenig später einige elektronische Drums gesellen. Bisher alles recht ambientartig. Bis zu dem Punkt, an dem sich Flöten und Frauengesang in das Geschehen mischen. Und dann beginnt auch schon der metallische Teil. Es ist kein abrupter Übergang, sodass man Stefan einen Stilbruch vorwerfen könnte, es ist eine sehr gelungene Verschmelzung. Der metallische Teil weiß durch Abwechslung zu überzeugen. Gesangstechnisch bewegt man sich zwischen kratzigen Growls und tiefen Klargesängen. Und schon wieder ein Break. Das Thema vom Anfang wird nun mit den schneidenden Riffs und dem straighten Drumming verbunden. Eine wunderbare Vermischung von doch eigentlich so gegensätzlichen Elementen. Nach mehreren gelungenen Breaks und Wechseln fängt nach drei Vierteln des Liedes wieder ein ruhiger, leicht industriell angehauchter Part mit cleanem Gesang an, der von einem wunderschönem, hohen, Gitarrensolo abgelöst wird. Zum Abschluss vereinigen sich alle Elemente des Liedes, um den Hörer die Intensität noch einmal klarwerden zu lassen.

„Es liegt am Hörer, sich der richtigen Eigenschaft emotional zu öffnen: Pessimismus und Aggression, oder kritisches Denken mit Aktionsdrang und dem Willen zur Veränderung durch die erzeugte Energie.“

Es liegt am Hörer, sehr richtig. Bei mir hat die Kombination aller Komponenten des Werkes „Pulse“ von SpiRitual, nämlich die Musik, die Texte, die philosophischen Abhandlungen und die Aufmachung, einfach nur perfekt gepasst. Ich habe dieses Kunstwerk nach dem ersten Hören und dem ersten Lesen der niedergeschriebenen Gedanken in die Schublade „sehr wertvoll“ gesteckt. Ich werde noch viel Freude mit der CD haben und noch viele Male nachdenken, versuchen zu verstehen und zu handeln.

(Die in diesem Text verwendeten Zitate sind Stefan Hertrichs Begleittext der CD entnommen.)

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