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Souldrinker: Semper Fidelis

Ein gewagtes, aber gelungenes Experiment
Wertung: 9/10
Genre: Modern Power Metal / Female Fronted Metal / Groove Metal
Spielzeit: 14:16
Release: 01.03.2013
Label: Eigenproduktion

Ein bisschen verzwickt ist die Situation ja schon. Die Band Souldrinker rekrutiert sich zu einem Großteil von Watch Me Bleed und der Frontfrau von The Mystery, Iris Boanta. So weit ist das noch nicht so verwirrend, aber die neue All-Star-Formation hat sich viel Mühe gegeben um neues musikalisches Terrain zu erobern. Die Band spielt eigentlich richtig fetten Groove Metal bis Death Metal und mischt dazu eine richtige Rockröhre. Das klingt im ersten Moment dann doch etwas kurios.

Das Ergebnis überrascht aber. Durch den Stilmix entsteht eine sehr interessante Mischung. Die grundlegend sehr harte Musik wird durch die Sängerin ein bisschen weicher und runder. Gleichzeitig wirkt die Stimme von Iris kühler und unnahbarer als bei The Mystery. Insgesamt ergibt sich eine sehr kühle und gleichzeitig ansprechende Struktur. Souldrinker leben vom Schwung von einem Extrem ins andere. Das ist schon von ganz von Beginn an sehr auffällig. Dabei treffen harte Riffs und brachiale Schlagzeugpassagen auf weit geschwungene Melodien der Ausnahmesängerin. Zu dieser gesellt sich noch Alex Gindu am Mikrofon. Der eine Teil der Watch Me Bleed–Shouterfraktion ist auch bei Souldrinker für die aggressiven Growls verantwortlich. Daraus ergibt sich ein sehr starker Kontrast in den Gesangslinien, der ziemlich einzigartig ist.

Der Gesang ist mit Sicherheit das herausragendste Element der Band, aber nicht das einzige Erkennungsmerkmal. Markus Pohl, der Gitarrist von Watch Me Bleed und Mystic Prophecy ackert sich durch harte Riffs, filigrane und schnelle Passagen und manchmal auch ausladende Melodien. Den Großteil machen die Leadriffs aus, die nie überladen klingen. Markus konzentriert sich auf das Wesentliche und zeigt aber trotzdem immer wieder mal, das sein Können weit über das Riffing auf den Songs hinaus geht. Bestes Beispiel ist ein Gitarrensolo während „To All That Is Lost“. Der Gitarrero weiß schon, wie man es richtig macht.

Es ist sehr schade, dass „Semper Fidelis“ nur eine Drei-Track-EP geworden ist. Es würde keine Probleme bereiten, wenn man sich durch zehn oder mehr Songs des gleichen Kalibers durchhören könnte. Souldrinker erfinden das Rad nicht neu, aber sie sind nicht so weit entfernt. Bands mit wirklichen eigenen Ideen sind sehr rar geworden; umso schöner ist es, wenn man dann eine solche Perle im CD-Regal findet. „Semper Fidelis“ ist ein Schmuckstück, welches viele Metalfans aus verschiedensten Genres ansprechen könnte, weil es einfach nicht in eine Schublade passt. Acht Punkte verdient sich der Silberling durch tolle, griffige Songs und ansprechende Arrangements. Einen ganzen Extrapunkt gibt es für den Ideenreichtum und die offensichtliche Hingabe an das Projekt der Musiker. Die Platte sollte man sich auf jeden Fall einmal anhören. Selbst wenn sie nicht gefällt, hat man wenigstens einmal außergewöhnliche Musik in den Ohren gehabt.

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