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Soulbound: Myllennium

Auf zum Tanze zwischen den Stühlen
Wertung: 8/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 40:49
Release: 19.02.2016
Label: Timezone Records

Vor vier Jahren hatte noch unser damaliger Schreiberling Morten das Debütalbum „Towards The Sun“ näher beleuchtet, was im Nachgang insofern schade ist, da mir selbst dieses Scheibchen eben nicht bekannt ist. Und wenn damals Soulbound hiernach in die Heavy- bis Melo-Death-Ecke gedrückt wurde, so kann man das bei dem vorliegenden zweiten Full-Length-Rundling so nicht mehr stehen lassen. Am besten dürfte noch die Alternative-Metal-Schublade mit Nu-Metal-Esprit für „Myllennium“ - ein Wortspiel aus „my“ und „millenium“ - stehen. Gut, in vier Jahren kann sich auch in Bielefeld ja viel tun, doch man darf sicherlich auch davon ausgehen, dass die Sozialisation für härtere Mucke genau in diesem Genrespannungsfeld stattgefunden haben wird.

Bei einer ersten, zugegeben oberflächlichen Inohrenscheinnahme der Songs tritt ein immer wieder gleiches Baumuster zutage, doch es sind reichlich neue Nuancen eingebaut, die das Album abwechslungsreich und auch spannend gestalten. Zu "spannend" gehören dann die beiden balladesken Nummern nur bedingt: In „One Million Scars“ zeigt sich Frontmann Johannes zunächst noch von der sanften, nicht zu schmachtenden Seite und begleitet dabei die Akustikklampfe, interessanter Effekt sind dann allerdings die einsetzenden Streicher, die dem Ganzen ein bisschen mehr Tiefe verleihen, wobei der Song sich letztlich doch noch als Powerballade mit Stromgitarren erweist und endlich auch mehr Dynamik mitbringt. Bei „Rising Sun“ kommt dann allerdings das große Gähnen, wird hier doch sachte vor sich hingezupft und das Album seines bisherigen Schwungs beraubt.

Das können sie besser, wesentlich besser, wenn man einem gewissen Maß an Massentauglichkeit nicht abgeneigt ist. Ein harter, tanzbarer Rhythmus, dazu ein ohrwurmmäßig angelegter Refrain mit leicht angerautem, aber immer melodischem, manchmal auch tief gutturalem Gesang mit herben Schreien und fertig ist ein Tanzschuppensong wie „Welcome To The Dawn“. Auch das anschließende „Heat To The Sky“ ist von der Machart ähnlich angelegt, wird aber mit einer bedrohlich wirkenden, „Terminator“-artigen Einleitung versehen, ein erneut sehr melodisch massentauglicher as fuck-Refrain und als Kontrast ein paar zackige vorgetragene Tempoverschärfungen katapultieren den Song gleich mal zum Anspieltipp.

Auch wenn wie in „Neverland“ die Härteschraube wieder deutlich angezogen wird, bleibt der Refrain melodisch, die Zwischenparts grooven höllisch und gerade beim Gesang legt Johannes noch eine derbe Schippe Craziness drauf. Der Titeltrack „Myllennium“ überrascht mit seiner epischen Keyboardeinleitung genauso wie das herrlich schräge Gitarrensolo in „Overcome“, wo dann die prima abgedrehte Gesangsleistung noch ein bisschen Streusel auf die bisherige Soundsahne bastelt.

Dem schnieken, dreifach klappbaren Digipak ist dann noch eine DVD beigelegt, die acht Songs im Livemitschnitt beherbergt. Die Aufnahmen sind gut, auf der Bühne sind die beiden Klampfer ein bisschen hüftsteif, lediglich Bassist Jonas schraubt sich regelmäßig die Birne ab, doch das Potenzial der Truppe wird auch so deutlich, sind doch auch ein paar Songs aus Debützeiten eingebaut. Ganz großes Kino so ganz nebenbei ist aber die Kamera im Moshpit, da hat man ja fast schon das Gefühl, mitten im Gewühl dabei zu sein.

Fans von Ill Niño bis In This Moment dürften sich hier wohlfühlen und den perfekten Stoff zum Tanzen oder wahlweise Ausrasten vorfinden, Pogo inklusive. Soulbound klopfen an internationalen Türen an, nutzen Crowdfunding zur Umsetzung ihrer Ziele und wenn sie nun noch ein bisschen Marketingglück haben, dann dürften sie sich schon längst aus den Jugendzentren herausgespielt haben, dafür ist die Mucke trotz aller Härte durchaus massentauglich genug.

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