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Spirits Of The Dead: Spirits Of The Dead

Psychedelic Rock aus der norwegischen Wüste
Wertung: 8.5/10
Genre: Psychedelic Stoner-Folk-Rock
Spielzeit: 37:17
Release: 19.12.2008
Label: Voices Of Wonder

Auf der Suche nach musikalischer Individualität landen die meisten Bands irgendwann am großen Schrank der Musikgenres: voller Schubladen - und in keine möchte man sich so ganz einordnen lassen. Das Ergebnis sind meist entweder akrobatische Neologismen, um eine „eigene“ Schublade zu bezeichnen, oder aber waghalsige Wortverkettungen – zum Beispiel bei den vier Norwegern von Spirits Of The Dead, die ihren Stil mit „Psychedelic Stoner-Folk-Rock“ bezeichnen; natürlich mit dem Hinweis versehen, dass das bei weitem nicht ausreicht, um die Musik komplett einzuordnen. Also lassen wir das selbstbetitelte Debütalbum der Band sprechen.

Nach den ersten paar Takten von „White Lady/Black Rave“ hat man dann auch schon die ersten Assoziationen zur Hand: jede Menge 70er-Jahre Psychedelic schwingt da mit, außerdem kann man die australischen Stoner Wolfmother im Sound ausmachen. Positiv auffallend sind besonders die Liebe zu kleinen Effektspielereien, der organische, lebendige Sound, der ständig zwischen erdig und abgehoben pendelt und die Vielfalt im Songwriting, die den achtminütigen, aus wenig mehr als einem Riff bestehenden Song interessant hält.

Der Wechsel zwischen rumpelnden Rockgitarrenparts und psychedelisch schwebenden Teilen ist ein Stilmittel, das im Verlauf des Albums immer wieder auftaucht. Kombiniert mit der unaufgeregten Stimme von Sänger Ragnar Vikse kreieren die vier Totengeister damit das Hörgefühl einer alten Psychedelic Rock-Platte aus den 70er Jahren. Der Song „Red“ beispielsweise beginnt mit effektgeschwängerten, cleanen Gitarren, die verträumten Gesang umspielen, um anschließend mit hart verzerrten Wüstenrockgitarren auf den Hörer niederzufahren. Der mit allerlei elektronischem Kleinod gefüllte Zwischenteil demonstriert die moderne Seite der Band und kontrastiert gekonnt den klassischen Rocksound.

Zum Träumen geeignet ist der Track „T.I.T: (Traveller In Time)“ mit seiner pulsierenden Ruhe und eingängigen Melodie. Doch auch hier folgt bald wieder ein bratzendes Gewitter auf den Fuß, dem ein wenig mehr Druck vielleicht gut getan hätte, das sich aber dennoch erstaunlich gut gegenüber den ruhigen Passagen einfügt.

Das darauf folgende „Fields Of Gold“ geht leider bereits zu Beginn mit einer sägenden und für meinen Geschmack einfach zu oft wiederholten Leadmelodie auf die Nerven und gerät damit in meinen Augen zum schwächsten Song der Platte. Zum Abschluss kredenzen Spirits Of The Dead dem Hörer dann aber mit dem Titeltrack des Albums noch einmal einen echten Brecher:

Der zweite Achtminüter der Platte überzeugt durch ein hochhausverschiebendes Dampfwalzenriff und einen Spannungsbogen, der die im Gegensatz zum brachialen Refrain stehende, ruhig dahinplätschernde Strophe völlig selbstverständlich zu ihrem Dasein neben diesem Monster berechtigt. Immer wieder nimmt der Track Fahrt auf, lässt sich zurückfallen um erneut loszudonnern. Eunuchengesänge, die auch die Queens Of The Stone Age hätten singen können verkünden dem Hörer: „We’re the spirits of the dead“.

Nachdem sich der Song im bald entstehenden Acid-Chaos ausgetobt hat ist das mit knapp 37 Minuten und lediglich sieben Songs leider etwas kurz geratene Album auch schon am Ende angelangt. Das ist schade, denn Spirits Of The Dead schaffen es mit ihrem Debüt eindrucksvoll, den lebendigen Klang von vor 40 Jahren mit den musikalischen und technischen Entwicklungen der letzten Jahre zu vereinen, ohne dabei in irgendeiner Richtung zur bloßen Kopie zu verfallen. Liebhaber lebendiger, ideenreicher Rockmusik mit klanglichen Ecken und Kanten werden an diesem Album sicherlich ihre Freude haben – ganz gleich ob sie Nostalgiker sind oder nicht.

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