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Soulhunter: Beyond The Twilight

Der progressive Anspruch scheitert am Songwriting
Wertung: 4/10
Genre: Hard Rock/Classic Rock
Spielzeit: 53:17
Release: 17.09.2010
Label: Thunderblast Records

Will man als Rockband heutzutage noch irgendwie aus der breiten Masse hervorstechen, so sollte man Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert aufweisen. Selbstverständlich wissen das auch die drei Münchener von Soulhunter, die sich mit ihrem Debüt „Beyond The Twilight“ wahrhaft abenteuerlichen Formen des Stilmixes verschrieben haben: Irgendwo zwischen Melodic und Classic Rock möchte man eingeordnet werden; dazu verspricht man klassisch inspirierte Gitarren nach Art von Yngwie Malmsteen, rauen Gesang mit Wiedererkennungswert, ungewöhnliche Songstrukturen sowie (mehr oder weniger außergewöhnliche) Experimente mit geslappten Bässen und Doublebassattacken. Wie soll das alles zusammenpassen? „Beyond The Twilight“ macht den Eindruck, als wüssten die Jungs das selbst nicht so ganz genau.

Das Grundgerüst des durchschnittlichen Soulhunter-Songs besteht aus einem typischen Hardrock-Riff; meist deutlich inspiriert von Bands wie AC/DC oder ZZ Top. Dieses wird durch ein paar gniedelige Licks, die tatsächlich gelegentlich an Meisterhandwerker wie die oben genannte schwedische Klampfendiva erinnern, aufgepeppt - so weit, so gewöhnlich. Nach kurzem Intro ist meist bald der Punkt erreicht, an dem der Gesang auf Einsatz drängt.

Nun kann man von Nickelback-Fronter Chad Kroeger halten, was man will – und das ist in meinem Fall gar nicht mal so viel –, aber der Mann hat ohne Frage einen kraftvollen Diesel in der Kehle sitzen. Markus Glas von Soulhunter klänge wohl auch gerne wie der Kanadier; leider mangelt es seinem Organ dafür aber deutlich an Kraft, Ausdruck und Ausdauer. Zudem kommen die Lyrics, denen man stark anmerkt, dass sie nicht von einem Muttersprachler verfasst wurden, über die Drescherei der üblichen Phrasen kaum hinaus. So gerät die Gesangsperformance über weite Strecken emotions- bis lustlos und allgemein allenfalls durchschnittlich.

Damit reiht sie sich leider nahtlos in die Gesamtleistung der Band ein, die, abgesehen von den stimmlichen Limitierungen, vor allem vom schwachen Songwriting nach unten gezogen wird. Zwar besitzen alle drei Mitglieder fraglos die Fähigkeiten, mit ihren Instrumenten ordentlich umzugehen – wie genau dieses Können in Songstrukturen zu verpacken ist, scheint ihnen dagegen weniger geläufig. Die Folge sind Songs, die von überflüssig vielen Breaks in so viele Teile zerhackt werden, dass man als Hörer nicht nur den Überblick, sondern auch den roten Faden verliert. Vor allem der Gitarre wird großzügiger Raum für Soli eingeräumt, während der Bass allgemein sehr stiefmütterlich behandelt wird: Meist pumpen gelangweilte Achtelbewegungen im Hintergrund herum; wenn mit den groß angekündigten Slappingeinlagen für Abwechslung gesorgt wird, dann meist an den unmöglichsten Stellen und mit denselben Standard-Schlagzeuggrooves im Rücken wie bei den anderen Songs auch.

Trotzdem möchte man „Beyond The Twilight“ sicher nicht völlig misslungen verstehen, denn bei allen ärgerlichen Mängeln in den Arrangements finden sich doch immer wieder schöne Gitarrenmelodien oder nette Zitate großer Vorbilder, wie die melodische Anlehnung von „Walking On The Deadline“ an Led Zeppelins „Stairway To Heaven“. Immer wieder blitzt hervor, dass Soulhunter durchaus Potential hätten, wenn sie sich nicht an eine Vorstellung von Progressivität klammern würden, die durch möglichst wenig Fluss und möglichst viele unnötige Wendungen charakterisiert ist. Die Zeit, die man über den Arrangements brütend verbracht hat, wäre in mitreißendere Riffs und Melodien besser investiert gewesen. Vielleicht wäre es dann häufiger gelungen, Atmosphäre und Drive aufzubauen – so findet sich beides äußerst selten und eigentlich nie auf Länge eines gesamten Tracks. Die längste interessante Passage hat da wohl noch „World Keeps Turnin'“ aufzubieten.

Diesen Song hätte ich mir auch als Rausschmeißer gewünscht, denn mit „Best Friend“ wartet noch die unerträgliche, aber vermutlich obligatorische Schnulze – und dann auch noch in zweifacher Ausfertigung. Das lyrische Niveau ist endgültig auf dem Tiefpunkt angelangt und auch sonst ist der Track an Kitschigkeit und Beliebigkeit schwer zu überbieten. Ironischerweise ist ausgerechnet hier endlich einmal so etwas wie eine nachvollziehbare Struktur erkennbar.

Das nährt die Hoffnung, dass bei Soulhunter noch nicht alles verloren ist, wenn sie ihre zweifellos vorhandenen Stärken nur konzentriert zusammenführen würden. Mit einem höchst durchwachsenen Debüt kann man der deutschen Musiklandschaft immerhin schon einmal Hallo sagen, um dann vielleicht auf Album Nummer zwei alles richtig zu machen.

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