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Spellbound Dazzle: Unreal Fairytales

Bizarre Anordnung merkwürdiger Songs
Wertung: 3/10
Genre: Hard Rock, Heavy Metal, Alternative
Spielzeit: 48:37
Release: 29.01.2011
Label: Limited Access Records

Ich geb’s zu, ich bin vielleicht, was italienischen Metal angeht, ein klein wenig voreingenommen. Bei Bands aus dem Land mit dem Stiefel bin ich nun mal von vornerein skeptisch. Bisher schafften es nur sehr wenige, mich vom Gegenteil zu überzeugen, unter anderem As Memory Dies, und auch dieses Mal hat das Bauchgefühl wieder gesiegt: Spellbound Dazzle klingen genauso, wie der Name vermuten lässt – klassisch, verwirrt und irgendwie merkwürdig. Da wird klassischer Metal – glücklicherweise ohne den charakteristisch hohen Gesang – mit Progressive- und Alternative-Elementen gemischt, dazu gibt’s eine riesige Portion Hardrock und ein bisschen kroatische Folklore – letztes erklärt sich zumindest aus der Herkunft des Geschwistergespannes Kreso (Keyboard, Gesang) und Branko (Gitarre), die die Band bereits 2003 auf die Beine stellten und mit Drummer Stefano und Bassist Dante schnell zum Quartett aufstockten. 

Experimentelle Musik kann durchaus interessant sein, wenn sie gut gemacht und in sich zumindest noch einigermaßen schlüssig ist – der einzige rote Faden, der sich durch das Debütalbum von Spellbound Dazzle zu ziehen scheint, ist allerdings die Tatsache, dass sie eigentlich gute Ansätze völlig versauen. Dabei klingt Sänger Kreso des Öfteren wie ein Mitglied einer Boygroup – das heißt, er klingt nicht, er jammert. Da fragt man sich doch, warum man überhaupt „harte“ Musik hört, wenn sowas dabei rauskommt.

Dabei ist längst nicht alles auf „Unreal Fairytales“ schlecht (allein bei dem Namen hätte man sich ja schon denken können, was da aufeinen zukommt…) – das Intro, beispielsweise. Knapp eine Minute ist es lang und überrascht mit Flamencoklängen inklusive einer verdammt gut und innovatiov gespielten Gitarre. Sobald aber das traurig-deprimierende Gepfeife losgeht, das stark an Ennio Morricone erinnert, hat man schon so ein leicht nervöses Zucken im Augenwinkel und „Goodbye My Love“ bessert diesen Zustand nicht unbedingt. Zwar legt der Song mit recht druckvollen Drums und klassischen Gitarren gleich gut los, auch der Gesang ist vielversprechend – und zwar ungefähr zwei Sekunden lang, dann driftet das Ganze in sehr, sehr poplastige Gefilde ab und hinterlässt eine kitschige Schleimspur. Der emanzipiert gerufene Refrain hilft da auch nichts mehr. Klar hat Sänger Kreso ein etwas ungewöhnliches Timbre, an das man sich erst gewöhnen muss, aber das hier grenzt fast ans Lächerliche. 

Wir halten fest: Die Band hat Popappeal. Eine Menge sogar. Soviel, dass man sich beim Refrain der Bandhymne „SBD“ fragen muss, ob das hier noch Metal ist, geschweige denn Rock. Vielleicht geht das nur mir so, aber wenn ein Song schon wie die Band heißt, die ihn performt, sollte er doch möglichst die Vorzüge der selbigen hervorheben. Lustig-peinlicher Rapgesang, dissonantes Keyboard-Geklimper (das übrigens nicht so klingt, als wäre es absichtlich dissonant) und ein Klavier-Zwischenspiel, bei dem Ray Charles in seinem Grab rotieren müsste, machen den Song, nun ja, „interessant“. Dafür keimt bei „Monster“ schlagartig Hoffnung auf – der Gesang klingt um ein Vielfaches besser, kurze Growls werden eingestreut und man hofft, dass der Rest der Platte ähnlich gut ausfällt. Ein großartiger Song! 

„Rullo“ kann den Kurs zwar nicht hundertprozentig halten, ist aber auch keinesfalls ein Ausfall, sondern präsentiert sich als gut durchdachter Rocksong mit ein wenig zu viel Keyboard. Apropos Ausfall: „W.I.T.M.S. (When I Touch Myself)“ ist ein solcher. Völlig abgesehen davon, dass die Abkürzung irgendwie falsch anmutet, ist das Stück auch nicht unbedingt das, was man nach der bisherigen Vorstellung hören will – aber leider genau das, was man erwartet. Skip-Taste, wo bist du? Der Refrain von „Ruska“ kommt mir verdammt bekannt vor, klingt aber gegen Ende sehr wie aus einem Low-Budget-Weihnachtsfilm entnommen. Gruselig ist das. 

Gruselig ist ein Wort, das hier auch super in die Überschrift gepasst hätte, aber ganz so fies will man auch nicht sein, schließlich kommen die Jungs von Spellbound Dazzle ganz sympathisch daher, wenn sie nicht gerade Musik machen. Mehr als eine 3 von 10 kann es hier jedoch nicht geben – einen Punkt pro gutem Song, das dritte Pünktchen dient dem Elan der Band. Den kann man ihnen nun wirklich nicht absprechen; sie sollten nur lernen, ihre Begeisterung irgendwie anders auszudrücken. Weniger gruselig eben. 

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