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Spiritual Beggars: Return To Zero

Mit neuem Sänger auf alten Pfaden
Wertung: 8/10
Genre: Classic Heavy Rock
Spielzeit: 52:41
Release: 27.08.2010
Label: InsideOut Music

Wenn sich der Sänger einer Band verabschiedet, ist das für die restlichen Musiker nicht selten ein herber Verlust, der mal mehr und mal weniger gut auszugleichen ist. So ist es im Juni dieses Jahres bei Schwedens Stoner-Metal-Institution Spiritual Beggars geschehen: Goldkehlchen Janne „JB“ Christoffersson beschloss, dass ihm zwei Bands zuviel werden und er sich lieber alleinig Grand Magus widmen möchte. Um die Lücke zu schließen, holte man sich Firewings Apollo Papathanasio ans Mikro, mit dem Schlagzeuger Ludwig Witt schon in einer Bar-Band zusammenspielte. Zusammen zog man sich ins Studio zurück, um „Return To Zero“ einzuspielen.

Gewissermaßen ein ziemlicher Neustart bei den Beggars, den man im Albumtitel wiederfinden kann: Alles auf Null, zurück auf Anfang. Konsequenterweise steht die Frage nach der Tauglichkeit des Neuen beim ersten Hören von „Return To Zero“ absolut im Vordergrund.

Die ersten Sekunden von „Lost In Yesterday“ bieten allerdings zunächst Altbekanntes: Riffmeister Michael Amott entlockt seinen sechs Saiten eine Iommi'sche Dampfwalze von Riff, die beweist, dass bei der Gitarrenarbeit soweit alles beim Alten geblieben ist und der Härtegrad eher noch in die Höhe geschraubt wurde. Wenig später gesellt sich eine flirrende Hammondorgel dazu, ehe Apollo zum Gesang anhebt. Der klingt erwartungsgemäß anders als JB's Organ; ein bisschen weniger knurrig und mit mehr Tendenz zu höheren Lagen. Dass er sich gegen die druckvolle Instrumentalfraktion behaupten kann, steht aber jetzt schon außer Frage.

„Star Born“ festigt diesen Eindruck nur noch weiter und zeigt zudem die Richtung auf, in die sich die Beggars unbeirrt bewegen. Vom reinen Stoner Metal sind die fünf schon länger weg und so hat auch „Return To Zero“ deutlich mehr mit Deep Purple gemein als mit Kyuss und Konsorten. Fest verwurzelt im Classic Rock der 70er und dem Hardrock der 80er erhöhen die Beggars lediglich den Druck, um freimütig zu proklamieren: „We were looking for something to believe in / And we found it in Rock'n'Roll.“ Mit jaulendem Gitarrensolo auf Hammondorgeluntermalung setzt man in „We Are Free“ ein dickes Ausrufezeichen hinter dieses Statement.

Was Michael Amott meint, wenn er sagt, „Return To Zero“ sei die bisher vielfältigste Platte der Beggars geworden, zeigt „Spirit Of The Wind“: Harfenähnliche Gitarren, leise im Hintergrund wummernde Drums und emotionaler, fast schon sanfter Gesang bescheren dem Album eine atmosphärische Ballade, die selbst vor gesampelten Windgeräuschen nicht halt macht. Auch der klavierlastige Schlussong „The Road Less Travelled“ schlägt deutlich sanftere Töne an und hätte so ähnlich auch von Freddy Mercury gesungen werden können.

Zwischen den beiden Balladen finden sich ansonsten ausnahmslos härtere Kaliber. „Coming Home“ galoppiert fröhlich-beschwingt vor sich hin und gipfelt in einen deutlich Led Zeppelin-inspirierten Soloteil. „Dead Weight“ fährt lieber die schon vom Opener bekannte Black Sabbath-Schiene und drückt dem Hörer kurz vor Schluss noch einmal die Trommelfelle ein.

Am Ende von „Return To Zero“ steht die Erkenntnis, dass Apollo Papathanasio als Ersatz für Janne Christoffersson absolut tauglich ist, auch wenn es sicherlich – wie immer bei Sängerwechseln – wieder Fans geben wird, die das völlig anders sehen. Mit der noch deutlicher Richtung Classic Rock gehenden Ausrichtung der neuen Songs wird vermutlich auch nicht jeder zufrieden sein. Alle anderen freuen sich über eine Scheibe, die zeigt, dass „Heavy Rock“ immer noch am besten klingt, wenn er sich an den Altmeistern orientiert.

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