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Spiritual Beggars: Earth Blues

Ob innovativ oder nicht - die Platte ist einfach gut!
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Rock
Spielzeit: 50:08
Release: 12.04.2013
Label: InsideOut

„Return To Zero“ nannte sich der Vorgänger des hier zu besprechenden Albums – passend dazu, dass die Spiritual Beggars seinerzeit einen neuen Frontmann rekrutieren mussten, da Grand Magus-Mastermind Janne „JB“ Christoffersson keine Zeit mehr für die Band hatte. In Apollo Papathanasio hatte man einen würdigen Nachfolger gefunden, der seinerseits mittlerweile bei Gus G.s Combo Firewind aus zeitlichen Gründen ausgestiegen ist – schon ein wenig ironisch irgendwie. Jedenfalls stellte Kollege David Albus in seinem Review damals mit Recht fest, dass die Spiritual Beggars längst nicht mehr nur Stoner Metal oder Stoner Rock spielen, sondern mittlerweile wesentlich tiefer in den unerschöpflichen Kreativquellen des klassischen Siebziger-Jahre-Rocks schürfen. Möglicherweise ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass Apollos Stimme hin und wieder an David Coverdale erinnert. Bei Firewind wurde dies nie so deutlich, doch im rockigeren Kontext bei den Beggars schimmert dies offensichtlicher durch.

Auf „Earth Blues“, dem nun achten Studiolangdreher der Schweden, wird der eingeschlagene Kurs fortgesetzt, was bedeutet, dass Musik à la Deep Purple zur Coverdale/ Hughes-Phase dominiert, hier und da mit Stoner-Elementen angereichert. Was daran innovativ ist? Nicht viel, zugegeben, aber Bandkopf Michael Amott und seine Jungs versprühen auch auf dem neuesten Werk Spielfreude und zeigen, dass sie einfach gute Songs schreiben können – erfahren genug sind sie schließlich.

„Wise As A Serpent“ und „Turn The Tide“ sind mit zwei- beziehungsweise dreieinhalb Minuten noch so etwas wie die kurzen Nummern zum Reinkommen – solide, durchaus catchy, aber doch relativ unspektakulär, erst mit „Sweet Magic Pain“ wird das erste echte Highlight serviert. Kraftvolles Riffing in der Strophe wechselt sich mit weicheren, melodischeren Passagen im Refrain, der durch die Flötenklänge im Hintergrund einen fast schwebenden Charakter besitzt, ab. Wie die melancholische, von Pianoklängen eingeleitete Sequenz mit den Harmoniegitarren in das Ganze eingebettet wurde, bevor man zum Riff zurückkehrt, zeugt vom tollen Songwriting-Gespür der fünf Bettler.

Ab diesem Track nimmt „Earth Blues“ so richtig Fahrt auf: „Hello Sorrow“ groovt ziemlich gut, auch wenn ich wohl nicht der Einzige sein dürfte, dem der Anfang der Haupt-Gitarrenmelodie verdächtig stark nach „The Loneliness Of The Long Distance Runner“ von Iron Maiden (von der „Somewhere In Time“) klingt – nun ja, möglicherweise Zufall, auch wenn kaum wahrscheinlich ist, dass noch keiner der Jungs diesen Song gehört hat. „Old Man’s Curse“ schlägt mit dem treibenden Riff in der Strophe und dem aufgelockerten Chorus in eine ähnliche Kerbe, als Mittelteil haben die Beggars hier allerdings einen ordentlich funky tönenden Part am Start; das E-Piano-Solo lässt ein wenig an John Paul Jones’ Tastenkunst bei Led Zeppelins „Trampled Underfoot“ denken.

Anschließend erreicht die Scheibe ihre stärkste Phase, angefangen mit „Dreamer“ – manch einer denkt sich wohl schon, nicht noch ein Song mit diesem ausgelutschten Titel und vielen spukt wahrscheinlich Ozzy Osbournes echt nervige Radioschnulze von 2001 durch den Kopf, doch sollte man sich davon nicht beirren lassen. Um eine klasse Nummer handelt es sich hier, die mit relaxt-funkigen E-Piano-Klängen beginnt; nun fühlt man sich an Purples „Stormbringer“ erinnert. Unwiderstehlich, wie schließlich das Tempo angezogen und damit die Dramatik gesteigert wird – hier wiederum kommen entfernte Gedanken an „Mistreated“ auf.

„Too Old To Die Young“ ist aber fast noch besser: Die Percussions geben diesem längsten Stück der Platte zusätzliche Würze und machen sich als Unterstützung für die treibenden Gitarren und die wummernde Hammondorgel ganz hervorragend; der zweite Teil mit den zarten Mellotronklängen, den hübschen Gitarrenmelodien und einem sehr einfühlsam singenden Apollo mutet regelrecht schwelgerisch an, während im Finale wieder kräftig das Tempo angezogen wird.

In Form von „Kingmaker“ haben die Beggars dann einen Song auf der Pfanne, der sich live bestimmt ganz prächtig machen wird. Das Mainriff fordert zum sofortigen Rotieren des Schädels auf und der Refrain besitzt gnadenlos großes Mitsing-Potential – hier könnten durchaus Uriah Heep Pate gestanden haben, vor allem die „Ahaha“-Gesänge lassen diese Vermutung zu.

Auch wenn diese Qualität bis auf das finale „Legends Collapse“, bei dem wieder einmal der alte Spruch „Sie ziehen alle Register“ aus der Phrasen-Schublade hervorgekramt werden muss, danach nicht mehr ganz erreicht wird („Road To Madness“ und „Dead End Town“ sind etwas austauschbar), dürfen die Spiritual Beggars sich auf die Fahnen schreiben, mit „Earth Blues“ wieder eine gute, phasenweise (besonders in der Mitte des Albums) wirklich starke Scheibe veröffentlicht zu haben. Dank einiger herausragender Songs ist die Band total im Soll und niemand fragt danach, ob das alles nun bahnbrechend innovativ ist oder nicht. Bei den Skandinaviern ist ja eigentlich eh klar, dass man hier old-schoolige Mucke präsentiert bekommt – dementsprechend ist übrigens auch die sehr erdige, der Musik absolut gerecht werdende Produktion ausgefallen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann