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Spineshank: Anger Denial Acceptance

Zehn Jahre sind vorübergegangen und Spineshank haben nichts verlernt
Wertung: 8.5/10
Genre: Nu Metal, Crossover
Spielzeit: 44:47
Release: 15.06.2012
Label: Century Media

Gefühlte 50 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Spineshank-Platte "Self-Destructive Pattern" bei der Schreiberin dieser Zeilen wochen-, wenn nicht gar monatelang rauf und runter lief. Songs wie "The Beginning Of The End" hatten damals, im Jahre 2003, einfach eine ganz eigene Melancholie, die einem gleichzeitig das Herz schwer werden ließ und einen zu aggressiven Hochflügen anstachelte. Lange Zeit war es still um die Amis - fast zehn Jahre Pause kommen im Musikbusiness einem Todesurteil gleich, könnte man meinen, denn so lange hat die Truppe mittlerweile nichts mehr von sich hören lassen. Erst letztes Jahr spielten die Jungs um Sänger Johnny Santos zwar eine Headlinertour, die schwappte aber wie so oft leider nicht nach Deutschland hinüber, sondern beschränkte sich auf heimatliche Gefilde.

Wie auch die Kollegen von Taproot und Smile Empty Soul, die den Nu Metal ins neue Jahrtausend retteten und jetzt, eine Dekade später, wieder neu beleben wollen, knüpften Spineshank soundtechnisch zumindest teilweise an die alten Stücke an, aber Überraschungen gibt es auch für die Fans der ersten Stunde auf der neuen Scheibe "Anger Denial Acceptance", das seinen Titel, der ebenso psychologisch ausfällt wie "Violent Mood Swings" seinerzeit, nicht ganz zu Unrecht trägt: Die einzelnen Bandmitglieder hatten laut eigenen Aussagen die vergangenen Jahre mit allerlei Mist wie Scheidung oder dem Tod diverser Verwandten zu kämpfen - alles Umstände, die einen durchaus zu Wutausbrüchen und Aggressionsanfällen verleiten können. Dementsprechend fallen die neuen Songs eine ganze Ecke härter aus als noch Anfang der 2000er, Mr. Santos hat einiges dazu gelernt und brüllt seine Kollegen stellenweise in Grund und Boden und überhaupt klingt die Band gesammelter und kompakter als noch zu Anfangszeiten.

Im Voraus wurde bereits die Single "Nothing Left For Me" veröffentlicht, um die ersten Fans zum Sabbern zu bringen und tatsächlich kann man noch problemlos letzte Spuren von damals im neuen Sound finden - klarer Gesang, gepaart mit durchweg kraftvolleren Screams als noch anno 2000 kristallisiert sich hier heraus, außerdem hat die Truppe mittlerweile ein noch besseres Songwriting entwickelt. Man durfte also nach dem ersten Höreindruck auf den Rest der Scheibe durchaus sehr gespannt sein.

Der Opener "After The End" weist dann auch die typischen Industrial-Metal-Elemente auf, die auf den früheren Platten noch wesentlich stärker vertreten waren, aber auch im Jahr 2012 wieder ihre Daseinsberechtigung im Spineshank-Sound gefunden haben. Der Refrain ist wirklich bandtypisch ausgefallen und weckt Erinnerungen an die alten Zeiten. Wenn das so weitergeht, dürften sich die Fans von damals vor Begeisterung einnässen.
"Murder Suicide" tendiert fast schon ein bisschen in Richtung Metalcore - wenn man sich die Dynamik mal genauer anschaut, könnte der Track sich mit seinen brachialen Strophen und dem leicht heruntergeschraubten Refrain gut dem Core-Genre zuordnen lassen; besonders die punktgenauen Drums fallen hier positiv ins Gewicht. Immer wieder überrennen Spineshank den vor den Lautsprechern klebenden Hörer mit brutalen Einschüben, die man so gar nicht auf der Liste hatte, weil man die Band prinzipiell nur mit Nu Metal à la "New Disease" oder "The Beginning Of The End" verbindet. Apropos "End": "Everything Everyone Everywhere Ends" ist auch so ein Stück, das fast schon auf eine Kombination von Industrial und Death setzt, durchsetzt mit klaren Vocals, die beinahe verzweifelt zwischen dem ganzen Gedresche hervorblitzen. Solch ausgefeiltes Songwriting bei einer Band zu hören, die solange von der Bildfläche verschwunden war, lässt einem regelrecht das Herz aufgehen.

"Exit Wounds (Acceptance)" bietet noch mal ein fulminantes Finale mit drängenden Drums und einem Refrain, der in ganz anderen Sphären als die ruhig vorgetragenen Strophen schwebt, die mit Keyboardsamples hinterlegt sind. Zum Chorus hin rastet die Band noch mal gepflegt aus, setzt dabei aber eher auf große Emotionen als auf pure Gewalt - sehr fein gemacht und als Rausschmeißer nahezu perfekt, zumal man erst nach mehrmaligem Hören kleine Feinheiten wie Johnnys Hintergrundschreie mitbekommt.

Fazit: Von Gänsehaut über Ausraster ist hier tatsächlich so ziemlich alles dabei, was das Herz eines jeden Spineshank-Fans begehrt. Die Truppe hat sich zwar weiterentwickelt seit ihrer letzten Scheibe, zum Glück ist das alte Feeling aber nicht völlig ausradiert worden. Ein paar mehr Brecher von der Art des finalen Tracks hätten vielleicht nicht geschadet, andererseits hätte so die Atmosphäre vielleicht aber auch seinen Reiz verloren. Im Ganzen betrachtet ist "Anger Denial Acceptance" ein würdiger Neueinstieg in den Nu-Metal- und Crossover-Sektor.

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