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Spiraldogma: Bacteria Stigma

Beängstigend gutes Debüt
Wertung: 9/10
Genre: Progressive Rock/Alternative
Spielzeit: 34:44
Release: 19.07.2010
Label: DBDC/RADAR

Es ist doch immer wieder befremdlich, was sich Bands für einen Blödsinn einfallen lassen, um ihre Musik irgendwie in Worte zu fassen. Spiraldogma aus Frankreich verlieren sich bei der Beschreibung ihres Sounds irgendwo in esoterischen, pseudowissenschaftlichen Faseleien über ein Vier-Ebenen-Strukturmodell, nach dem die Songs auf dem Debüt „Bacteria Stigma“ aufgebaut sein sollen. Das Erfreuliche an Sätzen wie „Music is a Dogma into a Spiral!“ ist allerdings, dass Spiraldogma sie keineswegs nötig haben.

Viel zu gut gelungen ist das, was dem Hörer vom Silberling entgegenschallt, als dass es großer Worthülsen bedürfte, um Qualitätsmängel zu vertuschen. Mit knarzigen Gitarrenriffs, melancholischen Vocals im höheren Register, elektronischen Anleihen und proggigen Strukturen schaffen sich Spiraldogma zwischen Muse, Placebo, Oceansize und Tool ihr Plätzchen. Technisch stehen sie dabei außerhalb jeder Kritik, wie schon wenige Minuten deutlich machen: Hier stimmt einfach alles; sogar der häufige Problemfaktor Gesang. Abgerundet wird der runde Eindruck von einer klaren und druckvollen Produktion, die alle Instrumente gebührend zur Geltung bringt und dabei warm und organisch klingt.

Die Grundvoraussetzungen für eine tolle Platte sind also gegeben und Spiraldogma bauen auf diesem Fundament tadellos mit beeindruckenden Songs auf: Der Opener „Eradicalism“ wandelt sich von einem fragilen Gebilde aus klaren Gitarren und ruhigem Gesang über hymnische Gesangspassagen zu einem furios wütenden Sturm, in dessen Sog harte Riffs und kreischende Vocals verschmelzen. Wenn man es am wenigsten erwartet landen die Franzosen dann auch noch eine echte Ohrwurmmelodie, die man – Tool lassen grüßen -  aber erst nach mehrmaligem Hören überhaupt wahrnimmt.

„Blue Cult“ packt im Intro die Elektronikkeule aus, um sich dann zu einem dynamischen Hybridsong zwischen Stoner und Industrial zu wandeln. Erneut großartig: der theatralische Gesang, der mal an Matthew Bellamy, mal an Brian Molko und dann wieder mehr an Billy Corgan erinnert, aber zu keiner Richtung so ganz tendiert und vor allem nie aufgesetzt oder affektiert wirkt. Keine Frage: Am Mikrofon ist diese Band, dafür, dass „Bacteria Stigma“ erst das Debüt ist, geradezu beängstigend gut besetzt.

Allein die Tatsache, dass Weltklassebands wie Muse als Vergleich herhalten müssen, zeigt, dass sich auch die Instrumentalfraktion hinter dem Gesang nicht zu verstecken braucht: Mit Drive, Dynamik und Sounddichte liefern Spiraldogma mit „Opradiation“ kurz vor Schluss der Platte noch ein progressives Highlight ab. „Soft Caress“ gebärdet sich danach, dem Titel entsprechend, eher sanft. Statt an stille Wasser denkt man hier aber eher an einen still vor sich hin brodelnden Kessel, der jederzeit überkochen kann – was er letztendlich natürlich auch tut.

Es ist auch diese Kunst, unbändige Spannung zu erzeugen und aufrecht zu erhalten, die Spiraldogma zu einer echten Ausnahmeband machen. Wer anspruchsvolle Rockmusik mit Atmosphäre und Power liebt, braucht diese Platte unbedingt!

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