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Spiral Grave: Legacy Of The Anointed

Schon jetzt die Überraschung des Jahres, fern jeglicher Schubladen
Wertung: 9,5/10
Genre: Doom Metal, Sludge
Spielzeit: 45:10
Release: 16.07.2021
Label: Argonauta Records

Den Singer/Songwriter Dee Calhoun kennt man mittlerweile aus einigen verschiedenen Blickwinkeln: Nicht nur hat der Mann lange Jahre die Doom-Classic-Metal-Truppe Iron Man angeführt, mittlerweile ist er auch solo und akustisch versiert; außerdem verdient sich Calhoun als Autor von Romanen und Kurzgeschichtensammlungen seine Brötchen. Nach dem Tod von Iron-Man-Mitbegründer Al Morris III 2018 war es nur eine Frage der Zeit, bis sich Calhoun und sein Bass-Mitstreiter Lou Strachan neu orientieren würden – die musikalische Energie sollte schließlich nicht versiegen. Als Quartett mit ex-LORD-Gitarrist Willy Rivera und Drummer Mot Waldmann wurden dann Spiral Grave aus der Taufe gehoben; ebenfalls eine Doom-Band, aber deutlich räudiger und Sludge-orientierter als alles, was Iron Man seinerzeit produziert hatten.

Mit „Legacy Of The Anointed“ steht seit einem knappen Monat endlich das Debütalbum zum Verkauf, acht Songs haben es auf die Platte geschafft und was soll ich sagen: Die Herrschaften haben keinen einzigen Lückenfüller auf die Tracklist gepackt. Mit langatmigen Intros halten sich die Amis dann auch gar nicht erst auf: Schon der Opener „Nightmare On May Eve (Dunwich Pt. 1)“ prescht von null auf 100 durch die Schlammpfützen, die Spiral Grave mit ihrem dreckigen Sound kreiern, und wartet direkt mit dem wohl genialsten Gitarrenriff der gesamten Platte auf – Gänsehaut? Check! Dazu die Vocals, die zumindest die Schreiberin dieser Zeilen deutlich mehr mitreißen als der eher klassische Metalgesang, den Dee Calhoun bei Iron Man aufs Tapet gebracht hat; was will man mehr?!

Während Tracks wie „Modern-Day Golden Calf“ schön tief gestimmt daherkommen und gefährlich entspannt mit den Trump-Verehrern abrechnen, legt der Übersong „Nothing“ eine ordentliche Schippe Wut auf und überzeugt noch vor Einsetzen des Gesanges mit düsterer Instrumentierung und einer ordentlichen Sludge-Doom-Kante. Der Track markiert den ersten als Spiral Grave geschriebenen Song und vereint eigentlich alles was die Band ausmacht: Tief gestimmte Riffs, die dem Hörer schön langsam die Kniescheiben rausdrehen, rauer Gesang und ein Groove, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Platte zieht.

„Walking Talking Dead Man“ sticht allein schon durch das frische Gitarrenintro heraus, außerdem gestaltet sich der Refrain fast schon in Ohrwurm-Manier, wobei auch hier die düstere Grundstimmung der Platte nicht zu kurz kommt. Bei „Tanglefoot“ haben sich die Herren dann kurzerhand in den späten 1940er Jahren bedient und den Inhalt an eine Folge der Horror- und Fantasy-Radioshow „Quiet Please“ angelehnt – der Track mit seinem leicht stolpernden Rhythmus behandelt nur zu eindringlich das Suchtverhalten eines Alkoholikers, der sich in seinem besoffenen Kokon nicht unwohl genug fühlt, um sich herauszuboxen. Entsprechend wütend ist der Track ausgelegt und bietet Calhouns wohl überraschendste Vocalperformance auf der Platte – ein bärenstarkes Stück, das man nicht oft genug hören kann.

Der gute Nietzsche darf dann als Inspiration für das finale „Abgrund“ fungieren, einen Track mit tonnenschwerem Riffing, bei dem man weder Füße noch Nacken stillhalten kann und das sich massiv wie eine Naturkatastrophe aus den Boxen herauswältzt, so dass man nicht den Hauch einer Chance hat, dem Sound zu entkommen. Auch nach zig Durchläufen wird das zähflüssige Monster nicht langweilig, ja, es treibt einem mit seinem fast sehnsüchtigen Riffing in der zweiten Hälfte geradezu die Tränen in die Augen – ein wahrlich perfekter Abschluss für eine grandiose Platte, die ich ehrlich gesagt so nicht erwartet hätte. Nun bleibt nur zu hoffen, dass man dieses Kunstwerk bald auch live erleben kann. Mit einem Label mit Sitz in Italien stehen die Chancen zumindest mal nicht ganz schlecht. Bis dahin wird „Legacy Of The Anointed“ sicherlich noch einige Runden im heimischen Soundsystem drehen dürfen und in die eigene musikalische DNA übergehen.

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