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Spirit Descent: Doominion

Ein Debüt mit Mängeln, aber unüberhörbarem Potential
Wertung: 6.5/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 69:37
Release: 03.09.2010
Label: Eyes Like Snow

Das Wetter bäumt sich derzeit zwar noch einmal auf, aber die warmen Tage neigen sich unwiderruflich dem Ende entgegen. Von daher ist es ganz passend, dass Spirit Descent uns gerade jetzt mit ihrem Debüt beehren. Welchen Stil sie spielen, wird mit dem Titel „Doominion“ mehr als deutlich gemacht. Als Einflüsse geben die Musiker Bands wie Solitude Aeternus, Warning oder Candlemass an und da sie bei „Eyes Like Snow“ unter Vertrag stehen, sollte man auch einen gewissen Standard erwarten können. Gegründet wurde das heutige Quintett vor zwei Jahren von Gitarrist/ Sänger Andreas Libera, der sich im Laufe der Zeit weitere Mitstreiter an Bord holte. Dazu zählt auch Jan Eichelbaum, der den Posten des Leadsängers übernahm. Vor diesem Album gab es übrigens noch einen Online Release namens „A New Doom Is Rising“, der mir persönlich leider nicht bekannt ist, aber seinerzeit durchaus gute Kritiken erhielt.

Acht Songs mit allem, was Epic Doom Metal haben muss, erwarten den geneigten Hörer, wenn er sich „Doominion“ zu Gemüte führt. Langsame, fast zähe Gitarren, dramatische Vocals und überlange Songs; dazu gesellt sich eine vielleicht ein wenig zu dumpfe Produktion, die aber dennoch absolut in Ordnung ist. Rein von den Rahmenbedingungen her ist hier nichts falsch gemacht worden. Das Problem liegt eher bei den Songs an sich, die manchmal ein wenig in die Länge gezogen wirken. Versteht mich nicht falsch, mir ist bewusst, dass es beim Doom Metal nicht darum geht, 27 verschiedene Riffs in eine vier Minuten lange Spielzeit zu quetschen. Aber gerade deswegen solltem beziehungsweise muss (!) das Material fesselnd sein. Und das ist hier leider nicht über die gesamte Albumdistanz gegeben.

Trotzdem ist „Doominion“ weit davon entfernt, ein Rohrkrepierer zu sein. Die äußerst professionelle Band, deren Miglieder allesamt keine Anfänger mehr sind, hat auch einige sehr gute Songs in der Hinterhand. Der Opener „Greed“ ist beispielsweise so einer. Hier wird gleich deutlich, dass Jan Eichelbaum ein guter Frontmann für Spirit Descent ist. Er kann mit seiner Stimme äußerst variabel zur Sache gehen und beherrscht die melodischen Töne genauso wie die raueren. Dabei erreicht er zwar nicht die Intensität eines Robert Lowe oder Messiah Marcolin, aber an diese beiden Ausnahmetalente kann wohl kaum jemand herankommen. „Greed“ überzeugt weiterhin auch mit relativ abwechslungsreichen Melodien, die sich nie aus dem stilistischen Rahmen herausbewegen.

Dieser besagte Rahmen ist auch das, was darüber entscheidet, ob man mit diesem Album warm wird. Spirit Descent sind nämlich mehr als deutlich vor allem von Candlemass beeinflusst, dazu gesellen sich noch weitere Doom Größen wie Trouble, ein wenig Cathedral und die unvermeidlichen Black Sabbath. „Doominion“ ist sozusagen ein netter Trip durch die Geschichte dieser Musikrichtung, steht aber zu keiner Zeit auf eigenen Füßen. Andererseits ist dies auch nur ein Debüt und beileibe kein schlechtes. Trotzdem bleibt das erwähnte Problem, dass einige Songs wie „A New Dawn“ einfach nicht fesselnd und packend sind. Dieses ständige Kleben an den Vorbildern kann man romantisch als „alte Schule“ verklären, aber wenn man ehrlich ist, bricht man auf diese Art einigen Songs das Genick.

Fazit: Es ist immer schwierig, den Mittelweg zwischen den eigenen Einflüssen und dem eigenen Stil zu finden. Bei einem Debüt drückt man da aber gerne mal ein Auge zu, vor allem, wenn sich auch gute Lieder auf der Platte befinden. Und da die Band ihr Handwerk durchaus beherrscht, sich mit „Greed“, dem saustarken Höllentrip „Of A Nation Forlorn“ und der potentiellen Bandhymne „The Path Of Doom“ einige Highlights aus dem Ärmel geschüttelt und auf der anderen Seite keinen kapitalen Totalausfall fabriziert hat, kann man guten Gewissens von einem gelungenen Doom Metal Album sprechen. Mal sehen, wie das nächste Album wird. Potential ist auf jeden Fall vorhanden. Das wird jeden Fan des Genres freuen, denn wirklich viele Doom Metal Bands haben wir hierzulande nicht.

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