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Spiritual Beggars: Sunrise To Sundown

Noch mehr Mellotrons und Psychedelic-Elemente – und noch mehr Purple-Worshipping
Wertung: 7.5/10
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: 46:53
Release: 18.03.2016
Label: InsideOut

Dass für die Spiritual Beggars Deep Purple einen ihrer Haupteinflüsse darstellen, ist wahrlich kein Geheimnis mehr. Nicht nur weil die Stimme von Ex-Firewind-Frontmann Apollo Papathanasio der von David Coverdale einigermaßen ähnelt, ist die Purple’sche „Burn“-Phase stets präsent – von den Stoner-Roots allein hat man sich ja schon längst gelöst und diese inzwischen sehr clever mit Classic-Rock-Elementen verwoben. Auf der neuen Scheibe „Sunrise To Sundown“ hat sich verglichen mit dem Vorgänger „Earth Blues“ in dieser Hinsicht nicht viel geändert, auch wenn – wie das sehr Hippie-mäßige Coverartwork bereits vermuten lässt – insgesamt eine noch psychedelischere Ausrichtung angestrebt und umgesetzt wurde.

Noch mehr Mellotrons sind zu hören und die Gitarren-Delay-Feedback-Orgie am Ende von „I Turn To Stone“ lässt schon beinahe an die seligen The Devil's Blood denken. Doch der Reihe nach: Wie schon „Earth Blues“ braucht auch die neue Platte ein wenig, um richtig in Wallung zu kommen. Der eröffnende Titelsong ist sicherlich keine Enttäuschung, aber auch keine sonderlich spektakuläre Komposition – solider Standard letztlich. Das Riffing ist durchaus kraftvoll, die begleitende Hammondorgel macht auch für Leute, die die Band noch nicht kennen sollten, umgehend deutlich, woher die Haupteinflüsse kommen, und Apollo beweist einmal mehr, dass seine Stimme bei einer rockigen Band wie den Beggars genauso gut aufgehoben ist wie bei einer metallisch ausgerichteten wie Firewind seinerzeit.

Das Purple-Worshipping erreicht seinen Höhepunkt gleich mit dem zweiten Track „Diamond Under Pressure“ – und hier ist es schon fast zu viel des Guten. Das Orgelriff ist fast 1:1 vom „Burn“-Klassiker „Might Just Take Your Life“ übernommen worden, auch die weitere Struktur des Songs erinnert mehr als frappierend an die olle Purple-Nummer. Auch wenn das Ganze natürlich heavier als das Original herüberkommt und es selbstredend andere melodische Schlenker gibt, kann man schon fast von einer Coverversion sprechen. Hier muss letztlich jeder für sich selbst entscheiden, wie stark eine Band mit ihren Einflüssen hausieren gehen sollte – für sich genommen ist der Track jedenfalls hörbar.

Nach dem gutklassigen, flotten „What Doesn’t Kill You“ hat die Truppe um Michael Amott mit „Hard Road“, das bereits vorab zu hören bzw. bei YouTube zu sehen war, aber schließlich den ersten richtigen Kracher parat. Ein Midtempo-Stampfer, der mit einfachsten Mitteln geschrieben wurde, aber einfach wahnsinnig hymnisch ist und Spaß macht ohne Ende. Mit Sicherheit künftig eine Standardnummer im Live-Repertoire der Beggars.

Auch „Lonely Freedom“ beginnt mit einem vergleichsweise simplen, dennoch schnörkeligen Riff, das aber unheimlich catchy ist und umgehend mitreißt. Ein bisschen Black Sabbath schimmert hier durch und das kann eigentlich nie schlecht sein, denn wer kann bessere Riffs schreiben als Tony Iommi? Die Antwort ist: niemand. Sehr cool auch, wie während im Vordergrund das Riff abgespult wird, im Hintergrund kleine zugekiffte Gitarren-Effekt-Geschichten laufen und wie sanft in die mit einem Mellotron-Teppich ausgelegte Strophe übergeleitet wird, die so sehr flächig und breitgefächert erscheint. Eine spannende Komposition, gekrönt von Amotts vielleicht bestem Gitarrensolo auf der Platte – und wohl auch die stärkste Nummer der Platte insgesamt.

Ziemlich interessant sind auch „No Man’s Land“ und das schon erwähnte „I Turn To Stone“ geworden, die ebenfalls mit überraschenden Wendungen glänzen können. Ersteres erinnert im Anfangsteil wiederum an Deep Purple, groovt sehr lässig, während der Flanger-Effekt für die psychedelische Note sorgt und den Part wie einen Strudel erscheinen lässt. In der Mitte wartet man dann plötzlich mit einem unerwarteten, aber doch schön gesetzten Pianopart auf. Das zweitgenannte hingegen kommt sehr melancholisch daher, als Basis dient ein im Loop gespieltes Drum-Pattern, am Ende entlädt sich alles im eingangs genannten Delay-Part, garniert mit David-Byron-mäßigen Schreien.

Keine Frage, dass die Spiritual Beggars wieder einmal mit sehr interessanten und kreativen Einfällen überzeugen können. Zwischendurch gibt es ein paar leichte Durchhänger, so sind „Still Hunter“, „Dark Light Child“ und „You’ve Been Fooled“ nicht sonderlich zwingend, wofür es dann auch ein wenig Punktabzug gibt. Auch auf „Sunrise To Sundown“ jedoch überwiegt das Positive. Abwechslung wird definitiv groß geschrieben, da können auch ein paar etwas schwächere Stücke nichts dran ändern. Mit dem recht Stoner-lastigen, schleppenden „Southern Star“, bei dem wiederum ein Piano-lastiger Psychedelic-Part eingebaut wurde, wird die Scheibe außerdem sehr ordentlich beschlossen. Auch die erneut erdige Produktion wird der Musik in jeder Beziehung gerecht.

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